Eure Kinder werden NFT-Natives sein!

Ich gebe zu: Dass Ihre Kinder NFT-Natives sein werden, ist schon eine steile These. Vor allem, weil sich das Thema seit Anfang des Jahres 2021 zu einem solchen Hype-Thema entwickelt hat, dass man das Gefühl hat, dass das Thema sehr schnell wieder von der Bildfläche verschwinden wird. Doch die Entwicklungen der vergangenen Wochen widerlegen das Abflachen des Hypes.

Facebook, Nike und Microsoft sind gerade dabei ihr Metaverse zu bauen, Twitter arbeitet an einer NFT-Integration und Marken wie Louis Vuitton, McDonald's, Air Baltic und der WWF Deutschland sind bereits auf den NFT-Hypetrain aufgesprungen. Vielen geht es hier möglicherweise nur darum schnelle Erträge sowie Buzz-Generierung zu erzeugen. Doch die Tokens können noch viel mehr. Was? Das werde ich in diesem Blogbeitrag erklären.

Doch was sind NFTs eigentlich?

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Während der ersten NFT NYC-Konferenz wurden auf dem Times Square bekannte und wertvolle NFTs gezeigt (Bildquelle: @punk5629)

Fangen wir mal vorne an: der Non Fungible Token (NFT)

Hinter der Abkürzung NFT steckt ein nicht austauschbarer Token. Also ein einzigartiges, nicht-austauschbares digitales Gut, welches ein GIF, JPG, Tweet, Video, Musikstück oder auch ein Eigentumsanteil an einem analogen Gut sein kann. Das NFT ist hierbei der Besitz- und Eigentumsnachweis für das digitale Asset, welches in der Blockchain (Ethereum und entsprechenden Subchains wie Kusama oder Moonriver) gespeichert wird. Dieser Smart Contract wird mit der digitalen Datei verknüpft. Anders als Bitcoin sind diese nicht austauschbar. Jedes ist einzigartig in dem Sinne, als dass es auf ein einzigartiges digitales Objekt verlinkt, welches wiederum einen einzigartigen Wert hat.

Somit kann die Blockchain-Technologie ein Problem in der digitalen Sphäre lösen: Es schafft Knappheit und Wertschöpfung. Wenn KünstlerInnen bspw. ihre Kunst auf Plattformen wie Opensea.io oder Singular digital verkaufen, so lassen sich die digitalen Güter erstmals bepreisen. Die Preisfindung ist hier, wie in der Kunstwelt generell, nicht immer rational.

Wer jetzt daran denkt, dass jeder einfach ein NFT-Bild screenshotten oder runterladen könnte: jede Person kann sich auch eine Kaffeetasse oder einen Regenschirm mit Klimts "Der Kuss" in einem Touri-Shop auf der Kärtnerstraße kaufen. Das analoge Original hängt allerdings im Schloss Belvedere. 😉

Die zukünftigen Anwendungsfälle oder "Warum unsere Kinder NFT-Natives sein werden?"

Wenn man sich mit der NFT-Community (besonders auf Twitter) beschäftigt, erkennt man, dass die Blockchain-Bildchen DAS Statussymbol der Web3-Community sind. Mit diesen wird angegeben, gehandelt und ein großer Reibach gemacht. Sammlerstücke sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs dessen, was die NFT-Technologie zu leisten vermag. Wie bereits geschrieben, steht hinter jedem NFT ein Vertrag (Smart Contract), der es ermöglicht, den Vermögenswert für erstaunlich kreative Dinge zu nutzen. Da dieser Vertrag in der Blockchain abgebildet wird, kann dieser nicht umgangen, manipuliert oder gefälscht werden. Dies wird nicht nur besonders interessant, wenn wir an Eigentumsrechte an Content denken - Verträge über die Blockchain werden somit unumgehbar.

Ein Gedankenexperiment

Nehmen wir an, dass wir das Jahr 2030 schreiben. Michael Jackson 2.0 startet seine Crowdfunding-Kampagne, um die für die Aufnahme seines Albums die benötigten 5.000 Euro aufzubringen. Er bietet NFTs für 100 Dollar an. Den Fans, die ein NFT kaufen, wird ein kostenloses Album und ein Ticket für die nächste Tour von Michael Jackson 2.0 in der ersten Reihe versprochen. Um 5.000 Euro einzunehmen, müssten 50 NFTs verkauft werden - das macht den Besitz ziemlich selten. Da die Gewinne aus den NFTs für die Aufnahme des Albums verwendet werden, ist im intelligenten Vertrag festgelegt, dass die Besitzer der NFTs auch am Erfolg des Albums beteiligt werden.

Als Investor erhalten Sie einen Anteil am Gewinn, wenn der nächste "Billie Jean" die Chart erobert. Das bedeutet, dass Sie im Jahr 2062, drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Albums, jedes Mal, wenn Billie Jean 2.0 auf Spotify gespielt wird, einen Kryptowährungsteil des Gewinns mit nach Hause nehmen. Durch den intelligenten Blockchain-Vertrag wird das NFT-Crowdfunding also zur langfristigen Investition. Dasselbe Smart Contract-Szenario könnte man für Immobilien, Fertigungsanlagen oder Infrastrukturprojekte vorstellen.

Wie man sieht, sind NFTs also viel mehr als nur teure, bunte Pixel-Bildchen, welche man auf Twitter stolz als Profilbild einsetzen kann.

Deswegen bin ich mir ziemlich sicher: Ihre Kinder werden zur ersten Generation gehören, die langfristige Wertschöpfung durch Smart Contracts in Kryptowährungen wie Ether, Kusama oder Moonriver erzielen werden.

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Dieser Pixel-Kryto-Michael Jackson ist auf OpenSea aktuell für rund 480 Dollar zu haben.

Doch wie kann ich das ganze für mein Unternehmen nutzen?

Aktuell entstehen aufgrund des NFT- und Krypto-Hypes viele neue DeFi-Unternehmen und Plattformen. Mit der Zeit werden auf Basis dieser Technologie völlig neue Geschäftsmodelle und Services entstehen. Momentan leben wir allerdings noch in der JPG- und GIF-Ära der Non Fungible Tokens. Diese sollte man als Unternehmen für sich nutzen. Nicht nur, weil es gerade in aller Munde ist, viel mehr um einen ersten Touchpoint mit der wachsenden Kryptoökonomie zu haben. Daher haben wir ein paar Beispiele für Sie zusammengetragen:

McDonald's

Zum 40. Geburtstag des McDonald’s McRib gab die Fastfood-Kette 10 NFTs heraus. Alles, was man dafür benötigte, um ein NFT zu bekommen, war eine Krypto-Wallet und einen Twitter-Account. Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, muss man den Twitter-Post von McDonald’s retweeten. Die Hoffnung der mehr als 100.000 retweetenden Accounts: eine Wertsteigerung der nur 10 NFTs in den nächsten Monaten und Jahren.burtstag des McDonald’s McRib gab die Fastfood-Kette 10 NFTs heraus. Alles, was man dafür benötigte, um ein NFT zu bekommen, war eine Krypto-Wallet und einen Twitter-Account. Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, muss man den Twitter-Post von McDonald’s retweeten. Die Hoffnung der mehr als 100.000 retweetenden Accounts: eine Wertsteigerung der nur 10 NFTs in den nächsten Monaten und Jahren.

WWF Deutschland

Im November 2021 hat der WWF Deutschland damit begonnen, von renommierten NFT-KünstlerInnen kreierte NFA (Non Fungible Animals) zu versteigern. Die Idee dahinter: Die Zahl der angebotenen NFTs entspricht der Zahl noch lebenden Exemplare, der auf dem jeweiligen Bild dargestellten Tierart. Die NFTs wurden zwischen 69 und 399 USDC (ein an den US-Dollar gebundener Krypto-Stablecoin) über eine energiesparsame Blockchain namens Polygon verkauft. Die Einnahmen der Aktion wurden zum Schutz der akut bedrohten Tierarten eingesetzt.

Coca Cola

Vom gemeinsamen Moment der Freundschaft inspiriert, wurden am 30. Juli 2021 auf OpenSea in einer viertägigen Auktion Coca Cola NFTs versteigert. Die Erlöse gingen hierbei an die Organisation Special Olympics International. Die Idee hinter dem Projekt war, dass Coca Cola dafür bekannt ist, Menschen zusammen zu bringen und besondere Momente zu bescheren.

Die NFTs (Friendship Box, Coca-Cola Bubble Jacket Wearable, Sound Visualize, Friendship Cards) wurden für 217 Ether verkauft (zum jetzigen Zeitpunkt rund 894.000 Euro) verkauft. Das wertvollste NFT ist aktuell für knapp 4.000.000 Euro (oder 1.000 Ether) käuflich erwerbbar.

Was es zu beachten gilt, wenn man als Marke NFTs erstellt

Als Marke sollte man sich bewusst sein, dass das minten (der Jargon für die Erstellung von NFTs in der Blockchain) und den erfolgreichen Verkauf diverse Faktoren wichtig sind:

  • Wahl der Blockchain: Es gibt aktuell diverse Blockchains (Kusama, Polygon, Ethereum) und Plattformen (rarible, Singular, opensea.io uvm.) über welche sich NFTs minten bzw. erstellen lassen. Im besten Fall sollte man hier auf den Netzwerk-Effekt vertrauen und die Plattform mit den meisten UserInnen und der höchsten Blockchain-Marktkapitalisierung (zum aktuellen Zeitpunkt Ethereum mit €487.560.825.217 Euro) auswählen.
  • Kampagne und PR rund um das NFT-Projekt: Ein paar NFTs auf einer Plattformen zu minten und dann werden sich die NFTs schon verkaufen - so einfach ist das leider nicht. Rund um die NFTs sollte eine entsprechende Werbe- und PR-Kampagne bereits lange vor dem Verkaufsstart gestartet werden. Denn bei einer entsprechenden Verknappung und einer Generierung von FOMO (fear of missing out) lässt sich so in der Fan Community Druck und somit ein erfolgreicher Verkauf gewährleisten (glauben Sie mir, ich habe vor ein paar Wochen privat NFTs gemintet und bis heute wurde nur eines für einen zweistelligen Eurobetrag verkauft).
  • Community Building: Das Erfolgsrezept fast jedes NFT-Projekts ist das Community Building rund um die NFT-Collection. Die Communities finden sich meistens auf Twitter oder Discord wieder. Hier habe ich einen guten Blogbeitrag zum Thema NFT-Community Building verlinkt.
  • Kosten: Die Kosten für das erstellen von NFTs in der Blockchain sind nicht günstig. Sie reichen von wenigen Cent (Kusama-Blockchain) bis hin zu mehreren hundert Euro (Ethereum-Blockchain). Die Kosten sind dynamisch und je nach gewünschter Schnelligkeit des Mintens und der aktuellen Fees (Gas Fees oder Gwei) unterschiedlich. Die Ethereum Gas Fees lassen sich beispielsweise über diese Website verfolgen.

Bleiben wir also gespannt, welche Anwendungsfälle sich in den nächsten Monaten und Jahren für NFTs finden lassen. Eines bleibt aber klar: Sie sind gekommen um zu bleiben.