Schlauer Fuchs: Wie es VW in Brasiliens Trending Topics schaffte

Friday, March 4th, 2011

Die „Trending Topics“ auf Twitter funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Neuheit vor Popularität – der Zuwachs an Popularität ist wichtiger als das Gesamtvolumen. Kann es mit diesem Wissen gelingen, die Trending Topics auf „natürlichem“ Weg zu dominieren? VW Brasilien ist dieses Kunststück mit einer cleveren Kampagne geglückt.

fox

Die „Trending Topics“ sind so etwas wie der heilige Gral von Twitter: Da sie im Web-Interface jedes Users erscheinen, sind sie unter Werbern naturgemäß heißbegehrt. Um die Sache etwas zu vereinfachen – und natürlich um Geld zu verdienen –, hat Twitter vor einiger Zeit die Möglichkeit geschaffen, sich in die Trending Topics „einzukaufen“, was für User dank der „Promoted“-Kennzeichnung leicht zu erkennen ist. Eleganter ist es da schon, auf „natürlichem“ Weg zum heißen Thema zu werden. Doch genau das ist freilich alles andere als einfach.

Die Trending Topics kamen im vergangenen Herbst ins Gerede, nachdem einige User vermuteten, Twitter würde Wikileaks aus dem Algorithmus verbannen. Hat Twitter #Wikileaks, #Cablegate und verwandte Themen aus der Trendliste entfernt? „Absolut nicht“, beruhigte das Unternehmen in seinem Blog – und verriet dabei, woran sich ein Trending Topic messen lassen muss. „Die Trendliste bildet die heißesten Themen ab, die gerade am Entstehen sind, und nicht bloß jene, die am populärsten sind. Anders ausgedrückt bevorzugt Twitter Neuheit vor Popularität.“

Diese Prioritätensetzung hat durchaus einen guten Grund: Justin Bieber. „Twitter pflegte die Popularität von Themen nach dem Gesamtvolumen zu gewichten“, klärte BuzzFeed in einer liebevoll aufbereiteten Grafik auf. Nachdem die Fanbase des Teenie-Pop-Idols Justin Bieber kontinuierlich anwuchs und den Inhalt von rund drei Prozent aller Tweets bestimmte, entschied man sich den Algorithmus umzustellen, was sich schließlich auch auf Wikileaks auswirken sollte. „Twitter ‚zensiert‘ Wikileaks nicht“, so BuzzFeed, „Wikileaks unterliegt einfach dem Bieber-Effekt – es wurde Teil des Hintergrundrauschens, wie Liebe, Hass und Weihnachten.“

Zu einem Trending Topic wird ein Thema dann, wenn die Anzahl seiner Tweets zu einem bestimmten Zeitpunkt dramatisch ansteigt. Dass das nicht immer dem subjektiven Gefühl aller User entspricht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben, wie Twitter in seinem Blog ausführt: „Manchmal schafft es ein Thema nicht in die Trendliste, weil seine Popularität nicht so weit verbreitet ist wie viele annehmen. Und manchmal bestimmen populäre Ausdrücke nicht die Trendliste, weil ihre Verwendung im Vergleich zu ihrer durchschnittlichen tagtäglichen Benutzung nicht schnell genug anwächst“.

In die Trending Topics zu kommen ist also eine knifflige Aufgabe. Dass das trotzdem gelingen kann, zeigt eine clevere Kampagne von Volkswagen in Brasilien.

Als Sponsor des Planeta Terra Festivals, dem größten Festival von Sao Paulo, versuchte VW seinen Fox dem Publikum zu präsentieren – und setzte dabei eine einzigartige Idee um. In ganz Sao Paulo wurden Tickets für das Planeta Terra versteckt und auf einer Microsite unter Verwendung von Google Maps eingezeichnet. Der Clou: Die Karte zoomte nicht nahe genug an die Verstecke heran. Die einzige Möglichkeit, an die genauen Locations heranzukommen, war die Benützung des Hashtags #foxatplanetaterra auf Twitter. Je mehr Tweets damit gemacht wurden, desto genauer wurde die Darstellung der Verstecke auf der Karte, bis schließlich der Aufenthaltsort jedes Tickets punktgenau zu erkennen war.

Innerhalb weniger Stunden wurde der Hashtag in Brasilien zum führenden Trending Topic, wo er für den Zeitraum der Kampagne auch verblieb:

Quellen:
http://blog.twitter.com
http://www.buzzfeed.com

http://www.digitalbuzzblog.com

http://vimeo.com (Screenshot)

Social Super Bowl

Saturday, February 5th, 2011

Der Super Bowl ist nicht nur der alljährliche Höhepunkt des American Football, sondern auch ein Megaspektakel in Sachen Werbung. Doch längst geht es nicht nur um das bloße Erheischen der begehrten TV-Werbeplätze, sondern um ganzheitliche Kommunikations-Strategien. Das Ergebnis: Eine Vielzahl spannender Social-Media-Kampagnen.

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Auch wenn American Football nie so recht auf anderen Kontinenten Fuß fassen konnte – den Begriff „Super Bowl“ hat selbst in hiesigen Breiten so gut wie jeder zumindest schon einmal gehört. Kein Wunder, ist der alljährliche Höhepunkt der National Football League (NFL) doch tatsächlich ein wahrer Megaevent, was sich regelmäßig in Rekordeinschaltquoten niederschlägt. Entsprechend begehrt ist der Super Bowl naturgemäß auch als Werbeplatz. Über die Preise von 30-Sekunden-Spots beim TV-Sender Fox werden Zahlen von durchschnittlich drei Millionen Dollar und mehr kolportiert.

Doch längst geht es beim Super Bowl nicht mehr einfach nur um TV-Blöcke und Werbebanner. Anno 2011 sind holistische Kommunikationsstrategien gefragt, bei denen Social Media eine zentrale Rolle spielt. So sorgte Audi dieses Jahr bereits im Vorfeld für Aufmerksamkeit, weil der Automobilhersteller ankündigte, am Ende seines Super-Bowl-Spots den Twitter-Hashtag „#ProgressIs“ einzublenden. Der Plan: Indem Zusehern, die in ihren Tweets den Hashtag sowie die URL audi.us/ProgressIs verwenden, der Gewinn einer Testfahrt mit dem Audi A8 in Aussicht gestellt wird, sollen Unterhaltungen darüber zu entfacht werden, was „fortschrittlicher Luxus“ bedeutet.

Audi steht mit seiner Social-Media-Verknüpfung zum Super Bowl freilich nicht alleine da. So hatte eine Kampagne von Mercedes namens „Tweet Race“ die Anreise zum Austragungsort Dallas zum Thema. VW gelang es wiederum bereits im Vorfeld Millionen Zuseher für seine Super-Bowl-Spots zu lukrieren, indem sie bereits vorab auf YouTube gestellt wurden. Besonders dieser hier („The Force“) erfreut sich größter Beliebtheit:

Ganz neue Wege haben für den Super Bowl XLV die Lokalisierer von Foursquare beschritten – indem sie beschlossen, den „Super Bowl Sunday“ erstmals in der Geschichte „eincheckbar“ zu machen. Der Clou: User mit freigeschaltenen Badges bekommen einen Code, für den sie bei NFLShop.com einen 20-prozentigen Rabatt bekommen. Ein Testballon – vorläufig. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Dem erst 2008 gestarteten Rabattanbieter Groupon, der es seinen Usern ermöglicht sich für Billigangebote zusammenzuschließen, gelang es in letzter Sekunde sogar, selbst noch einen Werbeplatz in der heißbegehrten Super-Bowl-Sendezeit zu ergattern.

Doch auch für die Analyse des Marketingtreibens rund um den Super Bowl ist Social Media mittlerweile ein wertvolles Tool. Das auf Marketing-Technik und -Forschung spezialisierte Unternehmen Alterian hat in einer Studie untersucht, welche Marken in Zusammenhang mit dem Super Bowl im social Web am häufigsten genannt wurden. Als klarer Gewinner darf sich Pepsi Cola fühlen: Der Getränkekonzern, der im vergangenen Jahr eine Auszeit von dem Megaspektakel nahm, hat im Zeitraum Dezember bis Februar gemeinsam mit der (ebenfalls zu Pepsi gehörenden) Chipsmarke Doritos den bei weitem größten positiven Buzz abbekommen.

Quellen:
http://de.finance.yahoo.com
http://mashable.com
http://www.3news.co.nz
http://techcrunch.com
http://www.wuv.de
http://mashable.com
http://www.youtube.com/volkswagen (Screenshot)

VW und die Fun Theory

Wednesday, July 7th, 2010

VW startete mit der Initiative “BlueMotion” ein nachhaltiges Projekt das auf Mensch und Umwelt einen positiven Effekt hat. Hinter der BlueMotion Kampagne steckt die gleichnamige Technologie welche Einsparnisse im Treibstoffverbrauch ermöglicht. Dabei ist es gar nicht unbedingt das Produkt, also das Auto, über das gesprochen wird. Es ist eine ausgesprochen komplette Kampagne, die für Aufsehen sorgt und die Bedeutung und den Erfolg gutem Nachhaltigkeitsmanagements erst richtig aufzeigt. Statt also eine riesige Kampagne zu dieser neuartigen, umweltfreundlichen Technologie zu gestalten, hat sich das VW Marketing mit der Werbeagentur DDB Stockholm zusammengeschlossen und eine Theory begründet. Die Fun Theory.

Diese besagt, dass es möglich wäre, das Verhalten der Menschen zum Positiven zu ändern indem man bei alltäglichen Aktivitäten einfach die Komponente “Spaß” hinzufügt. Im Klartext: Wenn notwendige Routinetätigkeiten oder unumgehbare alltäglich anfallende Tätigkeiten Spaß machen würden, würden Leute diese mit Freude verrichten und viel eher einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Im Mittelpunkt steht dabei also die Frage, bei welchen Aktivitäten man den Leuten in welcher Form Spaß vermitteln könnte.

Am Beispiel Stiegen statt Rolltreppen benutzen:

Am Beispiel Müllentsorgen:

Am Beispiel gerechte Glasentsorgung:

Nachweislich konnte durch minimalen Mitteleinsatz der Häufigkeit der ausgeführten Tätigkeiten stark erhöht werden. Damit konnte die Fun Theory schon mal verifiziert werden. Im nächsten Schritt der Kampagne wollte VW die Leute dazu bringen, selbst einen Mehrwert für die Gesellschaft durch die Einbringung eigener Ideen schaffen. Zur Fun Theory wurde ein Blog erstellt, der die Interaktion zwischen Usern und VW ermöglichen soll. In Form eines Awards, des Fun Theory Awards, wurden die besten Ideen ausgezeichnet. Die Ideen, die Beteiligung und der Erfolg der Kampagne waren überwältigend.

Ganz oben im Ranking findet man die Lösungsansätze zur Müllbeseitigung nach Straßenparties…

…wie Zimmer aufräumen Spaß machen könnte…

…wie man Leute dazu bringen könnte, die Fußmatten regelmäßig zu benutzen…

…oder wie Leute endlich einmal die Tempolimits einhalten könnten. Kevin Richardson, der Gewinner des Fun Theory Awards, spielte sich mit der Idee der Tempolotterie in die Herzen der Jury .

Über 700 Ideen wurden präsentiert, womit VW eindrucksvoll beweist, dass einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen keine lästige Pflicht sondern eine lustige, kreative Kleinigkeit sowie eine innovative Freiwilligkeit ist. Bloß ganz dezent wird im Blog auf die “BlueMotion” Technologie und die neuen Fahrzeuge von VW hingewiesen. Die Kampagne scheint daher beinahe eine eigenständige Imagekampagne für Volkswagen zu sein. Die Leute zum Sprechen zu bringen, das haben schon viele Unternehmen geschafft. Die Leute aktiv zum nachhaltigen Denken und zur Schaffung eines Beitrages für die Gesellschaft zu animieren, jedoch kaum.

VW’s Fun Theory ist daher eine unglaublich faszinierende und gelungene Kampagne, die zu Recht in Cannes einen Cyber Grand Prix für beispiellose “unsichtbare Technologie” und “Real Time Interaktion” erhalten hat.

Gefunden auf:
volkswagen.de
mashable.com
blissblog.de
viralblog.com
adflash.eu

Neuer VW Polo GTI: Ein Loblied auf die Überholspur

Thursday, June 17th, 2010

Für den Polo GTI beschreitet VW neue Pfade: Erstmals führen die Wolfsburger ein neues Modell nur über das Internet ein. Mit der Kampagne „Fast Lane – Driven by Fun“ versucht Volkswagen, den Wert des Spaßes im Alltag zu betonen.

fastlane

Es ist gar nicht so lange her, da stellte Volkswagen eine Theorie auf: Dass Spaß der „leichteste Weg ist um das menschliche Verhalten zum Besseren zu verändern“. Um seine Fun Theory zu untermauern, sammelte der Autobauer im Rahmen eines Wettbewerbs Vorschläge, die uns selbst, der Umwelt oder etwas ganz anderem nützen sollten und dabei auch noch Spaß machen. Gewinner des Contests war diese Idee:

Die Aktion war ein enormer Erfolg, alleine das dafür angefertigte Viral „Piano Stairs“ wurde auf YouTube inzwischen mehr als 12 Millionen Mal angesehen. Kein Wunder, denn die Vorstellung, die Welt mit einem kleinen Schubs ohne zusätzlichen Aufwand besser, einfacher und gerechter zu machen, lässt nicht nur das Herz höherschlagen, sondern erfreut auch den Neocortex. „Nudge“ nennt das der Verhaltensökonom Richard H. Thaler, dessen gleichnamiges Buch sogar Größen der Weltpolitik wie US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premier David Cameron inspiriert haben soll.

„Kein Beispiel für Entscheidungsarchitektur hat mehr Aufmerksamkeit erregt als die inzwischen berühmte Fliege, die in den Urinalen am Amsterdamer Flughafen abgebildet ist“, schreiben Thaler und sein Co-Autor Cass R. Sunstein. Mittlerweile kann man sich solche Fliegen auch im Internet bestellen. „Wir wissen aus persönlichen Berichten, dass diese Fliegen inzwischen überall auf der Welt anzutreffen sind“, schreiben die Autoren.

Das erhofft sich wohl auch VW für seinen neuen Polo GTI. „Fast Lane“ nennt sich die soeben gestartete Kampagne, die konzeptionell sichtlich an der Fun Theory anknüpft:

Zwei weitere Virals handeln von Skateboard-Supermarktwägen und einem aufgepimpten Aufzug. Doch die Kampagne ist auch noch anderwärtig innovativ: Wie Horizont.net berichtet, handelt es sich dabei um das erste Mal, dass Volkswagen ein neues Modell nur über das Internet einführt.

Bloß schade, dass Fast Lane mit dem Charme der Fun Theory nicht mithalten kann, weil sich der Sinn der gezeigten Innovationen in zwei der drei Spots kaum erschließt. Vermutlich hätte die Philosophie der Fun Theory wohl auch besser mit einem Elektroauto harmoniert.

Quellen:
http://www.buzzillablog.com
http://www.horizont.net
http://www.thefuntheory.com
http://www.youtube.com
Richard H. Thaler & Cass R. Sunstein (2009): Nudge. Wie man kluge Entscheidungen trifft. Berlin: Econ. S. 120 & 122.

ambuzzador Bus hat einen neuen Besitzer…

Sunday, July 5th, 2009

Der legendäre ambuzzador Bus, im Einsatz für diverse Promotions, hat heute ein neues zu Hause gefunden. Er hat dort einen “Bruder”: hellblau weiß und nur 3 Tage älter ;-)

ambuzzador Bus mit neuem Bruder und Besitzer ;-)

ambuzzador Bus mit neuem Bruder und Besitzer ;-)

Wir werden ihn vermissen!