Erster Singularity Summit in Berlin: Disruption auch in Deutschland angekommen… ?

Am 20. und 21. April traf sich die Community rund um die Singularity University, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Möglichkeiten der exponentiellen Technologien (wie 3D Druck, Artificial Intelligence oder Robotics) zur Bewältigung der großen Herausforderungen unseres Zeitalters (Energie, Klimaveränderung, Gesundheit, …) einzusetzen. Sabine Hoffmann, Gründerin und Geschäftsführerin von ambuzzador war als Alumni der Singularity University mit dabei.

Auffallend viele Executives aus traditionellen Branchen (Industrie, Finanzen, Automobil, dt. Mittelstand) haben sich eingefunden, um sich rund um ihre ersten Denk- und Gehversuche Richtung Disruption auszutauschen und Energie zu tanken für ein mutiges Weitertun, oft gegen den Widerstand des Bewährten. Doch fangen wir mal von vorne an: Was bedeutet diese viel zitierte Disruption denn wirklich? Ein gut nachvollziehbares, uns allen im Alltag vertrautes Phänomen ist der sinkende Ölpreis, der sich nicht rein zufällig parallel zur Kostenentwicklung der Solarpanele nach unten entwickelt. Immer wenn neue Technologie Grenzkosten von null ermöglicht, dann disruptiert das umliegende Branchen. Was so viel bedeutet wie ein Marktumbruch von heute auf morgen, meist verbunden mit dem Aus von heute auf morgen.

Wann gehen Grenzkosten gegen null? Eben dann, wenn Software physische Produkte ersetzt: die Handy App die Taschenlampe, Instagram den Fotoapparat, eine online Plattform (airbnb) die Infrastruktur einer Hotelkette und so weiter. Die Möglichkeiten, Dinge zu virtualisieren nimmt mit exponentieller Geschwindigkeit zu und damit der Veränderungsdruck für tradierte Geschäftsmodelle. Besonders betroffen sind Branchen, deren Core Business disruptiert wird: Banken, deren Kernkompetenz (Transaktion) von Blockchain ersetzt werden könnte, Logistik in Bereichen, die im 3D Drucker maßgeschneidert in realtime produzieren können (das passiert bereits in der Industrie), aber auch Anwälte, deren vergleichende Tätigkeiten mittels Artificial Intelligence rascher und exakter erledigt werden. Damit verbunden ist die große Angst und auch Skepsis, dass und ob Menschen durch Maschinen ersetzte werden (können). Die Formel, die uns Neil Jacobstein dazu an die Hand gegeben hat macht Mut: MENSCHEN + ARTIFICIAL INTELLIGENCE + BUSINESS PROZESS bringen das Maximum an Innovationskraft und Ergebnis. Wobei diese Frage „Mensch versus Roboter“ eine der am heißesten diskutierten war und ist. Junge Menschen äußerten in einer von der Deutschen Telekom uraufgeführten Studie das Bedenken, was sie wohl mit der vielen Freizeit anfangen werden. Was wird der neue Lebenssinn, wenn unser zentraler Sinn des Arbeitens wegfällt?

Für Unternehmen bedeutet das alles unterm Strich, maximal agile Organisationen für die Zukunft zu bauen. Organisationen, die unabhängig vom aktuellen Unternehmensgegenstand agieren können. Mit den Fähigkeiten und Assets, die das Unternehmen ausmachen. Die konkreten Schritte zum Unternehmen der Zukunft würde ich auf Basis meiner Erfahrung so skizzieren:

  • Extreme Whiteboarding : eine Technik (© ambuzzador), um die Fähigkeiten eines Unternehmens heraus zu kristallisieren. Das bedeutet, sich aus Kundensicht, aber auch aus Teamsicht die Frage zu stellen, was man als Unternehmen so richtig gut kann.
  • Aufbau eines Disruption Radars : Neue technologische Möglichkeiten und deren Auswirkung. Womit beschäftigen sich StartUps aktuell? Wo gehen Grenzkosten (als Auswirkung der Digitalisierung) gegen null?
  • Ausrichtung der Organisation für exponentielles Wachstum : was einerseits das flexible Andocken von interdisziplinären Talent Teams (für Innovationsprojekte) möglich machen muss, aber auch den sprunghaften Aufbau von operativen Kapazitäten.
  • Radikale kulturelle Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden durch die Einführung von Methoden wie Design oder Network Thinking.
  • Garniert mit „Black Ops Teams“, wie Salim Ismail sie nennt: externe, möglichst nicht Experten der Branche, die regelmäßig das eigene Geschäftsmodell hinterfragen und idealerweise „zerlegen“.

Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem es viel zu gestalten gibt – lasst uns also starten! Jetzt.

Mein persönliches Highlight, Lunch mit David Roberts

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Neil Jacobstein, Artificial Intelligence

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SU Summit Berlin, Disruption

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Sabine Hoffmann am 1. SU Summit Berlin

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