Das Gerücht scheint sich zu bewahrheiten: Aus Angst, unter die Social-Media-Räder zu kommen, soll Google hastig an einem Facebook-Klon arbeiten. Geht es nach der Meinung von Fachbloggern, kommt das zwar reichlich spät. Trotzdem werden „Google Me“ durchaus Chancen eingeräumt.

Wieder einmal war es ein Tweet, der die Gerüchteküche zum Brodeln brachte. Digg-Chef Kevin Rose plauderte darin aus, dass er Google laut einer sehr verlässlichen Quelle in Kürze seinen Facebook-Klon Google Me starten wird. Zwar hat Rose die Nachricht bereits wieder gelöscht, doch dem Lauffeuer tut die Löschung der Initialzündung bekanntermaßen keinen Abbruch. Im Gegenteil; alles scheint darauf hinzudeuten, dass es an der Information kaum einen Zweifel gibt.
So stellt auch Ex-Facebook-CTO Adam D’Angelo – ebenfalls unter Berufung auf „verlässliche Quellen“ – klar: „Das ist kein Gerücht. Das ist ein echtes Projekt. Eine große Zahl von Menschen arbeiten daran.“ Google Me genieße sogar „höchste Priorität“ – und das aus gutem Grund: „Sie haben angenommen, dass der Wachstum der Facebook-User sich ebenso schnell verlangsamen würde, wie er gestiegen ist.“ Doch dann hat der Boom einfach nicht aufgehört „und jetzt haben sie wirklich Angst“.
Diese Angst scheint nicht ganz unberechtigt zu sein. „Facebook ist in vielerlei Hinsicht bereits jetzt größer als Google“, rechnet Techcrunch vor. Zwar nicht an unique Visitors, allerdings in Sachen Page Views. Zudem wird auf Facebook mittlerweile doppelt so viel Zeit verbracht als auf Google-Seiten. Hinzu kommt, dass Facebook auch als Suchmaschine immer mehr an Bedeutung gewinnt. Mit der Integration von Websites, die den „Like“-Button verwenden, in die Trefferliste von Facebooks interner Suchmaschine, bläst der Netzwerk-Riese nun sogar zum direkten Angriff auf Googles Kernkompetenz. Sollte sich die Anzahl an „Likes“ als Urteilsheuristik durchsetzen, könnte das Google nicht nur ernsthaft in Bedrängnis bringen, sondern auch die Suchmaschinenoptimierung auf eine ganz neue Basis stellen.
Die Entscheidung des Suchmaschinen-Giganten, sich mit Google Me sein eigenes Facebook zu basteln, wird daher von Geeks quer über den Globus als überfällig, aber nicht chancenlos angesehen. Für Google sei es „an der Zeit, ein eigenes soziales Netzwerk auf die Beine zu stellen. Es ist vielleicht schon zu spät, weil die Nutzer mit twitter und Facebook gesättigt sind, aber wenn man innovativer und besser ist, dann funktionieren solche Netzwerke auch jetzt noch“, kommentiert etwa das GoogleWatchBlog. Und Netzwertig-Blogger Martin Weigert gibt zu bedenken: „Noch vor einem dreiviertel Jahr hätte ich dem Google Me-Projekt, dass sich den Meldungen zufolge funktionell an Facebook orientieren soll, keinerlei Erfolgschancen eingeräumt.“ Doch nach diversen „Eskapaden“ und „Vertrauensbrüchen“, so Weigert, „könnte Google Me durchaus auf fruchtbaren Boden stoßen.“
Vor allzu viel kreativer Eigenleistung sollte Google jedoch die Finger lassen, meint zumindest Techcrunch-Mastermind Michael Arrington: Da man sich auf die Akzeptanz von umgekrempelten Variationen populärer Dienste nicht verlassen könne, sei das astreine Klonen die sicherste Bank – „daher bin ich nicht so überrascht zu sehen, dass Google offenbar genau das macht“.
Bei all den Spekulationen über Form und Erfolgspotenzial dürfte damit jedoch eines klar sein: An Social Media führt endgültig kein Weg mehr vorbei – nicht einmal für Google.
Quellen:
http://www.quora.com
http://techcrunch.com
http://www.googlewatchblog.de
http://netzwertig.com
http://www.facebook.com (Screenshot)