"Dem Voting stelle ich mich gerne"

Monika Rosen ist Chefanalystin der Bank Austria Private Banking. Seit einem Social Fitness Training bei ambuzzador ist sie Feuer und Flamme für die sozialen Netze. Vor allem Twitter hat es ihr angetan.

Monika Rosen arbeitet bei einer Bank. An sich noch nichts Ungewöhnliches. Allerdings hat sie über 460 Follower auf Twitter und eine Zitationsrate von 120 pro Quartal. Und das, obwohl Rosen nicht gerade den Digital Natives entspringt. Hinzu kommt ihr eigentlich ein wenig trockenes Thema: Finanzen.

Seit einem Social Fitness Training bei ambuzzador Chefredakteur Nardo Vogt hat sich Monika Rosen ein bisschen in die Social Media Landschaft verguckt. Die Art, wie man hier kommunizieren kann, gefällt ihr besonders gut – und auch anderen, wie die Followerzahlen erkennen lassen. Wichtige Journalisten wie ZiB2 Anchor und selber bekannter Twitterati Armin Wolf finden sich darunter. Mit ambuzzador unterhält sich die Chefanalystin der Bank Austria Private Banking über den Nutzen, den sie in Twitter sieht.

Frau Rosen, als sie 2009 zur Chefanalystin der Bank Austria Private Banking waren, haben sie Twitter damals schon gekannt bzw. genutzt?
Monika Rosen:
 Genutzt sicher nicht. Zum ersten Mal habe ich von Twitter in einem Artikel der NYT gelesen, als das Medium noch sehr neu war. Ein Twitter Anwender hat von seinen Erfahrungen berichtet, wie er seiner Community eine Frage gestellt hat und von der Breite und Qualität der Antworten überwältigt war. Ich erinnere mich sehr deutlich an eine PK des damaligen CEO von Twitter auf Bloomberg. Der Raum war so voll mit Journalisten, dass der Mann fast nicht hinein kam. Ok, wäre nicht so außergewöhnlich bei einer neuen Tech-Company. Außergewöhnlich war aber die Location: Bagdad!

Voriges Jahr sind sie im Social Fitness Training mit Twitter vertraut gemacht geworden. Seither hat sich viel verändert: Die Zahlen sprechen für sich. Doch wie hat Twitter ihre persönliche Wahrnehmung der (Neuen) Medienlandschaft geändert?
Rosen:
 Es ist immer ein Unterschied, ob man etwas nur vom Lesen oder vom TV kennt, oder es wirklich praktiziert. Twitter ist das einzige soziale Netzwerk, das ich verwende, aber ich war auf Anhieb davon begeistert. Ich habe in der Vergangenheit schon oft gedacht, jetzt müsste man zu einem gewissen Thema einen Zweizeiler absetzen können, aber bisher war mir das nie möglich. Mit Twitter geht das. Ich kann die vielen Ideen, die in meinem Kopf herumschwirren, ausdrücken. Und ich stelle fest, dass das viele Menschen interessiert, was mich wirklich freut. Es ist eine ständige, direkte Abstimmung darüber, ob man mit den Inhalten, die man bringt, den Geschmack des Publikums trifft. Diesem Voting stell ich mich sehr gerne.

Wie hat sich ihr Mediennutzungsverhalten verändert?
Rosen:
 Nur bedingt. Studien sagen, dass man ein Leben lang bei jenen Medien bleibt, mit denen man als junger Mensch aufgewachsen ist. Das stimmt wenigstens zum Teil. Für meine Generation heißt das, ich schaue fern. Ich erhalte also den Impuls aus einem anderen Medium (TV, Internet), und dann schaue ich, was auf Twitter dazu vorhanden ist, und was ich dazu sagen möchte.

Wie hat sich das auf Ihre tatsächliche Kommunikation ausgewirkt – kommunizieren Sie jetzt anders?
Rosen:
 Wie gesagt, hatte ich schon immer Ideen, die ich in aller Kürze mitteilen wollte, aber vor Twitter konnte ich das nicht. Insofern ist es nicht übertrieben zu sagen, dass Twitter mein Leben stark bereichert hat. Wenn mir etwas durch den Kopf geht, kann ich das jetzt ausdrücken, und finde damit Gehör. Dabei ist es egal, ob es etwas Fachliches ist (Konjunktur, Börsen, etc), oder aus einem anderen Bereich, der mich interessiert, etwa Kunst und Kultur; gerade meine kulturellen Beiträge werden sehr stark geklickt, was mich persönlich unheimlich freut.

Was soll sich für Sie in Social Media ändern bzw. welche Optionen/Möglichkeiten hätten Sie noch gerne?
Rosen: 
Gerne hätte ich so eine eigene Homepage, auf der ich alle meine Outputs selber versammeln und darstellen kann – Texte, den Twitter Feed, Videos, die ich machen möchte, ev. Sound. Der Leser könnte sich dann auf einen Blick ein Bild von den Themen machen, die mich beschäftigen. Nach meinen Erfahrungen mit Twitter habe ich den Verdacht, es gäbe da jede Menge Leute, die das interessieren würde …

Würden diese Veränderung der Kommunikation, die Sie nun gemacht haben, auch viele andere MitarbeiterInnen empfehlen?
Rosen:
 Ganz ehrlich: um aktiv auf Twitter erfolgreich zu sein, muss man eine gewisse Gabe zur Formulierung haben. Auch eine Liebe zur Analyse, zum Text, vielleicht sogar zum Bonmot. Das sind in Summe seltene Eigenschaften. Deshalb hat Instragram auch viel mehr Nutzer als Twitter. Es ist offenbar einfacher zu handhaben …

Vor allem des Datenschutzes halber wird die digitale und soziale Medienlandschaft häufig kritisiert. Wie gehen Sie damit um?
Rosen:
 Ich sage ja auch sonst Dinge öffentlich, in Interviews oder in meinem Blog. Insofern habe ich da keine Bedenken. Etwas wirklich Persönliches tweete ich nicht. Ich schütte in dem Kanal nicht mein Herz aus.

Welches Projekt steht bei Ihnen als nächstes auf der Liste?
Rosen:
 Videos – wenn ich ein bisschen Zeit freigeschaufelt habe, möchte ich da meinen ersten Versuch starten …

 

Update

Monika Rosen hat sich mittlerweile in die Welt der Videos gewagt. Für ambuzzador eine große Freude – und dafür hinterlässt sie uns eine persönliche Grußnachricht.