Die Geschichte hinter dem Apple-Mythos

Friday, July 30th, 2010

Betreibt Apple einen quasireligiösen Kult, wie Kritiker immer wieder vorwerfen? Oder spricht hier nur der blanke Neid? Über diese Frage ist unter Enthusiasten längst ein bizarrer Glaubenskrieg entbrannt. Tatsächlich aber lassen sich laut einer Untersuchung vier zentrale Mythen identifizieren, die den Apple-Mythos nähren – und allfällige technische Schwächen in den Hintergrund rücken.

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71 Prozent – Das ist der Anteil an Probanden, die sich im Rahmen einer Studie für eine Underdog-Marke entschieden. Für ihre Teilnahme an der Untersuchung konnten sie als Entschädigung zwischen verschiedenen Schokoriegeln wählen. Sowohl die Probanden aus den USA als auch aus Singapur bevorzugten den Außenseiter. „Kontext-, Kultur- und Zeitperiodenübergreifend haben Erzählungen über Underdogs die Menschen inspiriert“, schreiben die Studienautorinnen Neeru Paharia, Anat Keinan und Jill Avery, „Geschichten über Underdogs durchdringen Sport, Politik, Religion, Literatur und Film“. Ganz besonders gelte dies für die USA, denn: „Der American Dream, der sagenhafte amerikanische Mythos, ist aufgebaut auf Geschichten über Außenseiter, die mit praktisch nichts in die Vereinigten Staaten gekommen waren und sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zogen“, heißt es in der Studie namens „The Underdog Effect: The Marketing of Disadvantage and Determination through Brand Biography“, die im Februar 2011 im Journal of Consumer Research erscheinen wird.

Dieser Underdog-Effekt dürfte auch ein wesentliches Erfolgsrezept von Apple sein. In einem Artikel mit dem Titel „Varianten religiöser Erfahrungen: Wie Apple göttlich bleibt“ zitiert The-Atlantic-Redakteur Alexis Madrigal ein im Mai erschienenes wissenschaftliches Paper, in dem dieser polemisch klingende Vergleich anhand des iPhone tatsächlich näher beleuchtet wird. Laut einer vorangegangenen Untersuchung gibt es nämlich vier zentrale Mythen, die dem Unterhaltungselektronik- und Software-Riesen aus Cupertino, Kalifornien, seine überirdische Aura verleihen:

1. Der Schaffungsmythos. Hervorgehoben wird hierbei der gegenkulturelle Ursprung des Mac – der Underdog – als „transformativer Moment“.
2. Der Heldenmythos. Der Mac und sein geistiger Vater Steve Jobs werden als Retter der User eines einschlägig dominierten PC-Sektors präsentiert.
3. Der satanische Mythos. Jeder gute Held braucht natürlich einen Gegenspieler – als Antagonist dient(e) in diesem Fall Bill Gates als Feind aller Mac-Fans.
4. Der Auferstehungsmythos. Dieser begründet sich in der Rückkehr von Steve Jobs an die Spitze von Apple, um den Konzern zu retten.

Steve Jobs kann für die Rolle des „Helden“ in vielerlei Hinsicht als Idealbesetzung angesehen werden. Max Webers vielzitierte Definition von Charisma als „außeralltäglich geltende Qualität einer Persönlichkeit“ mit „nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften“ wird der Apple-CEO mit Leichtigkeit gerecht. Der renommierte Designprofessor Paolo Tumminelli bezeichnete jüngst in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Steve Jobs sogar als „die Antithese des Papstes“. Selbst der veröffentlichte Briefverkehr mit der E-Mailadresse sjobs@apple.com, bei der der angebliche Steve Jobs durch knappe und teilweise schroffe Antworten glänzt, könnte ein Hinweis sein, wie perfektionistisch Apple an seiner Inszenierung schuftet: Das Bild, das dabei gezeichnet wird, ist jenes eines für jeden erreichbaren, aber trotzdem unerreichbar bleibenden Mannes – ein Charismatiker eben, der sich im lehrbuchmäßigen „Grenzgang an der Peripherie sozialer Erwartungen“ übt.

Doch wie stark ist der Mythos? Können technische Makel wie das Antennenproblem des iPhone 4 den Mythos ins Wanken bringen? The-Atlantic-Redakteur Alexis Madrigal hält „Antennagate“ für ausgestanden; „weniger klar“ seien jedoch die Langzeitfolgen. Allerdings: „Das iPhone bedeutet etwas“, so Madrigal, und zitiert Heidi A. Campbell von der Texas A&M University: „Wenn man sich einen Mac kauft, kauft man sich in eine Ideologie ein. Man kauft sich in eine Community ein.“ Da mag es auch kein größeres Problem darstellen, dass bei Apple von einem „gegenkulturellen Underdog“ längst keine Rede mehr sein kann.


Glaubenskrieg als Trash-Video: Unglaubliche 6 Millionen Views in einem Monat

Quellen:
http://www.journals.uchicago.edu
http://www.theatlantic.com
http://nms.sagepub.com
http://www.tagesanzeiger.ch

Milgram lässt grüßen: Twitter und das Kleine-Welt-Phänomen

Friday, April 30th, 2010

Jeder kennt jeden über sechs Ecken. Die Erkenntnis des Psychologen Stanley Milgram ist heute längst Teil der Populärkultur. Ein kanadisches Startup hat nun Twitter auf das „Kleine-Welt-Phänomen“ überprüft. Das Ergebnis: Knapp 85 Prozent aller Twitter-User sind bloß 5 Ecken voneinander entfernt.

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In den späten Sechzigern machte der Psychologe Stanley Milgram ein spannendes Experiment. Es ging um die Frage, über wie viele Ecken sich die Menschen einander kennen. Die Art, wie er diese Frage zu beantworten versuchte, war simpel – und hocheffizient. Milgram schickte an 160 Leuten, die in Omaha (Nebraska) wohnten, einen Brief. Der Inhalt: Die Empfänger mögen doch bitte so nett sein und dafür Sorge tragen, dass der Brief einen in Massachusetts arbeitenden Börsenmakler erreicht. Allerdings sollten sie das Kuvert nicht einfach direkt an dessen Adresse schicken, sondern an jemanden aus ihrem Bekanntenkreis, von dem sie vermuteten, dass er dem Börsenmakler näher war. Zudem wurden die Adressaten gebeten, den Brief mit dem eigenen Absender zu versehen. Damit stellte Milgram sicher, dass er die Anzahl an Stationen zurückverfolgen konnte.

Wie die Auswertung des Experiments ergab, erreichte die Mehrzahl der Briefe den Börsenmakler in fünf bis sechs Schritten. Die Erkenntnis, die seither hochoffiziell „Kleine-Welt-Phänomen“ genannt wird, konnte in zahlreichen Folgeuntersuchungen bestätigt werden: Die Mehrzahl der Menschen kennen einander durchschnittlich über rund sechs Ecken. Im Web wurde das Phänomen vor allem durch das „Oracle of Bacon“ berühmt: Jeder Schauspieler, der schon einmal in einem Fernseh- oder Kinofilm mitgewirkt hat, kann in durchschnittlich sogar nur drei Schritten mit Kevin Bacon in Verbindung gebracht werden. Auf www.oracleofbacon.org kann sich jeder selbst ein Bild machen: Selbst deutschsprachige Darsteller ohne internationale Erfahrung „kennen“ den Golden-Globe-Preisträger über erstaunlich wenige Ecken.

Das kanadische Startup Sysomos ist nun in einer Analyse der Frage nachgegangen, ob sich das Kleine-Welt-Phänomen auch auf Twitter übertragen lässt. Der Bericht offenbart einige interessante Zahlen über den Microblogging-Dienst. Insgesamt gibt es mehr als 5,2 Milliarden Twitter-Freundschaften (also gegenseitige und einseitige Beziehungen). Die durchschnittliche Freundschafts-Distanz beträgt 4,67 Schritte. Die am häufigsten vorkommende Freundschafts-Distanz beträgt somit fünf Schritte, die zweithäufigste vier. Besonders erstaunlich ist, dass Twitter-User nach durchschnittlich bloß 3,32 Schritten erwarten dürfen, einen ihrer eigenen Followers zu finden.

Doch auch die Sechs-Ecken-Formel erfährt eine neuerliche Bestätigung. Knapp 98 Prozent aller Twitter-User sind über sechs Ecken miteinander verbunden.

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Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend. Dank sozialer Onlinenetzwerke ist die Interkonnektivität zwischen Fremden generell gestiegen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei nicht-reziproke Beziehungen, bei denen also – im Falle von Twitter – ein User dem anderen folgt, der andere aber nicht zurückverfolgt, wie es etwa bei Prominenten meistens der Fall ist. So ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Schweizer einem bulgarischen User folgt, der in seiner Landessprache zwitschert. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass der Schweizer einem Superstar wie William „Captain Kirk“ Shatner folgt und der bulgarische Twitter-User einen Follower hat, der das ebenfalls tut.

Dass es in sozialen Netzwerken Knotenpunkte sind, die die Anzahl an Schritten so erstaunlich gering hält, hatte bereits das Kettenbrief-Experiment Stanley Milgrams gezeigt. Rund die Hälfte aller Briefe, die an den in Massachusetts lebenden Börsenmakler adressiert waren, gingen durch die Hände dreier Männer mit besonders vielen Sozialkontakten.

Quellen:
http://sysomos.com
http://techcrunch.com
http://www.oracleofbacon.org
http://twitter.com

Earned Media und facebook Ads steigern Markenerinnerung

Wednesday, April 28th, 2010

Was ist ein Fan einer facebook Fanpage eigentlich wert? Welchen Wert hat eine Fanpage oder gar eine einzelne Statusmeldung? Antworten auf diese Fragen können bereits einfache “Milchmädchen-Rechnungen” liefern und bieten somit im ersten Moment einen praktischen Vergleich zu Werbewerten von Print, Radio und TV. Dabei wird jedoch übersehen, dass die klassischen Medien in Puncto Werbeerinnerung mit dem Word-of-Mouth-Charakter von Social Media nicht mithalten können und die Thematik somit differenzierter betrachtet werden muss.

Passend zu diesen Überlegungen, die auch Hannes Treichl Anfang des Monats angestellt hat, wurde nun ein aktueller Nielsen-Report veröffentlicht, bei dem sich die Marktforscher verstärkt mit facebook zusammengetan und eine Untersuchung unter 800.000 facebook-Nutzern durchgeführt haben. Dabei analyisierten sie 125 Werbekampagnen von 70 Marken. Die wichtigsten Erkenntnisse: Schon mithilfe einer einfachen Werbeanzeige (Display-Ad) auf facebook, kann die Erinnerung an eine Marke um bis zu 10 Prozent gesteigert werden. Noch besser performen allerdings Werbebotschaften, die nicht nur in den Anzeigen am rechten Rand aufscheinen, sondern auch von den eigenen Fans geteilt werden (z.B. durch Klick auf “Gefällt mir”). Dadurch landen die Links zur Fanpage nämlich direkt im Newsfeed meiner Freunde und sind damit im wahrsten Sinne “im Zentrum” des Wahrnehmungsbereichs der User. Die Markenerinnerung steigt dabei im Vergleich zu Usern, die keine Werbung gesehen haben, um 30 Prozent, wie die Untersuchung von facebook Ads von 14 Marken ergab. Neben der Marken- und Werbeerinnerung (ad recall) wurden außerdem die Markenwahrnehmung (awareness) und die Kaufabsicht (purchase intent) der Umfrageteilnehmer untersucht.

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Es stellt sich also die Frage: Wieso werden “organische” Werbeanzeigen deutlich besser von den Usern erinnert, als normale facebook Ads? Liegt es an der Positierung im Newsfeed bzw. am Seitenrand? Werbung in Social Media funktioniert anders als auf klassischen Online-Werbeträgern, wie beispielsweise den Websites von Tageszeitungen. Dort kommt nämlich neben der bezahlten Anzeige (Paid Media), der unbezahlten, “earbeiteten” Form der Werbung (Earned Media) eine noch größere Bedeutung zu  (zur genauen Abgrenzung von Paid vs. Earned Media siehe Nielsen-Report (S. 6) oder Blog-Eintrag von Martin Oetting). Unbezahlte Werbung meint hier nämlich nicht die Übernahme von Pressetexten durch Journalisten, sondern eine Art Weiterempfehlung von Fans bzw. Freunden, die facebook durch den Like-Button bzw. das “gefällt mir”-Plug-in nun auch anderen Websites zur Verfügung stellt (wir berichteten). Was ein einfacher Klick auf “gefällt mir” bewirkt, lässt sich anhand folgender Untersuchungsergebnisse veranschaulichen: Liegt die durchschnittliche Klickrate von Werbeanzeigen im gesamten Web bei weit unter einem Prozent, so gilt dies mit 0,7 Prozent auch für facebook Ads - bei 18 Millionen Auslieferungen und mickrigen 130.000 Klicks kann man also nicht gerade von einer außergewöhnlich hervorragenden Performance sprechen. Sieht ein Facebook-User allerdings, dass ein Freund “Fan” einer Marke geworden ist bzw. ihm diese neuerdings “gefällt”, so klicken rund 4 Prozent auf den jeweiligen Link. Bei facebook Ads, bei denen ein Freund auf “gefällt mir” geklickt hat, steigt die Wahrnehmung um 8 Prozent, die Markenerinnerung gar um 16 Prozent.

Earned Media haben auf alle drei untersuchten Bereiche - Markenerinnerung, -wahrnehmung und Kaufabsicht - einen entscheidenen Einfluss. Als Fazit empfiehlt Jon Gibs, Nielsens Vice President für Medienanalyse, Unternehmen und Marketern allen ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente (zB E-Mail-Newsletter) zu nutzen, um Kunden anzuregen, Fans ihrer facebook Fanpage zu werden und somit das Word-of-Mouth-Potential zu erhöhen.

PDF-Download zur Studie “Advertising Effectiveness: Understanding the Value of a Social Media Impression”

Quellen:

adage.com

internetworld.de

Süchtig nach Social Media?

Monday, March 22nd, 2010

Einer Studie von Retrevo zufolge, loggt sich jeder zweite der 400 Millionen Facebook-User zumindest täglich auf der Social Network Plattform ein, um Statusmeldungen zu lesen oder seine Freunde auf dem Laufenden zu halten. Da mir diese Zahl auch aus einer älteren Quelle schon bekannt vor kam, war das nicht weiter überraschend für mich. Interessant ist jedoch, in welchen Situationen sich die User von Facebook, Twitter & Co. durch neue Nachrichten und Meldungen ablenken lassen – immerhin 40 Prozent haben nämlich generell kein Problem damit, von Social Media bei ihren Tätigkeiten unterbrochen zu werden. Ab welcher Nutzungsintensität man tatsächlich von einer Sucht sprechen kann, wird durch diese Studie (1.000 Teilnehmer) zwar nicht beantwortet. Jedoch erscheint es äußert bedenklich, wenn bereits jeder Dritte während dem Essen auf sein Smartphone oder den Computer starrt und gar jeder zehnte der unter 25-Jährigen selbst das Liebesspiel unterbricht, um Social-Media-Updates zu checken.

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Nicht besser wird es, wenn man sich die Antworten auf die Frage ansieht, ob die Teilnehmer der Studie Statusupdates lesen oder schreiben sobald sie ins Bett gegangen sind. 48 Prozent tun dies während der Nacht oder sobald sie am nächsten Morgen aufwachen. Auch hier ist die jüngere Generation unter 25 Jahren eher dazu geneigt, sich der Welt rund um die Uhr mitzuteilen, als die älteren User. Nicht umsonst wird diese auch als „Always On“-Generation bezeichnet.

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Interessant ist auch, dass Social-Media-Updates für 16 Prozent der User die Morgenzeitung oder das gerade in den USA ansonst recht beliebte Frühstücksfernsehen ersetzt. Bei den iPhone-Nutzern beträgt der Anteil jener, die sich auf diese Weise ihre morgendlichen „Nachrichten“ verschaffen, sogar 23 Prozent. Was die Social Media Nutzung allgemein betrifft, sind laut der Studie Besitzer eines iPhones noch öfter auf Facebook und Twitter aktiv, als Nicht-Smartphone-User – ein Trend, der wohl nur wenige überrascht.

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Jene User mit einem großen Suchtgefährdungspotenzial sind außerdem wohl diejenigen, die es maximal ein paar Stunden aushalten ohne auf Facebook nach neuen Statusmeldungen Ausschau zu halten. Unter den befragten Teilnehmern der Studie sind dies immerhin 11% der über 25-Jährigen und 18% der jüngeren User. Auch wenn die Bereitschaft, sich durch Social Media jederzeit unterbrechen zu lassen und rund um die Uhr online zu sein, tendenziell weiter steigt, so gibt es noch immer einen großen Teil der User, die auch mehrere Tage „ohne können“.

Wie häufig und in welchen Situationen nutzen Sie Social Media? Sehen Sie sich gar selbst als „süchtig“ an?

Quellen/Grafiken:
retrevo.com

Ausgetwittert? Aber nicht doch!

Friday, March 5th, 2010

Seit Monaten geistern Meldungen durch die Medien, dass Twitter Nutzer verliert. Wie eine neue Untersuchung nun zeigt, wächst die Twittersphäre bloß langsam. Die Qualität der Accounts stieg jedoch an.

Es ist schon erstaunlich: Abgesänge auf Twitter scheinen bereits fast so alt wie der Microblogging-Dienst selbst zu sein. Bloß 40 Prozent aller registrierten Nutzer loggen sich noch ein, meldete das Marktforschungsinstitut Nielsen im April 2009. Im November wussten die Marktforscher sogar bereits von einem satten Verlust von Usern zu berichten: Die Nutzerzahl sei von September bis Oktober um satte 27,8 Prozent eingebrochen, hieß es damals.

„Je höher man fliegt, desto tiefer fällt man auch“, urteilte etwa Spiegel Online nicht ohne Schadenfreude. Eine Darstellung, die keineswegs auf ungeteilte Zustimmung stieß. Kern der Kritik: Die Untersuchungen, auf die sich die Medien beriefen, hatten nur die Zugriffe von twitter.com erfasst, dem Web-Interface des Kurznachrichtendienstes. Doch bloß etwas mehr als 20 Prozent der Twitter-Zugriffe werden über die Webseite getätigt, der Großteil entfällt auf Clients wie Tweetdeck und Seesmic.

Wie steht es also wirklich um Twitter? Ist der Web-Dienst tatsächlich bloß noch voller Geisteraccounts, für die sich niemand interessiert? Auf Fragen wie diese versucht nun ein Bericht von HubSpot Antwort zu geben. Die Ergebnisse sind durchaus ambivalent, aber keineswegs so düster, wie die Medienberichterstattung es vermuten lassen würde.

Wahr ist, dass die Nutzer-Zuwächse deutlich zurückgingen. Wohlgemerkt: Die Zuwächse, nicht die Zahl der Nutzer selbst. Seinen höchsten Zugewinn an Usern lukrierte Twitter mit 13 Prozent im März 2009. Danach ging es erstaunlich rasant wieder bergab. Im Oktober lag die Wachstumsrate bloß noch bei 3,5 Prozent. Was war da Mitte 2009 passiert?

Ende 2008/Anfang 2009 setzte der Twitter-Hype so richtig ein. Blogs- und Webseiten begannen sich mit „Follow us on Twitter“-Buttons zu schmücken, Prominente wie Ashton Kutcher und Journalisten wie Larry King wurden zu Twitter-Stars. Das ließ auch klassische Medien hellhörig werden. Eifrig berichteten sie über den neuen Web-2.0-Dienst, der sogar Wahlentscheidungen beeinflussen können soll. „Der einzige Hype, der jetzt vorbei ist, geht vom Hype-Erschaffer selbst aus“, urteilt eine Posterous-Bloggerin scharfsinnig, „Ashton Kutcher ist derjenige, der uninteressant(-er) geworden ist. Wegen ihm haben sich damals Millionen Teenies und Groupies, die nie einen anderen Nutzen auf Twitter gesehen haben, als ihrem Idol näher zu kommen, bei Twitter angemeldet. Nachdem diese aber nach dem hundertsten Versuch, mit Kutcher zu ‚chatten‘, keinen Erfolg verbuchen konnten, wurde es ihnen zu öde auf dieser Plattform und sie kehrten zu ihren ‚normalen‘ Freunden auf Facebook oder den VZ’s zurück.“ Ähnlich sieht das auch Social-Media-Soziologe Brian Solis: „Wer einmal bei Twitter angekommen ist, erhält wenig Hilfe und Anreize, die notwendig sind, um mehr als bloß einen Account zu eröffnen, sondern auch täglich oder wöchentlich damit zu kommunizieren.“

Tatsächlich scheint aber das Platzen der Twitter-Blase nicht mit dem Ende des Zwitscher-Netzwerks einherzugehen, sondern mit einer umso nachhaltigeren Konsolidierung. Wie aus dem HubSpot-Report hervorgeht, hatten im Januar 2010 53 Prozent aller Nutzerkonten eine Biografie in ihrem Profil. Im Juli 2009 lag dieser Wert noch bei 24 Prozent. Ähnliche Steigerungswerte konnten auch die Angaben „Location“ und „Web-Adresse“ verzeichnen.

Auch die Follower/Following-Zahlen gingen in diesem Zeitraum drastisch in die Höhe. So hatte sich die durchschnittliche Zahl an Followers circa vervierfacht (trotzdem haben nach wie vor 82 Prozent aller Twitter-User weniger als 100 Followers). Allerdings stieg auch die Zahl der durchschnittlichen Updates kontinuierlich an. Dies könnte wiederum auch durch eine wachsende Zahl an Accounts zu erklären sein, die bloß mit Feeds gespeist werden.

Doch es gibt noch andere spannende Ergebnisse: Am meisten wird um 22 Uhr getwittert, aber auch zwischen 15 und 17 Uhr sind Twitter-User ziemlich mitteilungsbedürftig. Weniger turbulent geht es hingegen zwischen 1 und 8 Uhr bzw. 18 und 20 Uhr zu. Unter den Wochentagen ist der Donnerstag der König der Twittersphäre – da wird am meisten gezwitschert. Heißt das, dass man wichtige Botschaften vor allem an Donnerstagen versenden sollte? Nicht unbedingt. Wie nämlich eine andere Untersuchung zeigte, wird donnerstags zwar am meisten gezwitschert, die meisten Retweets gibt’s jedoch am Freitag.

Wie wir also sehen, ist es ausgesprochen schwer, anhand einzelner Daten Gesamturteile über Twitter zu fällen. Zu groß ist der Interpretationsspielraum, zu komplex die Dynamik. Ein Ergebnis des HubSpot-Reports bedarf jedoch wohl keiner weiteren Erklärung: Die Verteilung der Anzahl an Zeichen – die erreicht nämlich genau bei 140 ihren allerhöchsten Wert. Die Ursache ist klar: Platzmangel.

Quellen:
http://blog.nielsen.com
http://www.emarketer.com
http://www.spiegel.de
http://www.bildblog.de
http://www.hubspot.com
http://anya-rutsche.posterous.com
http://www.briansolis.com
http://socialmedia.globalthoughtz.com

50 Social Media Marketing Whitepapers

Tuesday, March 2nd, 2010

Bereits im vergangenen Jahre veröffentlichte Stefan Petersen von web-ideas.de eine Liste von 42 kostenlosen eBooks zum Thema Social Media Marketing. Und auch in diesem Jahr lies die Liste der Whitepapers nicht lange auf sich warten und so findet sich im Blog eine Auflistung aktueller Social Media Studien & Reports.

Auch die von ambuzzador im Juni vergangenen Jahres durchgeführte Studie zur Social Media Nutzung findet in der Übersicht Erwähnung - vielen Dank dafür! ;-)

Studie zur Social Media Nutzung

Monday, July 13th, 2009

Social Media Marketing ist in aller Marketing Manager Munde.

  • Facebook, Twitter & Co werden mehr und auch weniger professionell als Kommunikationskanäle von Unternehmen eingesetzt – leider selten voll integriert.
  • Die „neue“ Kommunikation lässt KonsumentInnen ungeschminkt zu Wort kommen, was die Kommunikatoren von Unternehmen zurecht auch beunruhigt, war man es doch gewohnt, die Botschaften und Formulierungen selbst zu gestalten.

ambuzzador ist Spezialist im Gebiet Social Media Marketing, aber auch (offline) Buzz Marketing und hat dafür seine eigene Methodik entwickelt.
Erfolgsfaktoren für erfolgreiches Social Media Marketing sind

  • Kenntnis der Social Media, der Key Players und deren Gesetze.
  • Kenntnis der Bedürfnisse und Sprache der Zielgruppe = Zuhören in online Foren und Communities.
  • Authentizität und Transparenz in der Kommunikation: Win Win Situationen und konkreter Nutzen für die online Community.
  • Partizipation der Zielgruppe = User Generated Content.

Die im Juni 2009 durchgeführte Studie bringt Licht ins Dunkel

  • Beliebtheit & Nutzung von Communities
    • Nutzungsintensität
    • Motive
    • Buzz Effekte
  • Typologie der Users
  • Einstellung zu Werbung in Social Media

Die komplette Studie zum Durchlesen, Anschauen und Behalten: ambuzzador social media studie