Auf der Suche nach seinem Geschäftsmodell will Twitter in den nächsten Wochen promoted Tweets auch in Timelines schalten. Auf die Reaktionen der Twitter-Userschaft darf man zu Recht gespannt sein.

Ist Twitter das neue Facebook? Eine Frage, die zwar mittlerweile mehrere Jahre alt ist, die derzeit jedoch erneut Hochkonjunktur erlebt: Es gäbe „wenig Zweifel, dass das Unternehmen nun in ernsthafter Konkurrenz zu Facebook steht“, verkündete etwa vor kurzem CNN und führte dabei vor allem die angekündigte Verquickung mit Apples iOS 5 ins Treffen: „Das bedeutet, dass über 200 Millionen Menschen mit iPhones, iPads und iPod-Touch-Geräten (oder zumindest die zig Millionen, die auf iOS 5 upgraden können) die Möglichkeit haben werden, Fotos, Videos und Links mit einem einzigen Schlag auf Twitter zu posten.“
Doch das ist nicht der einzige Grund, der für Twitter spricht: In zahlreichen Ländern wie Großbritannien, Deutschland, Australien, Frankreich und natürlich den USA rangiert Twitter mittlerweile auf dem zweiten Platz hinter Facebook; täglich kommen hunderttausende neue Accounts hinzu. Doch je größer Twitter wird, desto mehr wird der Microblogging-Dienst lernen müssen, mit Kritik umzugehen – und die wird wohl bald ziemlich laut werden.
Seit einiger Zeit versucht Twitter sein Einkommen mit promoted Tweets, promoted Trends und promoted Accounts zu bestreiten, sprich bezahlte Werbung im Twitter-Format. Bislang beschränkte sich dies lediglich auf Seitenränder sowie die Suchfunktion. Doch mit dieser Unaufdringlichkeit dürfte demnächst Schluss sein, berichtet die Financial Times. Demnach sollen promoted Tweets bald auch direkt in den Timelines der User erscheinen, so die Financial Times unter Berufung auf „Menschen mit direkten Kenntnissen der Pläne“. Ein Blick auf die nackten Zahlen verrät wieso: Während bei Facebook für dieses Jahr alleine Werbeeinnahmen im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar erwartet werden, rechnet Twitter mit Einnahmen im Wert von gerade einmal 100 Millionen.
Allzu leicht wird es jedoch nicht werden, Twitter-User von der neuen Werbeform zu überzeugen. So musste der soziale Kurznachrichtendienst seine iPhone-App nach heftigen Beschwerden wieder von seiner „QuickBar“ befreien, in der promoted Trends angezeigt wurden. Um nicht um seine Werbeerlöse gebracht zu werden, scheint Twitter alternativen Clients zunehmend die Daumenschrauben anzulegen.
Ob das von der Netzgemeinde so einfach hingenommen werden wird, steht freilich auf einem anderen Blatt geschrieben. Laut Financial Times sieht sich das Twitter-Management daher auch noch nach anderen Erlösformen um: Zur Diskussion sollen etwa einmalige Angebote à la Groupon und verbesserte Tools und Profilseiten für Marken stehen.
Doch zunächst bleibt einmal abzuwarten, ob sich die promoted Tweets in den Timelines zu den erhofften Goldeseln oder doch eher zum Image-Desaster entwickeln werden. Laut Mashable wird sich in den nächsten acht Wochen darüber jeder sein eigenes Urteil bilden können.
Quellen:
http://www.ft.com
http://articles.cnn.com
http://techcrunch.com
http://mashable.com
http://twitter.com (Screenshot)























