Print wirkt: 10 Argumente in 100 Sekunden

Wednesday, June 23rd, 2010

Allerorts wird diskutiert, wie die Verlagsbranche gerettet werden kann. Alles nicht so wild, scheint der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger zu finden – und forciert seine Kampagne „Print wirkt“ nun auch im Netz.

vdz

Was passiert, wenn eine Zeitung ihre Abopreise innerhalb von 18 Monaten verdoppelt und Besucher ihrer Website bereits seit Jahren kräftig in die Tasche greifen lässt? Sie gewinnt Leser – zumindest im Fall der renommierten Financial Times. Mit 126.000 Lesern, von denen manche Premiumgebühren für Extra-Updates in der Höhe von 299 Dollar pro Jahr zahlen, hat die Financial Times alleine dieses Jahr mehr als 15 Prozent Leser als noch im Jahr zuvor. Sogar auf ihre Werbeeinnahmen wirkt sich Paid-Content positiv aus, wie die Los Angeles Times berichtet: „Die meisten Verleger fürchten, dass mit Bezahlschranken die Leserzahlen wegbrechen – und mit ihnen die Werbeeinnahmen. Doch mit der sichtlich hohen Ausgabefreudigkeit ihrer angemeldeten Edel-User kann die Financial Times auch höhere Inseratenpreise rechtfertigen.“

Freilich, mit ihren Special-Interest-Inhalten, die sich noch dazu an ein äußerst finanzkräftiges Publikum richten, genießt die Financial Times gegenüber anderen Zeitungen einen klaren Vorteil. Oftmals werden die Abos von den Arbeitgebern bezahlt. Es wäre also verfehlt, von einem Königsweg zu sprechen, den die Financial Times hier beschreitet. „Angesichts der Gratiskultur sind mit wenigen Ausnahmen die Chancen, Erträge mit Bezahlinhalten zu generieren, trüb“, schätzt Mashable-Autor Vadim Lavrusik. Zeitungsverlage, die weiterhin ihre „Webseiten als Müllhalde für Artikel ihrer Printversionen“ benützen, sieht er gar schon dem Untergang nahe. Während die Erholung der US-Werbewirtschaft Fernsehen, Internet und Radio im ersten Quartal 2010 bereits wieder deutliche Zuwächse verschafft hat, gingen die Inseratenerlöse bei Magazinen (-3,9 Prozent) und Zeitungen (-9,7 Prozent) abermals zurück.

Allerdings ist fraglich, wie gut solch US-amerikanische Einschätzungen auf den europäischen Markt umlegbar sind. Der Printsektor hat schließlich in den USA schon lange nicht mehr den gleichen Stellenwert wie in unseren Breiten. Ein selbstbewusstes Plädoyer kommt daher vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), der seine Traditionskampagne „Print wirkt“ nun auch ins Netz transferiert hat.

In einem Online-Spot namens „10 Argumente in 100 Sekunden“ werden einige interessante Fakten aufgezählt, etwa dass ein Drittel aller Abos im Web abgeschlossen werden, fast alle 14- bis 29-Jährigen regelmäßig Zeitschriften lesen und die meisten Magazine bereits am zweiten Verkaufstag über 50 Prozent ihrer Reichweite erreichen:

Rosige Aussichten, so scheint es – wobei sich dann natürlich ein bisschen die Frage stellt, weshalb etwa laut Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner jeder Verleger der Welt Steve Jobs dafür danken soll, dass er mit dem iPad „die Verlagsbranche rettet“.

Quellen:
http://www.latimes.com
http://mashable.com
http://newsosaur.blogspot.com
http://www.youtube.com

Neuer VW Polo GTI: Ein Loblied auf die Überholspur

Thursday, June 17th, 2010

Für den Polo GTI beschreitet VW neue Pfade: Erstmals führen die Wolfsburger ein neues Modell nur über das Internet ein. Mit der Kampagne „Fast Lane – Driven by Fun“ versucht Volkswagen, den Wert des Spaßes im Alltag zu betonen.

fastlane

Es ist gar nicht so lange her, da stellte Volkswagen eine Theorie auf: Dass Spaß der „leichteste Weg ist um das menschliche Verhalten zum Besseren zu verändern“. Um seine Fun Theory zu untermauern, sammelte der Autobauer im Rahmen eines Wettbewerbs Vorschläge, die uns selbst, der Umwelt oder etwas ganz anderem nützen sollten und dabei auch noch Spaß machen. Gewinner des Contests war diese Idee:

Die Aktion war ein enormer Erfolg, alleine das dafür angefertigte Viral „Piano Stairs“ wurde auf YouTube inzwischen mehr als 12 Millionen Mal angesehen. Kein Wunder, denn die Vorstellung, die Welt mit einem kleinen Schubs ohne zusätzlichen Aufwand besser, einfacher und gerechter zu machen, lässt nicht nur das Herz höherschlagen, sondern erfreut auch den Neocortex. „Nudge“ nennt das der Verhaltensökonom Richard H. Thaler, dessen gleichnamiges Buch sogar Größen der Weltpolitik wie US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premier David Cameron inspiriert haben soll.

„Kein Beispiel für Entscheidungsarchitektur hat mehr Aufmerksamkeit erregt als die inzwischen berühmte Fliege, die in den Urinalen am Amsterdamer Flughafen abgebildet ist“, schreiben Thaler und sein Co-Autor Cass R. Sunstein. Mittlerweile kann man sich solche Fliegen auch im Internet bestellen. „Wir wissen aus persönlichen Berichten, dass diese Fliegen inzwischen überall auf der Welt anzutreffen sind“, schreiben die Autoren.

Das erhofft sich wohl auch VW für seinen neuen Polo GTI. „Fast Lane“ nennt sich die soeben gestartete Kampagne, die konzeptionell sichtlich an der Fun Theory anknüpft:

Zwei weitere Virals handeln von Skateboard-Supermarktwägen und einem aufgepimpten Aufzug. Doch die Kampagne ist auch noch anderwärtig innovativ: Wie Horizont.net berichtet, handelt es sich dabei um das erste Mal, dass Volkswagen ein neues Modell nur über das Internet einführt.

Bloß schade, dass Fast Lane mit dem Charme der Fun Theory nicht mithalten kann, weil sich der Sinn der gezeigten Innovationen in zwei der drei Spots kaum erschließt. Vermutlich hätte die Philosophie der Fun Theory wohl auch besser mit einem Elektroauto harmoniert.

Quellen:
http://www.buzzillablog.com
http://www.horizont.net
http://www.thefuntheory.com
http://www.youtube.com
Richard H. Thaler & Cass R. Sunstein (2009): Nudge. Wie man kluge Entscheidungen trifft. Berlin: Econ. S. 120 & 122.

„TENor15“: Rocken fürs Hotel

Friday, May 28th, 2010

Vor wenigen Tagen startete die zu Accor gehörende Hotelkette Ibis eine bemerkenswerte Sommer-Kampagne. Um auf Preisnachlässe aufmerksam zu machen, gründete sie eine Rockband. Ihr Name: TENor15.

tenor15

So wie als erste Assoziation zu dem Begriff „Werkzeug“ meist der „Hammer“ genannt wird, so sind auch die Gedankenverknüpfungen zum Thema „Rockband“ immer die gleichen: „Sex“, „Drugs“, „Groupies“ und natürlich „Hotelzimmer zerstören“. Ob Rockmusiker tatsächlich signifikant häufiger als der Durchschnittsmensch ihre Hotelzimmer verwüsten oder ob es sich dabei bloß um selektive Wahrnehmung handelt, ist unklar. Allerdings werden Bands wie die Sex Pistols wohl auch ihren Teil zu diesem Klischee beigetragen haben. Egal, letztlich kommt es nur darauf an, dass Rockbands und Hotelzimmer gedanklich irgendwie zusammengehören.

Das scheint man sich auch bei der zu Accor gehörenden Hotelkette Ibis gedacht zu haben. Über 760 Ibis-Hotels gibt es auf der Welt, die größte Teil davon ist in Europa zu finden und da ganz besonders in Frankreich. Die meisten liegen im Zwei-Sterne-Bereich. Anlässlich der anstehenden Ferienzeit versucht Ibis nun mit einer ganz besonderen Kampagne auf sich aufmerksam zu machen, für die sogar eine eigene Rockband ins Leben gerufen wurde.

TENor15 heißt die glorreiche Kombo, die akustisch wie optisch wie ein aufgetautes Relikt aus den 80er Jahren wirkt. Ähnlichkeiten mit den Größen aus der Ära des Glam-Metals scheinen alles andere als zufällig und absolut erwünscht:

Auch wenn TENor15 nicht unbedingt wie die typischen Vertreter des Web 2.0 aussehen: Immerhin verfügen sie über eine eigene Myspace- sowie eine Facebook-Seite und über einen eigenen YouTube-Kanal. Hintergrund ist eine Sommer-Rabattaktion, in deren Rahmen Gäste 10 bzw. 15 Euro Preisnachlass pro Zimmer und Nacht erhalten, gültig für über 600 Ibis-Hotels in Europa. Die Message: „Bei Ibis muss man kein Star sein, um einen Preisnachlass zu bekommen.“

Zwar wurde das TENor15-Musikvideo bislang gerade einmal etwas mehr als 1.400-mal angesehen, doch soll die Kampagne erst Mitte Juni so richtig ins Rollen kommen. So sind etwa neben einem TV-Spot und klassischen Presseinseraten auch ein Luftgitarren-Wettbewerb sowie weitere YouTube-Videos geplant, in denen das Hotelleben der Band beleuchtet wird.

Für TENor15 heißt das dann wohl: Rock On!

Quellen:
http://www.accor.com
http://www.facebook.com

Die Muppets werben um Freiwillige

Friday, February 19th, 2010

Mit einer personalisierten Kampagne versucht Disney derzeit Web-User zu ehrenamtlicher Arbeit zu motivieren. Das Motto: Wer sich einen Tag für eine karitative Organisation zu Verfügung stellt, darf in einen Disney-Vergnügungspark. Als Testimonial dienen die Muppets.

Muppets

Angefangen hat alles mit Disneys Erwerb der Rechte 2004, ein kräftiges Lebenszeichen gaben die Muppets aber erst Ende 2009 wieder von sich, als Kermit & Co binnen weniger Wochen mit 14 neuen Videoclips ein Millionen-Publikum erreichten. Alleine ihre Neuinterpretation des Queen-Klassikers „Bohemian Rhapsody“ wurde bis heute mehr als 13 Millionen mal angeklickt.

Für eine neue Kampagne stellen sich die Muppets nun in den Dienst einer guten Sache. Dabei hatte Disney die Agentur Vanksen|Culture-Buzz beauftragt, Ideen für eine neue Kampagne namens „Give a Day, Get a Disney Day.“ auszuarbeiten.

Das Konzept ist dabei einfach und herzerwärmend: Freiwillige, die sich dazu bereiterklären, einen Tag in einer wohltätigen Organisation freiwillige Arbeit zu leisten, bekommen als Dankeschön einen eintägigen Gratisaufenthalt in Disney Land oder Disney World.

Die Agentur setzte bei der Umsetzung der Kampagne voll und ganz auf Personalisierung. Die User werden persönlich mit dem Namen angesprochen und gefragt, ob sie mithelfen würden. Es handelt sich allerdings nicht um ein Video zum Einbetten, sondern es wird eine ganze Microsite zum Leben erweckt. Dabei geht es – so viel sei verraten – mehr als turbulent zu:

Muppets

Zudem fertigte man ein personalisierbares Video an, das sich an Blogger und MySpace-User richtet:

Gestartet ist die Kampagne Anfang Januar, „aber die Resultate beeindrucken uns fortwährend“, verrät Vanksen|Culture-Buzz: „Zwar können wir keine Details über die Zugriffe nennen, aber es ist ziemlich offensichtlich, dass die Muppets das Web beherrschen: Mehrere hundert Blogs haben das Video eingebettet und der Spirit des ehrenamtlichen Engagements verbreitet sich rasend schnell.“ So soll bereits das Gerücht umgehen, dass Disney auf gutem Wege sei, sein hochgestecktes Ziel von einer Million Freiwilligen zu erreichen.

Die Kampagne zeigt wohl zweierlei: Personalisierter Content ist nach wie vor der Hit – und die Muppets scheinen für das Web 2.0 geradezu wie geschaffen zu sein!

Quellen:
http://www.culture-buzz.com
http://www.disneyparksgive.com

Happiness Machine - mehr als nur ein Cola Automat

Monday, January 18th, 2010

Seit einiger Zeit steht „Happiness“ im Zentrum der Coca Cola Kampagnen, die der Marke auf kreative und fantasievolle Weise ein magisches Image verleihen. So haben wir bereits im vergangenen Oktober über die Social Media Promotion Kampagne „Expedition 206“ berichtet, bei der drei „Happiness Ambassadors“ für das gesamte Jahr 2010 auf Weltreise geschickt werden. In den 206 Ländern, in denen Coca-Cola erhältlich ist, sollten sie, neben anderen Aufgaben, Einheimische darüber befragen, was sie glücklich macht und dies via Blog, Twitter und Facebook dokumentieren.

happiness

Nun verblüfften Coca-Cola und die Agentur Definiton 6 an einem Uni Campus Studenten mit einem Automaten, der weit mehr ausspuckte, als nur eine Getränkedose und sie damit auf unerwartete Weise „happy“ machte.

Die Studenten staunten nicht schlecht, als bei weiteren Versuchen schließlich auch noch Pizza, Ballontiere oder Blumen aus dem Automaten gereicht wurden. Eine besonders „große“ Überraschung bleibt natürlich auch nicht aus. Einige der Studenten waren so gerührt, dass sie die „Happiness Machine“ zur Anerkennung umarmten - „Thank you, Coke!“

Bleibt uns also nur der heimliche Wunsch, dass wir auch eines Tages mit einem solchen Wunderautomaten an der Uni (oder im Büro) beglückt werden.

Quelle:
culture-buzz.com