„Die Zukunft der Arbeit ist noch in Arbeit!“

„Es geht am Ende um ein Stück weit neues Menschenbild im Zusammenhang mit neuer Arbeit!“ leitet Dr. Thomas Vollmöller, CEO der Xing AG, die in Berlin ausverkaufte New Work Experience Konferenz ein. „New Work“ gehört zu den Schlagwörtern, die in Zusammenhang mit dem digitalen Wandel immer wieder zu hören sind. Doch kaum einer kennt den Ursprung des Begriffs „New Work“.

Prof. Dr. Frithjof Bergmann (Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und später auch für Anthropologie an der University of Michigan) ist Begründer der New-Work-Bewegung. Als Mitte der 70er, Anfang der 80er Jahre verzweifelt nach Alternativen zur Massenentlassung im Zuge der Automatisierung der Automobilindustrie gesucht wurde, gründete Bergmann in Flint bei Detroit das erste „Center for New Work“. Mit seinem Team begleitete er Menschen dabei herauszufinden, was sie mit ihrer gewonnenen Zeit (6 Monate Fabrik, 6 Monate Freizeit) anfangen wollen. Seine Erkenntnis: „Die meisten Menschen wissen nicht, was sie „wirklich wirklich“ wollen – das ist der Einstieg in die „Armut der Begierde“ (Georg Wilhelm Friedrich Hegel, deutscher Philosoph ).“ Gemeint ist damit die Unfähigkeit, Wünsche zu äußern und eigene Projekte zu realisieren

„Aus Disruption Chancenwandel ziehen!“ (Thomas Sattelberger, Schirmherr New Work Award)

Noch ist nicht abzusehen, wie genau sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren entwickeln wird, doch dass uns einer der größten Umbrüche seit der industriellen Revolution bevorsteht, dämmert vielen.

„Können deutsche Wirtschaftstanker Transformation? VW, E.On, Deutsche Bank – früher blühende Unternehmen liegen heute am Boden. Nicht, weil sie nicht technologisch sind, sondern weil sie moralisch verludert sind.“ – diese Worte von Thomas Sattelberger, u.a. Vorstandsmandate bei Continental (2003 – 2007) oder Deutsche Telekom (2007 – 2012),  sorgen beim anwesenden Publikum für Raunen. Das Transformationsthema ist kein Technologiethema, sondern ein Führungs- und Innovationsthema. Sattelberger ist überzeugt: Ein erfolgreiches Zusammenspiel von Technologie & Kultur begründet sich auf Teilhabe, Kreativität und Kollaboration. Zum Abschluss fordert der ehemalige Topmanager „Deutschland braucht Freiheitszonen für Gründertum und Unternehmertum! Eine „bedingungslose“ Bildungsoffensive für alle und eine Vision für die Zukunft sozialer Marktwirtschaft!“

„Don’t ask „Human or machine“ but: Highly skilled people PLUS machines.“ (Federico Pistono, Autor, Futurist, Blogger & Unternehmer)

Dank exponentiellem Wachstum der Technologie gelingt es neuen Unternehmen (vgl. Google, Uber, Snapchat, Facebook, etc.) Unternehmenswerte der großen Player (vgl. Microsoft, IBM & Co) in kürzester Zeit zu erreichen. Laut Pistono steht dieser Trend erst am Anfang: die Konzerne der Zukunft bestehen aus wenigen aber hoch talentierten Menschen, die mit Hilfe von Maschinen die Arbeit von tausenden anderen Menschen übernehmen werden.

„Der Kunde gibt den Ton an.“ (Gitta Blatt, Executive VP HR & Organisation SKY Deutschland)

Beim durchaus hochkarätig besetzten Panel (Lufthansa Innovation Hub, SKY Deutschland, Viessmann Group, Hugendobel Buchhändler, Kienbaum International) „Lost in Transformation? Organisationen zwischen Innovation und Tradition“ sind sich die Experten einig: Customer first! Haupttreiber der Neuen Arbeit ist der Kunde (und die Digitalisierung). Größte Herausforderung dabei: die geforderte Geschwindigkeit in der Organisation umsetzen und dabei noch die Sichtbarkeit des Einzelnen fördern. Wieder Mensch sein und in den „Listening-Modus“, bevor gezielt nach Ideen gesucht wird (Gleb Tritus, Director Venture Development Lufthansa Innovation Hub).

Geht es nach den HR-Verantwortlichen, so schreiben sie sich im Zeitalter digitaler Transformation die Hauptverantwortung dabei zu, Organisationen in Bewegung zu bringen. People Management, anstatt Human Resources: „Digitalisierung in der Personalarbeit schafft Freiräume für unsere eigentliche Arbeit mit den Mitarbeitern“ sagt Dr. Ursula Schütze-Kreikamp, Leitung Personalentwicklung bei der Deutsche Bahn.

„Wir bilden Unternehmer aus!“

Markus Stelzmann, Vordenker und operativer Regisseur der Smart Factory für Überwachungstechnologien, zeigt in seinem für mich am inspirierendsten einstündigen Vortrag, dass das Neue Arbeiten nicht Theorie bleiben muss: „Alles, worauf das Unternehmen fußt, haben Mitarbeiter entschieden.“ Zur Transformation gehört nicht nur das uneingeschränkte Mitgestaltungsrecht der Belegschaft, sondern auch, dass der Technologiemittelständler nur „nachhaltig und innovative Produkte“ im Portfolio behält, die profitabel sind. Diese massiven Eingriffe in die Organisation kosteten TeleHaase nicht nur 2,5 Mio. EUR Umsatz, sondern auch 30% ihrer Belegschaft, da einige Mitarbeiter mit dieser Veränderungskultur nicht mithalten möchten. Nach Außen zeigt sich TeleHaase ebenso offen: Als Smart Company berichten die Mitarbeiter in ihrem Blog über das, was nicht funktioniert – beispielslos für eine offene Fehlerkultur.

Die aus Sicht der ehemaligen Geschäftsführung größte merkliche Veränderung durch die Transformation ist das erwachsene Kollektiv: „Wenn die Zahlen schlecht sind, schläft nicht nur die Geschäftsführung schlecht, sondern die ganze Firma!“.

Agile Leadership: Business Agilität als Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle

Tools & Methoden wie Design Thinking oder Scrum und eine geänderte Arbeitsumgebung sind das eine, was die Arbeitswelt von morgen dringend braucht, ist entsprechendes Leadership. Als Leaders für ein neues Zeitalter. Gefordert ist ein neues Verständnis von Führung im Sinne von Führungsstilen in den unterschiedlichen Phasen des Change. Um eine lebende Organisation, die in Echtzeit resonanzfähig ist, im Zeitalter digitaler Transformation zu gestalten, muss das Verhandeln neuer Werte für die Unternehmenskultur oberste Priorität haben. Ein Zeitalter der Kooperation, das für jeden einzelnen neue Möglichkeiten bringt.