Allerorts wird diskutiert, wie die Verlagsbranche gerettet werden kann. Alles nicht so wild, scheint der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger zu finden – und forciert seine Kampagne „Print wirkt“ nun auch im Netz.

Was passiert, wenn eine Zeitung ihre Abopreise innerhalb von 18 Monaten verdoppelt und Besucher ihrer Website bereits seit Jahren kräftig in die Tasche greifen lässt? Sie gewinnt Leser – zumindest im Fall der renommierten Financial Times. Mit 126.000 Lesern, von denen manche Premiumgebühren für Extra-Updates in der Höhe von 299 Dollar pro Jahr zahlen, hat die Financial Times alleine dieses Jahr mehr als 15 Prozent Leser als noch im Jahr zuvor. Sogar auf ihre Werbeeinnahmen wirkt sich Paid-Content positiv aus, wie die Los Angeles Times berichtet: „Die meisten Verleger fürchten, dass mit Bezahlschranken die Leserzahlen wegbrechen – und mit ihnen die Werbeeinnahmen. Doch mit der sichtlich hohen Ausgabefreudigkeit ihrer angemeldeten Edel-User kann die Financial Times auch höhere Inseratenpreise rechtfertigen.“
Freilich, mit ihren Special-Interest-Inhalten, die sich noch dazu an ein äußerst finanzkräftiges Publikum richten, genießt die Financial Times gegenüber anderen Zeitungen einen klaren Vorteil. Oftmals werden die Abos von den Arbeitgebern bezahlt. Es wäre also verfehlt, von einem Königsweg zu sprechen, den die Financial Times hier beschreitet. „Angesichts der Gratiskultur sind mit wenigen Ausnahmen die Chancen, Erträge mit Bezahlinhalten zu generieren, trüb“, schätzt Mashable-Autor Vadim Lavrusik. Zeitungsverlage, die weiterhin ihre „Webseiten als Müllhalde für Artikel ihrer Printversionen“ benützen, sieht er gar schon dem Untergang nahe. Während die Erholung der US-Werbewirtschaft Fernsehen, Internet und Radio im ersten Quartal 2010 bereits wieder deutliche Zuwächse verschafft hat, gingen die Inseratenerlöse bei Magazinen (-3,9 Prozent) und Zeitungen (-9,7 Prozent) abermals zurück.
Allerdings ist fraglich, wie gut solch US-amerikanische Einschätzungen auf den europäischen Markt umlegbar sind. Der Printsektor hat schließlich in den USA schon lange nicht mehr den gleichen Stellenwert wie in unseren Breiten. Ein selbstbewusstes Plädoyer kommt daher vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), der seine Traditionskampagne „Print wirkt“ nun auch ins Netz transferiert hat.
In einem Online-Spot namens „10 Argumente in 100 Sekunden“ werden einige interessante Fakten aufgezählt, etwa dass ein Drittel aller Abos im Web abgeschlossen werden, fast alle 14- bis 29-Jährigen regelmäßig Zeitschriften lesen und die meisten Magazine bereits am zweiten Verkaufstag über 50 Prozent ihrer Reichweite erreichen:
Rosige Aussichten, so scheint es – wobei sich dann natürlich ein bisschen die Frage stellt, weshalb etwa laut Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner jeder Verleger der Welt Steve Jobs dafür danken soll, dass er mit dem iPad „die Verlagsbranche rettet“.
Quellen:
http://www.latimes.com
http://mashable.com
http://newsosaur.blogspot.com
http://www.youtube.com






























