Ein Monat Google+

Friday, July 29th, 2011

Kein anderes soziales Netzwerk hat innerhalb so kurzer Zeit so viele User angezogen wie Google+. Doch um aus diesen Trends in die ferne Zukunft zu schließen, ist es noch viel zu früh.

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Seit einem Monat gewährt Google der ausgewählten Öffentlichkeit einen Einblick in seinen Facebook-Konkurrenten Google+. Allen Unkenrufen zum Trotz, wonach Google unfähig sei im Social Web Fuß zu fassen, ist es dem Suchmaschinen-Riesen damit gelungen, einen noch nie zuvor dagewesenen Hype loszutreten. Mussten sich Facebook und Twitter über zwei Jahre gedulden, um 10 Millionen User beisammenzuhaben, brauchte Google+ dafür kaum mehr als zwei Wochen. Heute sind es bereits über 20 Millionen.

Zu verdanken hat Google diesen Erfolg zum einen den weitgehend positiven Kritiken sowie der umfassenden Berichterstattung auf einschlägigen Webseiten und Blogs; alleine auf Mashable wurden binnen eines Monats an die 80 Artikel zum Thema verfasst. Zum anderen hat Google+ seinen Erfolg natürlich auch seinen Konkurrenten zu verdanken, den „Infektionsmaschinen“ Facebook, Twitter und vielen mehr. Facebook hätte wohl selbst eine Plattform wie Facebook gebraucht, um innerhalb so kurzer Zeit so viele Nutzer anzuziehen – doch das war 2004, eine Zeit, in der das Wort Mund-zu-Mund-Propaganda noch im weitaus wörtlicheren Sinn zu verstehen war als heute.

Fragt sich nur, wie nachhaltig der Erfolg von Google+ ist. Dass die Diskussion rund um den Klarnamen-Zwang oder das Scharmützel mit „Captain Kirk“ William Shatner der Plattform großen Schaden zugefügt hat, darf bezweifelt werden. Derlei Skandale und Skandälchen konnten bisher auch dem Erfolg von Facebook keinen Abbruch tun. Allerdings: Der enorme Hype, den Google+ Early Adopters aus der ganzen Welt zu verdanken hat, dürfte fürs erste einmal abflachen. Bereits in der zweiten Julihälfte verzeichnete der Traffic-Tracker Experian Hitwise bei Google+ einen Rückgang der Nutzungsdauer und Visits.

Doch das muss noch nicht viel bedeuten. „Google+ sieht aus wie ein soziales Netzwerk und fühlt sich an wie ein soziales Netzwerk, aber ich glaube nicht, dass es darauf hinausläuft“, meint David Armano von Edelman Digital, Chicago. „Was Google hier erfolgreich begonnen hat, ist die Erschaffung von etwas, das meiner Meinung nach eine soziale Ebene innerhalb des gesamten Google/Web-Ökosystems werden wird.“ Google+ sei demnach kein „Facebook-Killer“ (und brauche es auch gar nicht zu sein), sondern der Kitt, der Nutzern bei der Suche, Kommunikation, Kollaboration und Medienrezeption zusammenhält. So sei Google+ etwa hervorragend dazu geeignet, Suchmaschinenergebnisse näher an die Empfehlungen des Social Web heranzuführen. Auf gutem Weg ist Google dabei allemal: Bereits jetzt wird der +1-Button mehr verwendet als Twitters Tweet-Button.

Man darf also gespannt sein, wie es mit Google+ weitergeht. Doch eines darf dabei nicht vergessen werden: „Google+ ist ein Langzeitprojekt und kann nicht in Form von Kurzzeit-Gewinnen oder -Verlusten gemessen werden“, warnt Ben Parr von Mashable. „Es wird noch viele Monate dauern bis wir wissen, ob und welchen Platz Google+ im Social-Media-Universum einnehmen wird.“ Der nächste große Schritt wird die Einführung von Corporate Accounts sein, die für die kommenden Monate erwartet wird. Regelmäßige Updates liefert der Konzern in seinem Blog „What’s new in Google+“.

Quellen:
http://www.theatlanticwire.com
http://www.digitaltrends.com
http://www.bloomberg.com
http://www.edelmandigital.com
http://mashable.com
http://news.cnet.com
http://www.google.com (Screenshot)

facebook User werden immer älter

Tuesday, September 7th, 2010

Was auf den ersten Blick wie eine logische Begleiterscheinung des menschlichen Alterns wirkt (wir werden leider alle nicht jünger…), widerspricht jedoch den gängigen Vorurteilen über Social Networks: Längst sind es nicht mehr nur die “Jungen”, die auf facebook & Co. registriert sind, denn die Demographie der User verschiebt sich konstant in Richtung der Altersgruppe 50+.

Laut einer Studie des amerikanischen Pew Research Centers sind bereits 86% der 18 bis 29-Jährigen in einem oder mehreren Social Networks angemeldet bzw. nutzen diese auch regelmäßig. So gibt facebook beispielsweise an, dass sich rund die Hälfte seiner 500 Millionen User täglich einloggt. Dennoch: Social Media Marketing ist mittlerweile nicht  mehr nur ein Thema, wenn es um den Dialog mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht, sondern wird zunehmend auch für die Interaktion mit der Zielgruppe 50+ interessant. In den USA verzeichnet die Altersgruppe 50-64 derzeit prozentuell das stärkste Wachstum, bereits jeder Zweite ist in Social Networks aktiv. Aber auch in der Generation 65+ sind bereits 26% auf facebook & Co. registriert.

Quelle: Pew Research Center

In Österreich lässt sich eine ähnliche Entwicklung beobachten: Waren Anfang 2010 erst knapp 115.000 ÖsterreicherInnen ab 45 Jahren auf facebook registriert, so hat sich diese Zahl in den letzten acht Monaten beinahe verdoppelt. Derzeit sind in der Altersgruppe 45+ nämlich 222.500 User registriert, was ca. 10% aller österreichischen facebook User entspricht. Tendenz steigend.

Quellen:
pewinternet.org
facebookbiz.de
thomashutter.com

Ping: Apples neues Music Social Network – oder?

Thursday, September 2nd, 2010

Als Musik-Nerd muss ich leider sagen: Aufregende Dinge sind oft mit Warten verbunden – ob das nun ein Albumrelease ist, Amanda Palmers nächster Webcast, oder die 5 Minuten vor dem Vorverkaufsstart eines begehrten Gigs. Das Warten von der gestrigen Ankündigung von Ping bis dann heute früh das Update endlich installiert war reiht sich in diese Erfahrungen ein. Doch statt der Freude über eine neue CD oder das Konzertticket verbreitet sich erstmal: Enttäuschung.

Die Idee klingt gut: “Dein Social Network für Musik. Verfolge, was deine Freunde und Lieblingskünstler machen, welche Musik sie hören und laden und worüber man spricht.” Genau da ist der Haken: Von meinen Lieblingskünstlern, laut iTunes The Lines, Portugal. The Man und Arrows Of Love, hat Ping noch nie etwas gehört. Statt dessen soll ich Lady Gaga folgen? Sicher nicht! Ich bin leicht beleidigt, schließlich müsste iTunes meinen Musikgeschmack doch in- und auswendig können. Dann mache ich mich eben im iTunes Store auf die Suche nach meinen Lieblingskünstlern und stoße auf ein unangenehmes Detail des “weltweiten” Musikhandels – country restrictions: The Lines sind wohl nur im UK-Store verfügbar, scheiden also für mich aus.

Arrows of Love sind jedoch mit EP und Single vertreten! Ich bewerte beide, schreibe eine Rezension, und juhuu: Auf meinem Profil scheinen die Aktionen auf. “Folgen” kann ich den Briten jedoch immer noch nicht. Als Arrows-Webmistress mache ich mich auf die Suche nach Infos, wie ich ein Profil anlegen kann: Fehlanzeige. Mashable verspricht in einem Kommentar für morgen einen ausführlichen Bericht über die Möglichkeiten von Ping für Künstler, und auch im Apple-Forum ist die große Frage: “How to claim my iTunes Ping Artist Page?”

Aus Mangel an Lieblingskünstlern sehe ich mir die Artists genauer an, die schon auf Ping sind – und werde gleich nochmal enttäuscht: Lady Gaga hat nicht nur bereits 50.000 Verfolger, sondern auch Einträge auf ihrem Profil, die knapp einen Monat alt sind. Auch U2 und Linkin Park sind schon Ping-Pioniere, bevor andere Künstler überhaupt eine Seite erstellen können. Während also iTunes als erster richtig erfolgreicher Bezahlservice im Musikbereich auch kleineren Bands und Indie-Künstlern die Möglichkeit bot, dem Publikum unkompliziert Musik zu verkaufen und dabei ein paar Cent zu verdienen, ist Ping offenbar einem elitären Kreis der bekanntesten Bestverdiener in der Branche vorbehalten – vorausgesetzt, diese verkaufen ihre Musik im iTunes-Store. Weshalb übrigens auch die Fans der Beatles ihre Lieblingsband nicht auf Ping finden werden.

Was bringt mir Ping also, außer ein paar schönen neuen Profilen von Künstlern der Kategorie “Ö3″? Warum sollte ich mich dort mit Freunden und Fans über Musik austauschen und nicht auf last.fm, facebook oder twitter? Wie soll ich auf Ping neue Musik entdecken, wenn Künstler ihre Seiten nicht selbst und unabhängig von Majorlabels und dem iTunes-Store erstellen können? Und wenn es irgendwann funktioniert, wie aufwändig wird es dann, wenn nach 2 Stunden noch nicht mal mein Profilbild am Apple-Türsteher vorbei gekommen ist? Fragen über Fragen. Das Resümee: Noch fühlt es sich eher wie ein iTunes-Marketingtool an, aber ganz bestimmt nicht wie ein Social Network. Wir warten gespannt, ob da noch was kommt. Darin sind wir schließlich geübt ;)

PS: Wer das Warten nutzen mag, um seine Lieblingskünstler mit mir zu teilen: Mein Ping-Name ist Alex Muehlbacher. Ich freu mich auf eure Empfehlungen! (no Lady Gaga, please)

Facebook überholt nun auch Google

Wednesday, March 17th, 2010

Momentan überschlagen sich die Ereignisse rund um Mark Zuckerberg’s Soziales Netzwerk beinahe täglich. Wie wir erst vergangenen Montag berichteten, zog Facebook in Deutschland an der Konkurrenz vorbei und verzeichnete im Februar mehr Besucher als die beliebten nationalen Social Networks, wie wer-kennt-wen.de und den VZ-Netzwerken. Nun der nächste Erfolg für Facebook: Erstmals konnte das Social Network den Suchmaschinengiganten Google in den USA bei den Zugriffen der User überholen, so eine Analyse von Hitwise. Dieses Kunststück hatte Facebook zwar auch schon vereinzelt an Tagen wie dem 24. Dezember und dem 1. Januar geschafft, noch nie aber über die Zeitdauer einer gesamten Woche. Google’s Marktanteil beläuft sich somit auf 7,03 Prozent des gesamten US-Internetverkehrs, jener von Facebook auf 7,07 Prozent. Sieht nach einem knappen Rennen aus? Nicht ganz, betrachtet man die folgende Grafik, die die Zugriffszahlen der beiden Kontrahenten über die letzten 12 Monate veranschaulicht. Demnach konnte sich Google im Vergleich zum Vorjahr um gerade einmal 9 Prozent steigern, Facebook die Anzahl der Zugriffe aber im selben Zeitraum beinahe verdreifachen (+185 Prozent).

Facebook überholt Google in den USA

Dabei kann man Google keineswegs vorwerfen, sich dem gobalen Boom der Social Networks zu verschließen – jedoch zeigt sich, dass sich der Suchmaschinenriese im Bereich Social Media mit eigenen Aktivitäten schwer tut. Der Hype um Google Wave und der groß angekündigten Revolution der Kommunikationsweise im Internet, war nur von kurzer Dauer. Auch Google Buzz kann derzeit mit der Popularität von Twitter und Foursquare nicht mithalten, obwohl Google hier versucht, die Features beider Services zu kombinieren – und man sich dazu als Google-User nicht einmal registrieren muss. Die große Stärke von Facebook im Vergleich zu Google sind zudem die gewonnenen Daten, die von Usern generiert werden – in Zukunft wohl eine noch größere “Währung”, als die Zugriffszahlen und die Verweilsdauer der Nutzer.

Facebook hingegen expandiert munter weiter und gibt sich mit Nutzerzahlen von über 400 Millionen noch längst nicht zufrieden. In Kürze wird das Social Network mit einem eigenen Office in Indien “lokale Entwicklungsschwerpunkte” für die über 8 Millionen indischen User setzen und somit auch neue Werbekunden anlocken.

Quellen:
hitwise.com
pte

Facebook zieht an der Konkurrenz vorbei

Monday, March 15th, 2010

Die Social Media Landschaft in Deutschland ist bekanntermaßen ein besonderer Fall und bietet viel “Platz” für nationale Netzwerke. Unsere Nachbarn laufen damit dem Trend entgegen, demnach gerade die großen internationalen Social Communities kontinuierlich bei den Userzahlen und den monatlichen Zugriffen zulegen. Galten bislang Social Networks wie lokalisten.de, wer-kennt-wen.de und die VZ-Netzwerke als die beliebtesten ihrer Art, zieht Facebook nun aber auch in Deutschland allmählich an der Konkurrenz vorbei – eine Entwicklung, die sich abzeichnete?

Um diese Frage zu klären, hat Meedia.de einen Langzeit-Vergleich der 25 größten Social Networks Deutschlands auf Basis von Google Ad Planner Daten erstellt. Gegenübergestellt wurden dabei die Unique-Visitors-Zahlen von Februar 2009 und Februar 2010. Waren vor einem Jahr die beiden VZ-Netzwerke SchülerVZ und StudiVZ an der Spitze der Charts, zählen diese heuer gemeinsam mit MySpace zu den großen Verlieren – alle drei stürzten im Ranking um 30 bis 40 Prozent ab. Facebook konnte in Deutschland innerhalb von 12 Monaten einen rasanten Zuwachs (+182,6 Prozent) verzeichnen und ist mit 13 Millionen Unique Visitors pro Monat klare Nummer 1. Zum Vergleich: Das zweitgrößte Social Network wer-kennt-wen.de hat aktuell 6,8 Millionen Visitors und konnte somit ebenfalls zulegen, wenn auch “nur” um 700.000 Unique Visitors (+11 Prozent). Den größten Sprung nach vorne machte Twitter – von Platz 25 auf Platz 9. Der beliebte Microblogging-Dienst kannte seine Nutzerzahlen in Deutschland beinahe vervierfachen.

Da die monatlichen Zugriffen auf die 25 Social Networks insgesamt um nur 6,3 Prozent gestiegen sind, zeigt sich somit deutlich, dass das absolute Wachstum von Facebook (+8,4 Millionen Unique Visitors) zum Großteil auf Kosten der Konkurrenz möglich wurde. Dennoch gibt es auch neben Facebook noch genügend Platz für weitere Netzwerke, insbesondere für solche, die bestimmte Zielgruppen und Nischen ansprechen, wie die beiden Business-Netzwerke Xing und LinkedIn, die beide deutlich zulegen konnten.

Auffällig ist, dass im aktuellen Langzeit-Vergleich derzeit noch ein großer Trend-Bereich fehlt: Jener der Location-based Services. Kein Wunder, Foursquare feierte erst vor ein paar Tagen seinen 1. Geburtstag. Zusätzlich kommt bei Gowalla, Foursquare & Co. hinzu, dass diese hauptsächlich über Smartphone-Applikationen genutzt werden und die Online-Plattform – ähnlich wie bei Twitter.com – nur von einem Teil der Nutzer regelmäßig genutzt wird. Dennoch wird es sehr spannend, wie sich in diesem Bereich die Nutzerzahlen entwickeln, Twitter hat ja bereits eindrucksvoll vorgezeigt, welches rasante Wachstum auch in Deutschland möglich ist.

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Grafik/Quelle:
meedia.de