Agile or not? Die d!conomy 2017

Bei der d!conomy in Düsseldorf gab es anregende Keynotes, aber wenig Agiles, die Toderklärung der Changetheorie und acht Faktoren für lernfähige, bewegliche Unternehmen.

Die d!conomy 2017 war einerseits Bühne für die Digitalisierungsstrategien großer Player. Unter anderen ließen die Deutsche Bahn Digital Ventures, Audi und Mediamarkt Saturn ihre Innovations-Projekte bestaunen. Da wird in StartUps investiert, Spinoffs gegründet und diversifiziert was das Zeug hält. Andererseits sollten Start-Ups ins Rampenlicht gehoben werden, um ihre Geschichten zu erzählen und Kooperationsanbahnungen zu ermöglichen.

Trivago-Gründer Rolf Schrömgens, Alexander Schwarz von AirBnB Deutschland oder Ingo Seebach von dedrone bildeten ebenso gegensätzliche wie interessante Keynotes und referierten über ihre spezifischen Herausforderungen. Im Publikum erwartetet man sich Antworten und Inspiration für die eigenen Unternehmen.

Das „was“ und „wie“ stand im Mittelpunkt der Gespräche abseits der Bühnen und Workshops. Das Problem einer solchen Übung liegt in der Natur der Sache. Innovation und eine neue Kultur der konstanten Veränderung kann man nicht vom Papier lernen. „Ab ins Tun!“, lautet die Devise. Man darf nicht darauf warten, dass erst der Niedergang Raum für Veränderung schafft, wie in der bankrotten Stadt Detroit, auf deren Ruinen sich ein Innovation-Hub entwickelt.

Auf der d!conomy war (zu) viel die Rede davon, wie schwierig es sei als Konzern (zig)tausende Mitarbeiter auf dem Weg in und durch die vierte industrielle Revolution an Bord zu halten. Nicht gerade beruhigend für viele Zuhörer aus dem Mittelstand. Dabei liegt genau darin die Kraft, die in der europäischen Unternehmerschaft schlummert: die vielen, ihren Unternehmen zutiefst verbundenen MitarbeiterInnen.

Digitalisierung als Strategie vs. Strategie in der Digitalisierung

Um die Belegschaft mitzunehmen, muss man natürlich einen Plan haben. Denn: nicht „Digitalisierung“ ist die Strategie, es braucht vielmehr Strategien in der Digitalisierung. Veränderung muss nicht nur zugelassen, sondern aktiv gefördert, gefordert und auch belohnt werden. Nur so werden Unternehmen zu reflektierten, lernenden, innovativen und beweglichen Organisationen.

Wir bei ambuzzador wissen, dass das gelingt: Mit einem strategischen Ziel vor Augen, neuen, agilen Methoden und viel Freiraum für Experiment, Scheitern und kontinuierliches Lernen.

Einer der interessanteren Beiträge in diesem Zusammenhang war daher jener von Hans-Joachim Gergs, TU Tübingen und AUDI. Mit wissenschaftlicher Methodik untersuchte zehn Unternehmen, die er als agil einstufte. Dabei fand er heraus, dass sämtliche Changemodelle überholt sind und die gesamte Changetheorie nicht mehr zeitgemäß ist. Stattdessen formuliert er acht Faktoren für lernfähige, bewegliche Unternehmen.

Diese decken sich beinahe vollständig mit unserem aus der Innovations-Praxis entwickelten Agile Learning Loop sowie unserem transformativen Framework, dem Business Innovation Cycle.

Die d!conomy selbst hätte davon auch etwas mehr vertragen können. Das Bullshit-Bingo rund um Blockchain, künstliche Intelligenz und die übrigen Technologien, die auf der Gartner-Hype-Welle gerade oben oder auch schon wieder nach unten schwimmen, droht zu langweilen. Frontale Vorträge und Digitalisierungs-Plattitüden sind ungeeignet, um Unternehmen abzuholen und sie die Transformation zu begleiten. Anstatt sie zu motivieren, ins Tun zu kommen, hinterlässt man so nur Fragezeichen.

Solche Dynamiken gilt es zu erkennen und aufzuhalten. Führen sie doch zu einer Spaltung. Sie verstärken den Digital Divide: In jene Unternehmen, die aktuelle Methoden und Technologien einzusetzen wissen, um sich jetzt beschleunigt weiterzuentwickeln, und jene, die mit dem großen Fragezeichen über dem Kopf noch nicht daran glauben wollen, dass diese auch für sie anwendbar sind.

Man kann nur hoffen, dass nächstes Jahr viel mehr agiles und praxisnahes Hands-On für Interessierte geboten wird. Denn auch wenn die RFID-Chipping-Session zum Abschluss ganz witzig war – da geht noch mehr, um die Digitalisierung als das zu präsentieren, was sie ist. Nämlich die größte Chance Dinge umzusetzen, die man gestern noch für unmöglich gehalten hätte und dabei den Spaß seines Lebens zu haben.