4 Zukunftsthesen über Digitale Assistenten

Digitale Assistenten wie Apple Siri & Co. machen uns das Leben leichter. Die Technologie dahinter steckt noch in ihren Kinderschuhen. Sie könnte aber für Disruption einiger Geschäftsmodelle und digitaler Kommunikation sorgen.

Digitale Assistenten waren früher Science Fiction, heute haben sie es ins reale Leben geschafft. Möglich wurde das durch die vorhandene Rechenpower in der Cloud und durch immer größer werdende Datenberge – denn diese sind die Lerngrundlage solcher Systeme. Dass neben Apple, Google und Microsoft mit Facebook nun ein weiterer IT-Gigant auf das Konzept „Digitaler Assistent“ setzt, lässt erahnen, wie wichtig diese Technologie in Zukunft werden kann. ambuzzador hat sich Gedanken darüber gemacht, welche Veränderungen auf uns zukommen könnten:

These #1: Bye, bye, Suchmaschine – hello Sprachausgabe!

Es geht nicht um das Ende von Suchmaschinen. Aber bereits 50 % aller Suchanfragen kommen von mobilen Endgeräten. Hier sind direkte Antworten gut (siehe Bild), gesprochene Antworten vom Digitalen Assistenten sogar noch besser. Wenn sich Suche weg von Trefferlisten hin zur Sprache bewegt, hat das potentiell weitreichende Auswirkungen. Für Google selbst, das sich mit seinem Digitalen Assistenten Google Now seine Cashcow „Google Search“ – und vor allem das damit verbundene Geschäftsmodell – disruptet. Doch ebenso für Googles Partnerunternehmen und Werbekunden. Aber wie hat Sabine schon im April auf der Singularity University gehört: „Sacred cows“ machen einfach „the best burgers“. ;-)

Eiffelturm Google Maps

Ist sich Google sicher, wird statt der Trefferliste direkt die Antwort angezeigt.

These #2: Digitale Werbefläche verschwindet

Wenn sich Google auf Sprache verlagert, verschwindet mit der Trefferliste auch die Bildschirmfläche für Anzeigen. Und nicht nur das! Da sich Digitale Assistenten die Informationen bereits direkt von anderen Webseiten und aus Apps holen, geht es auch den dortigen Werbebannern an den Kragen. Ebenso SEO ist betroffen: Wenn nur mehr ein Unternehmen genannt wird, statt die Top 3 gezeigt werden, kann Suchmaschinenoptimierung für Digitale Assistenten um einiges anspruchsvoller werden. Gut möglich, dass wir durch diese Entwicklungen einige Bereiche des digitalen Marketings verlieren oder sich diese stark verändern.

These #3: It’s all about the money!

Noch ist es ein Rennen um die meisten Nutzer für den eigenen Digitalen Assistenten, doch früher oder später müssen sich die Hersteller Gedanken über die Monetarisierung machen. Üblich sind im Web dafür drei Wege: Durch Werbung über Dritte, Gebühren über Abos oder einen Anteil an den Transaktionsumsätzen. Gerade Letzteres scheint am wahrscheinlichsten: Bucht man beispielsweise über Siri einen Flug oder bestellt eine Pizza, könnte Apple an den dadurch entstandenen Umsätzen mitschneiden.

Damit dieses Transaktionsmodell gut funktioniert, sollten die Overheadkosten auch bei der Überweisung von Kleinstbeträgen möglichst gering sein. Momentan kostet es noch circa einen Euro, wenn man einen Cent überweisen möchte; bei Auslandsüberweisungen sogar gut das Vier- bis Fünffache. Gelingt es, diese Kosten zu senken, legt man durch Micropayment die Basis für eine Vielzahl an disruptiven Geschäftsmodellen. Gleichzeitig birgt es aber auch potentielle Herausforderungen für das Bankenwesen, wie wir es heute kennen – denn wer Filialen und Mitarbeiter finanzieren muss, hat automatisch höhere Nebenkosten als ein Unternehmen, in dem (fast) alles digital abläuft.

These #4: Digitale Assistenten bringen (noch) mehr Menschen ins Internet

Knapp drei Milliarden Menschen nutzen bereits das Internet, aber über vier (!) Milliarden haben noch keinen Zugriff. Ändert sich das, werden Digitale Assistenten eine wichtige Rolle spielen – denn Übersetzen ist eine ihrer größten Stärken! Sind mehr Menschen im Internet, hat das positive Auswirkungen auf die Gesellschaft: Zugang zu Wissen und Information, damit steigende Mündigkeit bei Konsumenten und voraussichtlich auch eine Erhöhung der Innovationsgeschwindigkeit.

Auch in Ländern wie Österreich, in denen die Internetnutzung recht hoch ist und bereits 60 % der Bevölkerung ein eigenes Smartphone besitzen, bringen Digitale Assistenten Vorteile. Denn sobald sich ein Gerät über gewöhnliche Alltagssprache bedienen lässt, macht das die Nutzung einfacher – und ermöglicht so weniger Technologie-affinen Personen, einen breiteren Funktionsumfang von Internet und Smartphone nutzen zu können. Interessant ist das ebenso für ältere Menschen oder all jene, die Schwierigkeiten damit haben, eine Tastatur zu bedienen. Durch Digitale Assistenten können künftig auch diese Personengruppen von Internet und Smartphone profitieren – und Unternehmen somit neue Zielgruppen über digitale Kommunikation erreichen.