Bits and Pretzels | Auf der Wies'n kommen die Leut' z'samm

Sabine Hoffmann war für ambuzzador zum ersten Mal auf der legendären Bits & Pretzels, der Gründer Konferenz rund um die Start-up-Szene in München. Fokus auf Netzwerken, wenig Neues im Inhalt und viele Fragezeichen zum Zusammenspiel von Start-ups und Corporates.

Fest steht, Start-ups und Unternehmen, die sich gegenseitig zwar höchst interessiert beschnuppern, brauchen sich dringend, finden aber noch zu selten einen gemeinsamen Weg zum Erfolg. Was sie dringend benötigen, sind Dolmetscher zwischen den so unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Sabine Hoffmann auf der Bits & Pretzels

Wenn Start-ups auf Corporates treffen, dann wird es stets spannend: Speed trifft auf eingespielte Strukturen. Längst haben Unternehmen erkannt, dass sie Antworten auf die Digitalisierung ihres Geschäftsmodells brauchen. Die Antwort scheint im Moment die physische Ansammlung ebensolcher Start-ups in greifbarer Nähe, aber ja nicht innerhalb der eigenen Organisation zu sein. So werden Innovation Hub (Lufthansa), Hubraum (Deutsche Telekom) oder Techstars (Metro Accelerator) installiert. Kleine Teams, die idealerweise und meist an den Vorstand berichten, der die neuen Ideen dann erst wieder top down in die Organisation pusht. Die Innovation bleibt also am Rand der Organisation , die Chance auf einen Kulturwandel mit der Aussicht auf eine selbstlernende, sich im Alltag innovierende Organisation wird damit ausgelassen und als HR Agenda abgetan.

Dauerproblem Silo-Organisation

Genau darum bin ich im Moment so gerne auf Events wie der Bits & Pretzels , um unterschiedliche Ansätze auszutauschen und heraus zu hören, was denn genau so schwer fällt an der notwendigen Veränderung. Abgesehen von der Organisation in Silos , scheinen es die Zielsysteme (KPIs) zu sein. Ziele, die das Gesamte, das Unternehmerische vernachlässigen. Siehe dazu auch meinen Blog vom Kommunikationskongress (Thyssen Krupp).

Nun aber zu den Inhalten der Bits & Pretzels Tag 2, den Start am Sonntag habe ich leider verpasst: Den Auftakt machte Stefan Mennerich , der New Media & IT bei Bayern München verantwortet, also Tradition und Innovation verbindet. Mennerich spricht von Digital 4.0 und davon, dass er alle Online-Aktivitäten auf einer Plattform bündelt: von der Kommunikation mit der Fangemeinde bis zum Ticketkauf. Was er da baut, ist (wenn er es auch nicht so nennt) eine richtig fette Markencommunity , auf der er Daten sammelt, verknüpft und sein Marketing zu einem CRM ausbaut. Abgesehen vom Heimmarkt baut der FC Bayern München einem Start-up gleich die Marke in China auf, in USA ist man schon weiter, mit einem eigenen Maskottchen namens Berni , das weltweit das Maskottchen mit den meisten Facebook-Fans ist ( > 600.000). Wie er auf die Ideen kommt? Inspiration holt er sich aus dem Silicon Valley und ganz klar Benchmarking mit denen, die schon weiter sind, wie die San Francisco 49ers zum Beispiel.

Stefan Mennerich über das Digitale Universum des FC Bayern München in USA

Als Kontrastpunkt folgte ein Interview mit zwei sogenannten Unicorns :

  • Delivery Hero (frisches Essen gelliefert statt selbst kochen) und
  • Adyen (Payment Lösungen).

Im Gespräch mit Moderator Richard Gutjahr wurde klar, dass der Erfolgsfaktor für das rapide Wachstum Recruiting und Talentsuche sind. Peter van der Does (dyen) sprach von seinem „Team of rockstars“, das er frei nach dem Motto „hire carefully, fire rapidly“ zusammenhält und entwickelt. Überraschenderweise hat auch ein Unicorn wie Delivery Hero kein Rezept gegen Disruption parat, auf Nachfrage von Richard Gutjahr, der als Bedrohungsszenario Uber an die Wand malte. Für Uber wäre es ein Leichtes in die Logistik einzusteigen. Warum also nicht auch für Essen sorgen?

Niklas Östberg, Founder Delivery Hero

Das Online-Marketing-Panel versuchte sich in Tipps für Start-ups in Sachen SEO, Social Media und Business Networking, ließ dabei Content Marketing und Community Building komplett außen vor und schloss dann kurz und knackig mit konkreten Tipps im Online Marketing für Start-ups. Ich behaupte, die sind auch für so manches mittelständische Unternehmen anwendbar;-)

  • Fokus im Online Marketing . Besser eine Sache wirklich konsequent und exzellent, als viele Dinge halbherzig.
  • Kommunikatoren im Unternehmen identifizieren und als Botschafter einsetzen.
  • Till Kästner, ehemals Commercial Director LinkedIn DACH plädierte dafür, die eigenen Mitarbeiter zu Networking Rockstars zu entwickeln, ein wichtiger Schritt im Ambient Marketing.
  • Die Daten , die man bereits sammelt oder gesammelt hat, bitte auch einsetzen, zur (Weiter-) Entwicklung der eigenen Online Marketing Strategie
  • Ein Plädoyer ans Ausprobieren (Proto Typing): Done is better than perfect. (Curt Simon Harlinghausen)

Das eCommerce Panel eröffnete Juliane Müller von braintree . Als Partner aller führenden eCommerce Players, wie airbnb und Uber, zeigte sie (zugegeben sehr einfache) Tipps und Tricks zur Gestaltung der Usability, mit großem Fokus auf Mobile (weltweit gibt es bereits mehr Mobiltelefone als Zahnbürsten ), liegen doch die Abbruchraten im eCommerce mobil bei 90 Prozent. Das bedeutet viel Potenzial für Optimierung also ;-)

Philipp Erler , CTO von Zalando, übte sich in Transparenz (eine neue Kultur, wie er betonte) und skizzierte seine Vision zur Transformation der Modebranche: weg von Ausbeutung billiger Arbeitskräfte hin zu einem transparenten Ökosystem, neuer Offenheit und radikaler Agilität in der Organisation.

Philipp Erler, CTO Zalando über seine Vision eines neuen Ökosystems in der Mode Branche

Tarek Müller, der den Abschluss des Panels absolvierte, habe ich leider versäumt. Hier kann ich aber auf meinen Blog von der brand eins Konferenz verweisen.

Tag 2 fand, ja wirklich, auf der Wiesn statt, im Festzelt Schottenhamel . Danke an dieser Stelle an meinen Table Host Gleb Tritus vom Lufthansa Innovation Hub , der spannende Einblicke in die noch junge Organisationseinheit (mit 15 Teammitgliedern) gab. Gemeinsam mit den Start-ups am Tisch kamen wir zu der Einsicht, dass noch ein weiter Weg vor uns allen liegt, um den Weg für innovative Ergänzungen frei zu machen, aber auch Neuerfindungen heute noch erfolgreicher Geschäftsmodelle, deren Fortbestand im Lichte der Digitalisierung nicht mehr garantiert erscheint.

ambuzzador_wiesn

Harry G als Festakt im Schottenhamel Zelt

Die Bits & Pretzels empfehle ich all jenen, die ungezwungen Start-ups und deren Geschäftsideen, aber auch deren Spirit kennen lernen wollen.