Das Growth Mindset Experiment: Teil 1 – Gestatten, ein lernender Prototyp

Nur wer Neues zulässt, kann Neues sehen! Neben dem Ruf nach mehr Innovation, agilen Teams und Führung auf Augenhöhe gesellt sich ein Wort in die Rankingliste der anzustrebenden TOP-Ziele im Unternehmenskontext: Das Growth Mindset. Wir laden Sie im ersten Teil unserer Blogserie dazu auf eine kleine Reise ein.

Täglich stehen wir etlichen Herausforderungen bis hin zu Problemen gegenüber. Manche bewältigen wir mit links, andere kosten uns Nerven, Zeit und alles an Hirnschmalz und Ressourcen, die wir aufbringen können. Und genau hier beginnt unsere Reise.

Das Growth Mindset Experiment

Wie oft hinterfragen Sie ihre Strategien und die Art ihrer Umsetzung zur Lösungsfindung?

Gewohnheiten und Muster erfolgreicher Menschen werden häufig als Tipps zum direkten Katapult in die erste Reihe gehandelt. Sich neue Gewohnheiten anzueignen ist jedoch leichter gesagt als getan. Denn als Gewohnheitsfetischisten sind wir Menschen großteils – besonders uns selbst gegenüber – VerfechterInnen der ewig gleichen Muster, nach welchen wir unseren Alltag strukturieren. Dies hat einen besonderen Vorteil: es ist eine ressourcenschonende Vorgangsweise. Für standardisierte, bewährte Prozesse steht demnach wenig Anreiz zu Veränderung im Raum.

Was aber, wenn Sie sich immer öfter in Situationen wiederfinden, die bereits mehr oder weniger intensiv danach rufen, irgendetwas anders zu machen? Wenn Sie Ihr Repertoire an Strategien schon mindestens dreimal durchgespielt haben und sich der gewünschte Erfolg dennoch nicht eingestellt hat?
Dann macht es Sinn, sich die Frage zu stellen: „Muss das so sein?“ und Experimente als höchst effektive Methode zur Aneignung neuer Gewohnheiten oder zur Verabschiedung überholter Gewohnheiten zu Rate zu ziehen.

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„Muss das so sein?“

Ich gebe ihnen recht. Es ist eine komische Frage. Und genau diese komischen Fragen, behaupte ich, brauchen wir in genau jener Zwischenphase, in welcher der Ruf nach Veränderung erschallt – oder jene Pauken, die versuchen sie zu verhindern.

Komisch. Wenn ich dieses Wort in Gedanken ausspreche, sehe ich ein kleines Kind, das verwundert den Kopf leicht in den Nacken legt und verstohlen grinst. Ich sehe jemand, der scheinbar zufällig eine kleine Runde systemisch total aus dem Konzept bringt.
Welch Auswirkungen und Nebenwirkungen dies haben kann, kennen Sie vielleicht aus Erinnerungen an Peter Sellers im Film „Der Party-Schreck“.

Oft braucht es nicht viel, um den gewissen Twist in eingefahrenen Mustern herbeizuführen. Manchmal reicht schon die bloße Anwesenheit von jemandem, der nicht Teil eines Systems ist. Manchmal braucht es aber mehr als das, um diese Muster in Systemen wie Dogmen und Rituale, Entscheidungswege, Beurteilungsverhalten, Prozesse oder auch nur Essenszeiten zu brechen, einen Shift zu erwirken, der Raum öffnet für mögliche neue Lösungen.

Wenn wir nun an etwas laborieren, das wir noch nicht kennen, einen Raum mit etwas füllen sollen, das effizient zu Erfolg führt, stellt uns das vor eine Herausforderung, die mindestens so interessant wie komplex ist.

Frage: Wie fülle ich diesen Gap?
Gedanke: Nun hätte ich die Chance, etwas Neues zu wagen?!
Vorgefertigter Antwort-Gedanke: Ich muss sehen, dass ich so schnell wie möglich den Anschluss zum Daily Business kitte und für reibungslosen Lauf der Prozesse sorge.

MINDSET ALERT:
Sie wissen nicht woher, aber auf ihrem Bildschirm erscheint ein Eintrag ihrer Selbst als Erinnerung aus der Zukunft:

Protokoll eines ungeplanten Experiments

Ich / wir habe(n) ein Problem.
Alles was bisher funktionierte es zu lösen, war wirkungslos.
Etwas Unerwartetes ist passiert. Die Klimaanlage drehte auf Höchststufe über Stunden hinweg und fegte wie ein Vulkan durch alle Räume.
Alles ist durcheinander.
Im Chaos habe ich eine Notiz entdeckt und sie in der Kaffeepause mit meiner Kollegin geteilt. Sie war inspiriert und meinte, das ist der Missing-Link.
Ich hatte keine Ahnung, was sie meinte, was sie vorhatte. Ich ließ sie machen.
Es war nicht mehr viel zu verlieren. Täglich kam sie mehrmals zu mir, um mit mir ihre neue Idee zu challengen. Es war wie ein kleines Abenteuer. Wir besprachen das immer bei Kaffee am Gang. So wie es begann. Da schnappten andere Kolleginnen auf, was wir taten und gesellten sich nach und nach dazu oder hinterließen ihren eigenen, wertvollen Senf, der uns inspirierte, unser Problem noch mal anders zu betrachten.

„Nur wer Neues zulässt, kann Neues sehen.“

Es gilt neue Sichtweisen zu entwickeln, die über eine einseitige Orientierung zu Effizienz hinaus reichen – und den gekonnten Umgang mit dem Ungewissen zuzulassen. Sich immer wieder auf’s Neue in Richtung Erfolg auszurichten. Muster können als Repräsentanten erfahrungsgeleiteter Prinzipien für Haltungen und Handlungen äußerst wertvoll sein für die Bewältigung bekannter Probleme. Zur Lösung neugearteter Probleme ist der Rückgriff auf bekannte Muster möglich, aber nicht immer anzuraten. Eine besondere Aufgabe der neuen Zeit ist zu erkennen, in welchen Situationen Gelerntes und durch Erfahrung tradierte Muster jene Tools sind, die eine Navigation aus dem Dilemma ermöglichen und uns zum Ziel führen – oder ob eben die Einladung an alles bisher Unbekannte und Ungetestete geht.

Sie wollen wissen wen oder was sie sich hier eigentlich einladen sollen?

Wer Disruption will, darf disruptiven Elementen und Rollen die Einladung ins Unternehmen aussprechen. Nachdem im Tet-a-Tet mit dem Unbekannten wir von ambuzzador unbedingt die Manier „Schritt für Schritt“ empfehlen – oder auch die berühmte Metapher vom Elefanten, den man maximal Scheibe für Scheibe (= inkrementell) vertilgen kann – liegt nahe, dass auch diese Einladung an Störelemente im vorerst noch geschützten Raum ausgesprochen wird.

Experimentieren mit Störung

Haben sie sich schon mal überlegt, was sie so stört im Erreichen ihrer täglichen Quantitäts- und Qualitätsziele? Das könnte eine Persönlichkeit sein, der sie misstrauen, jemand, der viel zu viel fragt. Es könnte etwas sein, über das sie noch nie nachgedacht haben. Ein Zugang, etwas zu tun, das sie niemals so angehen würden.

Wenn ich Sie nun einlade, das Undenkbare zu denken und mit Störungen zu experimentieren, lade ich Sie ein, in einem Selbstexperiment eine andere, neue Haltung einzunehmen, damit zu experimentieren und sich von ihr in die Ausweitung ihrer Denk- und Wahrnehmungsräume leiten zu lassen.
Genau: Es ist nur ein Experiment. Ein Versuch. Einer der schief gehen kann. Aber es wird nichts Gravierendes passieren – außer, dass Sie möglicherweise neue, unbekannte Erfahrungen, Inspirationen, oder einfach „nur“ ein anderes Bewusstsein zum Problem an sich gewinnen können.

Ein gewisser Charles Darwin meinte zu gewisser Zeit: “Nur Narren verzichten auf Experimente.“.
Ich meine: „Verzichten Sie beim Experimentieren niemals auf den Narren.“

Muss ich jetzt einen Narren in mein Unternehmen holen? Vielleicht meinen Sie, dass Sie sich so selbst zum Narren machen würden?

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Nehmen wir den Narren als Metapher für Disruption unter die Lupe.

  • Klarer Geist.
  • Gewitzt ernsthaft witzig.
  • Nimmt Nuancen und Feinheiten wahr, die anderen Menschen nicht auffallen.
  • Veränderungsintelligent zeigt er stets Rückgrat (Werte)
  • Bringt mit seiner Ironie die festverkrustetsten Situationen zum Aufbrechen.
  • Trägt in sich einen schier endlosen Einfallsreichtum und entdeckt selbst in Sackgassen noch Wege hinaus. (Problemlösungskompetenz)
  • Unerschrocken ohne leichtsinnig zu sein blickt er Veränderungen ins Antlitz.
  • Seine Komplizin ist die Respektlosigkeit, mit welcher er Hand in Hand aus schimmelnden Traditionskrusten tanzt.

Nicht nur Shakespeare zeichnete in seine Werke eine Figur, die als unterhaltsamer Schatten die Mächtigen durch ihre mitgetragene Weisheit aus dem Off-Space kontrastiert: den Narr. Oftmals unter dem Deckmantel des Spaßmachers und des Alleinunterhalters ist er vielleicht sogar der Vorreiter der Beraterrolle 4.0. Bereits im späten 16. Jahrhundert erteilten KönigInnen (als Führungskräfte) den Narren das Privileg der Erlaubnis zum Irritieren und Provozieren. Diese oftmals hoch angesehenen Spezialisten oder gebildeten AkademikerInnen erhielten die Lizenz zum Hinterfragen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Die Eigenschaften und Fähigkeiten des Narren sind jene, die wir uns zu eigen machen können, um den Narren in uns – als Symbol für ein neues Mindset – für den versatilen Umgang mit Veränderungsprozessen zu nutzen. Unsere „Fixed-Mindset“-Trigger können wir als Entwicklungsmotor für das neue Mindset zu nutzen, das die Welt als lernenden Organismus wahrnimmt, versteht und dementsprechend handelt. Nutzen wir das Experimentieren (wie ein Narr) als Leitkultur für ein Mindset, das sich als lernender Prototyp versteht.

„Sie können nicht erwarten, den Jackpot zu knacken, wenn Sie nicht ein paar Münzen einwerfen.“ FLIP WILSON, US-SCHAUSPIELER UND KOMIKER

Lernen als Haltung etablieren

Stellen wir uns ein Selbstexperiment vor:

Sie evaluieren ihre Ausgangslage, ihren Status Quo und halten ihre Motivation, ein konkret formuliertes Ziel samt seinem Zweck und der erwünschten Wirkung innerhalb gesteckter Rahmenbedingungen zu erreichen fest. Solche Vorhaben schulen die persönliche Zielsetzungsfähigkeit, wenn Sie sich möglichst konkrete Ziele formulieren und den protokollierten Fortschritt mit ihrem Ziel abgleichen.Ein „Nicht-Erreichen“ wird zur Lernchance, die Sie erkennen lässt, welche Ressourcen oder Fähigkeiten zur Erreichung notwendig sind. Dieses strukturierte Experimentieren ist Projekten aus unserem Daily Business nicht unähnlich.

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Nie vergessen: Für Experimente aufgewandte Zeit und Energie ist eine sinnvolle Investition in das eigene Zukunfts-Ich und das Zukunfts-Wir.

Experimentieren Sie und laden Sie das Närrische ein in einen abgesteckten Raum für Experimente.

Wie das gehen kann oder wie Sie das angehen können? Damit beschäftigt sich der nächste Teil der Blogreihe!