Mit interessanten Strategien wollen Museen im Web sichtbarer werden. Während das British Museum auf die Zusammenarbeit mit Wikipedianern setzt, sucht das Guggenheim-Museum auf YouTube nach kreativen Videokünstlern.

Wenn etwas als „museal“ bezeichnet wird, dann ist das selten freundlich gemeint. „Museal“ ist vielleicht der Laptop, an dem wir gerade sitzen, aber keinesfalls jener, an dem wir gerne sitzen würden. Mittlerweile wird „museal“ fast ausschließlich mit ironischem Unterton als Synonym für „verstaubt“ verwendet. Natürlich sind damit nicht Museen selbst gemeint und doch wird dabei mit den Assoziationen gespielt, die wir vermutlich seit unserer Kindheit mit einem Museumsbesuch verknüpfen: Lange Gänge, knatternder Parkettböden und weit und breit keine Sitzgelegenheit.
Es ist keine leichte Zeit für Museen. In einer Phase, in der allerorts das Schreckgespenst des Besucherrückgangs umhergeht, tun sich vor allem die Kleinen schwer. Grund genug, dass die Museen etwas gegen ihr angestaubtes Image tun – wie derzeit das British Museum.
Anlass war der Stein von Rosette, der während der ägyptischen Expedition Napoleons 1799 bei Rosette im Niltal gefunden wurde. Der Rosettastein enthält dreimal den gleichen, ziemlich üppigen Text – und genau das macht ihn so wertvoll, weil er damit einen Schlüssel zur Decodierung der Hieroglyphenschrift bildet. Heute ist er im British Museum ausgestellt, doch im Web wird das nur wenig gewürdigt.
„Ich sah, wie viele Page Views der Wikipedia-Artikel über den Stein von Rosette hat“, zitiert die New York Times Matthew Cock, den Chefverantwortlichen der Museums-Website. Und da „fünfmal mehr Leute den Wikipedia-Artikel zu unserem Paradeausstellungsstück besuchen als unseren eigenen“, hatte Cock eine spannende Idee: Crowdsourcing.
Das Museum lud Wikipedia-Autoren zu einer Backstage-Pass-Tour ein, organisierte eine Diskussion mit den Kuratoren und schreibt sogar einen Preis für die besten Artikel über seine Ausstellungsstücke aus. Der Lohn der Zusammenarbeit ließ nicht lange auf sich warten: Alleine am Tag der Backstage-Pass-Tour erschienen sechs neue Wikipedia-Artikel über Exponate des British Museum. Hinzu kam die Berichterstattung über die Zusammenarbeit, vor allem in der New York Times und in unzähligen Blogposts .

Nicht auf Wikipedia sondern auf YouTube setzt derzeit wiederum das Guggenheim-Museum. „YouTube Play“ heißt die Zusammenarbeit mit der Videoplattform, bei der das kreativste Video gefunden werden soll. Das Projekt richtet sich an Videokünstler, für die mit „YouTube Play“ ein interaktiver YouTube-Kanal eingerichtet wurde. Eine Expertenjury wird darüber entscheiden, welche Arbeiten am 21. Oktober in New York präsentiert und in die Guggenheim-Museen in Berlin, Bilbao und Venedig simultan übertragen werden.
Der Trailer zu YouTube Play wurde übrigens innerhalb von zwei Wochen bereits über 720.000-mal auf YouTube angesehen:
Quellen:
http://www.scienceblogs.de
http://www.nytimes.com
http://www.adverblog.com
http://www.britishmuseum.org (Screenshot)
http://en.wikipedia.org (Screenshot)



































