Digital Dating: Wie verträgt sich mein Geschäftsmodell mit „digital“?

Im Herzen jedes erfolgreichen Geschäftsmodells steckt eine starke Customer Value Proposition (CVP). Ein Angebot, das einen wesentlichen „Job“ für seine Kunden leistet und darin unersetzlich ist. Eben diese „Jobs to be done“ (nach Clayton M. Christensen) verändern sich angesichts der neuen digitalen Möglichkeiten dramatisch. Angebote werden virtuell und damit zu Services, was Geschäftsmodelle mitunter auf den Kopf stellt.

Die Möglichkeiten des Digitalen Zeitalters sind attraktiv und beängstigend zugleich. Attraktiv, weil es so viele neue (technische) Spielereien gibt, die sich lohnen, ausprobiert zu werden. Beängstigend, weil laut Werken wie „The Second Machine Age“-Maschinen uns Menschen ersetzen sollen. Aber das ist längst nicht alles: Als Leader müssen wir uns damit beschäftigen, was diese neuen Möglichkeiten für unser Geschäftsmodell bedeuten. Da kann es um Optimierung, aber (und da wird es spannend) auch um Innovierung gehen.

Wir müssen also zwei Treiber für die digitale Innovierung des Geschäftsmodells in unseren Fokus nehmen: die Technologie, in der wir uns so gerne verlieren, weil sie unseren Spieltrieb und unsere Neugier anspricht. Und die (dadurch) veränderten Bedürfnisse der Konsumenten. Die nicht zuletzt angesichts der Sozialen Medien und Games völlig neue Erlebnisse erwarten: Individuelle Ansprache, also ein Angebot das sich anfühlt als wäre es genau für mich gemacht und zwar in diesem Moment (wir nennen das liquid Products). Content rund um meine Lieblingsmarke, den ich mit meinen Freunden teilen kann. Der den Anschein hat, als wäre er selbst produziert und nicht länger werblich. Jedes Unternehmen muss also zum Media Produzenten werden. Dialog auf Augenhöhe, am liebsten rund um die Uhr. Und so weiter und so fort.

Der erste wichtige Schritt dafür ist, den Kunden wirklich zu verstehen. Legen Sie dafür bitte Ihre Mafo-Studien und Segmentierungen beiseite und gehen Sie raus. Auf die Straße, zu Ihren Kunden nach Hause. Um sie im Umgang mit Ihren Produkten, in ihrem Alltag zu beobachten. Zu lernen, was denn wirklich das Bedürfnis ist, an das Ihre Produktentwickler, die per Definition vom Produkt aus denken, noch nicht gedacht haben. Große Produktrevolutionen sind genau so entstanden. Etwa das iPhone. Steve Jobs und sein Team haben erkannt, dass es für Menschen auf Dauer unzumutbar sein wird, 3 digitale Geräte des Alltags mit sich herumzutragen: eine Digicam, ein Mobiltelefon und einen iPod. Also fasst er den Mut zum iPhone, mit dem er sich immerhin sein damaliges Kerngeschäft des iPods selbst abgeschossen hat. Um noch erfolgreicher zu werden.

Was braucht die Umsetzung so einer konsequenten Kundenfokussierung?

  • Purpose: einen Sinn, einen Lifestyle, dem sich Kunden und Mitarbeiter (!) anschließen können, um ihrem eigenen Lebenssinn mehr Ausdruck zu verleihen. Das ist die erste und entscheidende Aufgabe zur Innovierung des eigenen Geschäftsmodells: sich selbst zu hinterfragen, nach dem Sinn der Existenz. Wozu gibt es unser Business auf dieser Welt und was tragen wir bei, um Menschen weiterzubringen? (Mein Buchtipp dazu: The Big Five for Life, John Strelecky). Quasi eine Standortbestimmung, um unseren Beitrag zum “Job to be done” einzugrenzen.
  • Agilität: die nötige Beweglichkeit im Arbeiten und in der Organisation, um (das ist das Ziel), in Echtzeit maximal anpassungsfähig zu sein an unser Umfeld. An die Wünsche der Kunden, das Angebot neuer Mitbewerber, die Möglichkeiten neuer Technologien. Um das Unternehmen der Zukunft zu bauen. Ein Unternehmen bei dem es egal ist, das es anbietet. Weil das Erlebnis den Unterschied macht.
  • Smart Data: die Nutzung und der gezielte Aufbau des eigenen Datenmodells. Als Rückgrat des Geschäftsmodells. Das Auslesen, Interpretieren und gezielte Einsetzen von Daten, um Erlebnisse in den persönlichen Context unserer Kunden zu setzen. Fernab der personalisierten Werbung, das ist kein Kundenerlebnis, das ist Mittel zum Zweck.
  • EcoSystem: das ist die gute Nachricht für alle, die jetzt schon die Falten auf der Stirn haben. Eine Organisation muss nicht mehr alles selbst entwickeln. Um das alles bewerkstelligen zu können, brauchen wir eine neue Fähigkeit als Organisation: die Kooperation. In einem EcoSystem mit anderen, die Technologien oder Services anbieten und sofort umsetzen und andocken können. Entscheidend ist hier wieder der Ausgangsunkt des Artikels, nämlich dass die eigene CVP so stark ist, dass die Beziehung zum Kunden nicht gefährdet ist.
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Das ist alles noch zu theoretisch? Am 14. Februar um 17:00 haben Sie im Rahmen der ambuzzadorABC „Digital Date Night“ (in der Schuhmanufaktur Scheer - Bräunerstraße 4, 1010 Wien) die Gelegenheit, ihr Geschäftsmodell nach einem Impuls von Hubert Rhomberg und unter Anleitung von Agile Business Coaches und StartUp Entrepreneurs sehr konkret mit dem Internet zu „verkuppeln“. Die Teilnahme ist auf einen exklusiven Teilnehmerkreis begrenzt, bei Interesse freue ich mich auf Ihr eMail an sabine.hoffmann@ambuzzador.com.