Social Business Excellence | Exploring the Silicon Valley or „It's all about disruption”

Ich hatte die große Ehre, Teil der Google Executive Management Tour 2014 zu sein. 4 Tage voller Inspiration rund um das Zerbrechen (eng. „Disruption“) traditioneller Geschäftsmodelle im Zeitalter exponentieller Technologien. Meine persönlichen Eindrücke und Take Aways möchte ich hier teilen.

Den Auftakt des Events bildete nach einem ersten Beschnuppern in der Bar des Clift Hotel, im Redwood Room Samstagabend, eine frei zu wählende Freizeit Aktivität am Sonntag. Das Event selbst weist durchaus großen Networking Charakter– schließlich waren 19 Executives aus AT von Samstagabend bis Mittwochmittag in einer Art Google Klassenausflug in derselben Mission unterwegs, das Silicon Valley samt seiner neuesten Entwicklungen und Trends zu erkunden. Als erstmals nach San Francisco Reisende habe ich meiner Intuition freien Lauf gelassen und mich für das Segeln im San Francisco Bay entschieden. Was sich als eindrückliches Erlebnis in meine Reisememoiren einreiht: zu sechst hart am Wind, die Eindrücke der Bay und der Golden Gate Bridge– unvergesslich.

Nach dem Vergnügen und einem Abendessen starteten wir sehr früh (um 7:15 Uhr!) in den nächsten Tag, schließlich dauert es doch bis zu einer Stunde, um durch den morgendlichenVerkehr von San Francisco nach Mountain View zu gelangen. Dort angekommen, wurden wir zu „Googlern“ „gerittert“ oder vielmehr „geradelt“, ging es doch weiter mit dem Bike ins Google bzw. Partner Plex, zum legendären Google Breakfast.

Den Jetlag gut im Griff (wir waren ja gefühlt 9 Stunden voran), starteten wir in ein Feuerwerk der Singularity University aus dem Silicon Valley, deren Mission für sich selbst spricht: „Our mission is to educate, inspire and empower leaders to apply exponential technologies to address humanity’s grand challenges.“

Den Auftakt machte Rob Nail , CEO und CoFounder, der uns 150 TeilnehmerInnen (aus AT, CH und Nordeuropa) zum Thema Exponentialität der Technologien und dessen Wirkung abholte: Wenn wir keine Long Distance Calls mehr führen, sondern zurFlatfee Sykpen, wenn wir auf amazon.com bequem vom Sofa oder Schreibtisch aus bestellen und nicht mehr in das Buchgeschäft gehen, wenn Produkte wie NIKE FLYKNIT künftig am POS, maßgeschneidert in Größe, Form und Design in einem 3D Drucker gedruckt und nicht länger als Einheitsware verschifft und gelagert werden, wenn wir im Straßenverkehr dank selbstfahrender Autos den Faktor Mensch ausschalten und Unfälle gegen null reduzieren (daran arbeiten wir auch in Österreichhttp://www.tttech.com/), dann zerbrechen traditionelle Geschäftsmodelle, weil sich Konsumentenverhalten tatsächlich ändert. Die Übergangsphase, in der wir uns am Weg ins exponentielle Zeitalter gerade befinden, bedeutet Veränderung für all das, was uns Sicherheit gegeben hat:

Lehrer werden nicht länger Wissen vermitteln, sondern Ziel der Schulzeit muss es sein, Kinder dabei zu unterstützen, ihre Passion und Kreativität zu entdecken. Schüler sollen gerüstet für ein hochflexibles Umfeld sein. Manager treffen nicht länger Entscheidungen, sondern managen ihre Teams, damit diese von selbst zu den besten Entscheidungen kommen.

Was er dann eindrucksvoll demonstrierte und neue Technologienwie Quark Chips, deren Rechenleistung jeder eines 386er Rechners entspricht, oder „Bluetooth low energy“. BitCoins führte er als „open hackable money & contracts“ ins Rennen, womit bewiesen wäre, dass offene Systeme angenommen werden, aber nicht immer zum erwünschten Ergebnis führen. Er prophezeite uns die nächsten 15 Jahre Transformation und machte sich auf den Weg nach Amsterdam, um auch Europa mit seinen Hypothesen zu bereichern.

Neil Jacobstein sensibilisiert dafür, dass uns das Zeitalter der Artificial Intelligencelängst erreicht hat: schließlich sind wir alle mit dem Autopiloten nach San Francisco gekommen

Meinen Einwand zur gefühlten Souveränität durch den Menschen alsGrundvoraussetzung zur Akzeptanz der AI Technologien wollte er nur bedingt gelten lassen.

Dazu ein Buchtipp von Rob Nail: Abundance: The Future Is Better Than You Think– bereits Teil der ambuzzador Bibliothek, sharing jederzeit gerne!

Den deeper dive in Hypothesen zur technischen Grundvoraussetzung für disruption (=Innovation) vollzog Brad Templeton mit seinem Statement: „Precondition for disruption is an open hackable platform!“.

Moderne Medizin und tweetende Windeln

Daniel Kraft vertiefte sich in den Möglichkeiten der modernen Medizin, zu unser aller Erstaunen sprechen wir in diesem Kontext nicht länger von „Wearables“, sondern längst von „Insideables“, die wiederum die Rolle von Ärzten in der rein physischen Diagnose nachhaltig verändern und Diagnose wesentlich verlässlicher und nachhaltiger machen. Dank Big Data wird Medizin personalisiert und lässt praxisorientierte Vergleiche von ähnlichen Fällen zu.

Wenn’s denn doch zu weit, oder aber in die Hose geht, dann tweetet sogar die Windel, wie im Fall von #tweetpee.

David Roberts lieferte die Kür des Tages und erntete mit seinem emotionalen TalkStanding Ovations und so manch eine Träne der Ergriffenheit. Demonstrierte er uns doch sehr eindrucksvoll, dass wir die uns zur Verfügung stehenden Technologien lediglich für First World Problems und nicht zur Lösung der Armut in der Welt einsetzen.

In einem starken Intro ging es zunächst um die Dynamik von Disruption, am Beispiel des Eiskönigs Frederic Tudor, der die erste Form des „Eisschranks“, erfand und dessen Geschäftsmodell im Laufe der Zeit vom Kühlschrank zerbrochen wurde. OderHenry Ford, der mit der Erfindung der Serienproduktion des Automobils diePferdeindustrie nachhaltig zerbrochen hatte.

Sein Plädoyer für den Mut zur Veränderung der Welt (die bekanntlich der Flügelschlag eines Schmetterlings auslösen kann) schloss er mit einem Video aus dem Mai 2014, in dem eine Katze ein Kind vor einem Hund rettet:

(VIDEO)

Alles ist möglich, wenn wir es mit der richtigen Haltung angehen!

Der nächste Vortrag von Marc Goodman zum Thema Cyber Crimes ließ uns TeilnehmerInnen ein wenig blass werden. Denn noch nie hatten wir uns ausgemalt, dass sämtliche von uns euphorisch eingesetzten Tools wie Crowd Funding, Internet of Things, #flash(m)rob & Co auch von der anderen Seite der Macht, im Deep Web eingesetzt werden. Meine Insights dazu teile ich gerne persönlich, aber besser nicht hier im Netz.

Den Abschluss des vollbepackten Tages bildete Salim Ismail zum Thema Exponential Organisations. Mitgenommen habe ich mir, dass die Halbwertszeit unseres Wissens nur noch fünf Jahre beträgt, womit sich der Bogen zum Beginn des Tages rund um Ausbildungs- versus Lernsysteme schließt.

Tag 2: Youtube und Google Marketing

Trotz Party am Abend, starteten wir wiederum um 7:30 #fitandsocial in den Tag 2: Auf den gBikes, versteht sich Das Google Team hatte sich mit Tag 1 selbst die Latte sehr hoch gelegt, dennoch gelang es dem Team die Impulse des Vortags souverän um eigene zu ergänzen: Hervorheben möchte ich 3 Beiträge:

Robert Kyncl von YouTube, der die Phänomene in der Werbewelt in zwei Paradigmen fasste: “The disconnected and the connected world”. Während es sich in der klassischen Werbung um ein B2B Business dreht, in dem es um Beziehungen, teure Produktionen und hohe Mediabudgets für das Powerplay derselben geht, widmet sich die digitale Welt, kreativen, wenig aufwendigen Produktionen von und fürNischenzielgruppen, die dann mit relativ kleinerem Budget und großer Wirkung u.a. auf YouTube ihr Publikum finden. Als eines seiner Best-of präsentierte er die Kampagne „Dude Perfect“ von Gatorade, die 1,8 Mio. Views generierte.

Avinash Kauschik, Marketing Evangelist von Google, rockte die Bühne! Er demonstrierte schonungslos anhand der Social Media- und Web-Auftritte von anwesenden Corporates, wie es nicht gehen kann. Stets die Conversion im Auge, wollen Unternehmen ihre Kunden am ersten Abend an der Bar zu einem One Night Stand überreden, anstatt nachhaltig entlang des Entscheidungsprozesses zu agieren. Von der Evaluierungsphase, die Kauschik als „See“ bezeichnet, in der es um Content geht, über die Nachdenkphase („Think“) für die es Marketing Strategien braucht bis zur finalen Entscheidung („Do“), für die Metrics zur Erfolgsmessung gefragt sind.

Key Message war, sich an jene Konsumenten zu halten, die bereits Kaufbereitschaft zeigen, also jene, die auf der Suche sind. Also am hinteren Ende im Entscheidungsprozess anzusetzen, nicht am vorderen, wo traditionelle Marketinginstrumente mit hohen Budgets und geringer Trefferquote ansetzen.

Last but not least will ich noch die Frage „What’s your X?” weitergeben, mit der unsObi Felten, die einzig weibliche Referentin der zwei Tage vom Googleplex verabschiedete, nachdem sie aktuelle Projekte aus der Google Moonshot Factory, derZukunftswerkstatt, vorgestellt hatte. Ein Moonshot ist für Google die Schnittmenge aus “solving a huge problem“, with a „radical solution“ mittels „breakthrough technology“. Die Community bringt unter www.solveforx.com ihre Ideen mit ein: Aus 100 Ideen werden 30 bis 40 Prototypen entwickelt (die rasche Umsetzung in Prototypen ist eines der Erfolgsrezepte von Google). Rund 10 Ideen werden jeweils alsGoogle X-Projekte weiterverfolgt. Aktuell sind das Projekte wie die bereits zitiertenselfdriving cars, Google Glass, „Loom“ (ein Projekt, das über Ballone in der Stratosphäre Internetverbindung in alle Ecken der Erde bringen soll), oder die „Smart Contact Lens“, die anhand der Tränenflüssigkeit zB unseren Blutzucker laufend misst und sich so nebenbei ganz von selbst mit jedem Augenaufschlag wieder auflädt.

Was ich mir untern Strich mitnehme? Das wir bei ambuzzador mit unserer Arbeit rund um Social Transformation am richtigen Weg sind und sehr prominente Sparing Partnerim Silicon Valley haben. Und dass es jeden einzelnen Tag an uns selbst liegt, die Welt zu verändern!

Mein großes Danke geht an Google Österreich (selbstverständlich haben wir als Teilnehmer alle Kosten der Tour selbst übernommen), insbesondere Klaus Müller, der ein großartiger Gastgeber war und an meine 18 MitstreiterInnen für die vier Tage voller Inspiration, Sharing & viel Spaß!