Ein Monat Google+

Kein anderes soziales Netzwerk hat innerhalb so kurzer Zeit so viele User angezogen wie Google+. Doch um aus diesen Trends in die ferne Zukunft zu schließen, ist es noch viel zu früh.

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Seit einem Monat gewährt Google der ausgewählten Öffentlichkeit einen Einblick in seinen Facebook-Konkurrenten Google+. Allen Unkenrufen zum Trotz, wonach Google unfähig sei im Social Web Fuß zu fassen, ist es dem Suchmaschinen-Riesen damit gelungen, einen noch nie zuvor dagewesenen Hype loszutreten. Mussten sich Facebook und Twitter über zwei Jahre gedulden, um 10 Millionen User beisammenzuhaben, brauchte Google+ dafür kaum mehr als zwei Wochen. Heute sind es bereits über 20 Millionen.

Zu verdanken hat Google diesen Erfolg zum einen den weitgehend positiven Kritiken sowie der umfassenden Berichterstattung auf einschlägigen Webseiten und Blogs; alleine auf Mashable wurden binnen eines Monats an die 80 Artikel zum Thema verfasst. Zum anderen hat Google+ seinen Erfolg natürlich auch seinen Konkurrenten zu verdanken, den „Infektionsmaschinen“ Facebook, Twitter und vielen mehr. Facebook hätte wohl selbst eine Plattform wie Facebook gebraucht, um innerhalb so kurzer Zeit so viele Nutzer anzuziehen – doch das war 2004, eine Zeit, in der das Wort Mund-zu-Mund-Propaganda noch im weitaus wörtlicheren Sinn zu verstehen war als heute.

Fragt sich nur, wie nachhaltig der Erfolg von Google+ ist. Dass die Diskussion rund um den Klarnamen-Zwang oder das Scharmützel mit „Captain Kirk“ William Shatner der Plattform großen Schaden zugefügt hat, darf bezweifelt werden. Derlei Skandale und Skandälchen konnten bisher auch dem Erfolg von Facebook keinen Abbruch tun. Allerdings: Der enorme Hype, den Google+ Early Adopters aus der ganzen Welt zu verdanken hat, dürfte fürs erste einmal abflachen. Bereits in der zweiten Julihälfte verzeichnete der Traffic-Tracker Experian Hitwise bei Google+ einen Rückgang der Nutzungsdauer und Visits.

Doch das muss noch nicht viel bedeuten. „Google+ sieht aus wie ein soziales Netzwerk und fühlt sich an wie ein soziales Netzwerk, aber ich glaube nicht, dass es darauf hinausläuft“, meint David Armano von Edelman Digital, Chicago. „Was Google hier erfolgreich begonnen hat, ist die Erschaffung von etwas, das meiner Meinung nach eine soziale Ebene innerhalb des gesamten Google/Web-Ökosystems werden wird.“ Google+ sei demnach kein „Facebook-Killer“ (und brauche es auch gar nicht zu sein), sondern der Kitt, der Nutzern bei der Suche, Kommunikation, Kollaboration und Medienrezeption zusammenhält. So sei Google+ etwa hervorragend dazu geeignet, Suchmaschinenergebnisse näher an die Empfehlungen des Social Web heranzuführen. Auf gutem Weg ist Google dabei allemal: Bereits jetzt wird der +1-Button mehr verwendet als Twitters Tweet-Button.

Man darf also gespannt sein, wie es mit Google+ weitergeht. Doch eines darf dabei nicht vergessen werden: „Google+ ist ein Langzeitprojekt und kann nicht in Form von Kurzzeit-Gewinnen oder -Verlusten gemessen werden“, warnt Ben Parr von Mashable. „Es wird noch viele Monate dauern bis wir wissen, ob und welchen Platz Google+ im Social-Media-Universum einnehmen wird.“ Der nächste große Schritt wird die Einführung von Corporate Accounts sein, die für die kommenden Monate erwartet wird. Regelmäßige Updates liefert der Konzern in seinem Blog „What’s new in Google+“.

Quellen:
http://www.theatlanticwire.com
http://www.digitaltrends.com
http://www.bloomberg.com
http://www.edelmandigital.com
http://mashable.com
http://news.cnet.com
http://www.google.com (Screenshot)