Twitter: Promoted Tweets bald auch in Timelines

Friday, June 24th, 2011

Auf der Suche nach seinem Geschäftsmodell will Twitter in den nächsten Wochen promoted Tweets auch in Timelines schalten. Auf die Reaktionen der Twitter-Userschaft darf man zu Recht gespannt sein.

Promoted Tweet

Ist Twitter das neue Facebook? Eine Frage, die zwar mittlerweile mehrere Jahre alt ist, die derzeit jedoch erneut Hochkonjunktur erlebt: Es gäbe „wenig Zweifel, dass das Unternehmen nun in ernsthafter Konkurrenz zu Facebook steht“, verkündete etwa vor kurzem CNN und führte dabei vor allem die angekündigte Verquickung mit Apples iOS 5 ins Treffen: „Das bedeutet, dass über 200 Millionen Menschen mit iPhones, iPads und iPod-Touch-Geräten (oder zumindest die zig Millionen, die auf iOS 5 upgraden können) die Möglichkeit haben werden, Fotos, Videos und Links mit einem einzigen Schlag auf Twitter zu posten.“

Doch das ist nicht der einzige Grund, der für Twitter spricht: In zahlreichen Ländern wie Großbritannien, Deutschland, Australien, Frankreich und natürlich den USA rangiert Twitter mittlerweile auf dem zweiten Platz hinter Facebook; täglich kommen hunderttausende neue Accounts hinzu. Doch je größer Twitter wird, desto mehr wird der Microblogging-Dienst lernen müssen, mit Kritik umzugehen – und die wird wohl bald ziemlich laut werden.

Seit einiger Zeit versucht Twitter sein Einkommen mit promoted Tweets, promoted Trends und promoted Accounts zu bestreiten, sprich bezahlte Werbung im Twitter-Format. Bislang beschränkte sich dies lediglich auf Seitenränder sowie die Suchfunktion. Doch mit dieser Unaufdringlichkeit dürfte demnächst Schluss sein, berichtet die Financial Times. Demnach sollen promoted Tweets bald auch direkt in den Timelines der User erscheinen, so die Financial Times unter Berufung auf „Menschen mit direkten Kenntnissen der Pläne“. Ein Blick auf die nackten Zahlen verrät wieso: Während bei Facebook für dieses Jahr alleine Werbeeinnahmen im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar erwartet werden, rechnet Twitter mit Einnahmen im Wert von gerade einmal 100 Millionen.

Allzu leicht wird es jedoch nicht werden, Twitter-User von der neuen Werbeform zu überzeugen. So musste der soziale Kurznachrichtendienst seine iPhone-App nach heftigen Beschwerden wieder von seiner „QuickBar“ befreien, in der promoted Trends angezeigt wurden. Um nicht um seine Werbeerlöse gebracht zu werden, scheint Twitter alternativen Clients zunehmend die Daumenschrauben anzulegen.

Ob das von der Netzgemeinde so einfach hingenommen werden wird, steht freilich auf einem anderen Blatt geschrieben. Laut Financial Times sieht sich das Twitter-Management daher auch noch nach anderen Erlösformen um: Zur Diskussion sollen etwa einmalige Angebote à la Groupon und verbesserte Tools und Profilseiten für Marken stehen.

Doch zunächst bleibt einmal abzuwarten, ob sich die promoted Tweets in den Timelines zu den erhofften Goldeseln oder doch eher zum Image-Desaster entwickeln werden. Laut Mashable wird sich in den nächsten acht Wochen darüber jeder sein eigenes Urteil bilden können.

Quellen:
http://www.ft.com
http://articles.cnn.com
http://techcrunch.com
http://mashable.com
http://twitter.com (Screenshot)

Die 10 größten Werbeinnovationen 2010

Friday, December 24th, 2010

Rankings und Listen erfreuen sich in Medien und Blogs seit langem großer Beliebtheit; gegen Jahresende scheinen sie alljährlich sogar geradezu in Rudeln aufzutreten. Eine Website, die sich in Sachen Rankings sowieso nie Lumpen lässt, ist Mashable. Wissenschafts- und Marketing-Redakteur Todd Wasserman hat nun die „Top 10 Digital Advertising Innovations of 2010“ präsentiert. Über die Reihenfolge lässt sich natürlich streiten – lesenswert ist dieses Ranking aber allemal.

Quelle: YouTube/OldSpice

Auf Platz 10 der größten digitalen Werbeinnovationen sieht Wasserman Marketing in Kombination mit Chatroulette. Auch wenn sich im Laufe des Jahres herauskristallisiert hat, dass Chatroulette wohl nicht „das nächste facebook für Vermarkter“ sein wird, so gab es trotzdem ein paar Kampagnen, die zeigten, dass „innovatives Denken die Grenzen jedes digitalen Formats überschreiten kann“. Wasserman nennt an dieser Stelle eine Kampagne des Online-Reisebüros Travelocity, ebenfalls zu nennen wäre aber wohl auch Harley Davidson oder die HIV-Kampagne des Amsterdamer Präservativ-Shops Condomerie.

Auf dem respektablen 9. Platz landet eine kleine feine Kampagne, die im besten Sinne aus der Not (Fehlermeldungen) eine Tugend (Werbung) zu machen wusste. Passierte bei der Suche auf Digg.com ein Tippfehler, dann erschien folgende Fehlermeldung: „Es wurden keine Ergebnisse für xyz gefunden. Sieht so aus, als hätten Sie sich vertippt. Ihre kleinen Hände sind schuld. Der fleischige 1-Dollar-Burger-King-Double-Cheesburger bereitet kleinen Händen ebenfalls Probleme.“ Ein Link führte schließlich zu einem entsprechenden Spot .

Auf Platz 8 sieht Mashable-Redakteur Todd Wasserman „CAPTCHA Advertising“. Ähnlich wie beim „404 Marketing“ wird eine Meldung, die normalerweise bloß rein technischer Natur ist, zu Werbezwecken benutzt. Klingt kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach:

Auf Platz 7 liegen die (guten alten) personalisierten Videos. Grund: Kampagnen wie jene von Arcade Fire hätten ganz neue Grenzen aufgezeigt.

Platz 6 geht an Einkaufen nach dem Groupon-Prinzip. „Nicht umsonst bot Google 6 Milliarden Dollar für Groupon“, schreibt Todd Wasserman. „Die zwei Jahre alte Firma ist profitabel, populär und verfügt über eine Erfolgsformel, die in großem Maßstab angewendet werden kann.“ Das Prinzip ist einfach (und) genial: Groupon offeriert regional begrenzte Rabattaktionen; das Geschäft steht aber erst, wenn eine gewisse Mindestanzahl von Personen zuschlägt. Sechs Milliarden Dollar waren den Betreibern von Groupon übrigens zu wenig – sie ließen Google abblitzen.

Auf Platz 5 liegen die „Promoted Tweets“, die Unternehmen seit diesem Jahr bei Twitter erwerben können. Besonders kreativ ist Twitters Pendant zu Googles AdWords zwar nicht, soll aber für Werber bereits zu ausgesprochen guten Ergebnissen geführt haben.

Auf Platz 4: Apples iAds. Die im Juli gestartete interaktive Werbeplattform für iPhone und iPad stand zwar wegen ihrer hohen Kosten und langer Entwicklungszeiten unter Kritik – die Ergebnisse können sich aber sehen lassen. Vor kurzem machte Apple den „iAd Producer“ verfügbar, mit dem Softwareentwickler eigene iAds erstellen können sollen. Das Problem der langen Wartezeiten könnte somit der Vergangenheit angehören.

Auf Platz 3 landet bei Todd Wasserman Location-based Advertising: Im Zuge der Beliebtheit von Location-based Services wie Foursquare oder Gowalla machten sich Werber zwar eifrig daran, diese Popularität für sich zu nützen, so Wasserman, doch nicht immer sei dies von Erfolg gekrönt gewesen. So bot etwa Starbucks allen seinen Foursquare-„Mayors“ Frappuccinos um bloß einen Dollar an. Zwar stiegen die Checkins bei Starbucks um 50 Prozent an, doch schienen viele der Lokale von ihrer Kampagne gar nichts mitbekommen zu haben. Aller Anfang ist eben schwer, trotzdem – da sind sich alle Experten einig – hat die Kombination aus Location-Based Services und Marketing noch eine große Zukunft vor sich.

Auf Platz 2 liegen bei Mashable Barcode-Scanning Tools. Die Idee: Smartphone-Besitzer fotografieren mit Hilfe spezieller Apps Barcodes von Produkten, um etwa Preisvergleiche anzustellen oder um physische Produkte mit digitalem Content zu erweitern. Zum Ansporn gibt es zum Beispiel „Karmapunkte“ oder „Awards“. „Die Grundidee, das stationäre Einkaufserlebnis mit digitalen Aspekten zu verknüpfen, sozialer zu gestalten und Verbrauchern für ihre Empfänglichkeit für Werbebotschaften etwas zurückzugeben, ist fraglos gut“, findet auch Netzwertig-Blogger Martin Weigert. Allerdings fürchtet er eine gewisse „Check-In-Müdigkeit“, zumal das Einscannen von manchmal gar nicht so leicht zu findenden Barcodes nicht gerade die unterhaltsamste aller Beschäftigungen ist.

Auf Todd Wassermans Platz 1 liegt eine Kampagne, die dieses Jahr für viel Aufsehen gesorgt hat: Die „Smell like a man, man“ Virals von Old Spice. In der Hauptrolle der übertrieben Selbstbewusste Isaiah Mustafa, dem es gelang, „Männer zu verunsichern und trotzdem gleichzeigt liebenswert zu bleiben“. Doch der Grund für den Spitzenplatz waren nicht die Videos selbst, sondern die mehr als 180 Antwortvideos auf Useranfragen. Alleine diese Antwort auf einen Post von Society-Blogger Perez Hilton wurde auf YouTube über zwei Millionen Mal angesehen:

Quellen:
http://mashable.com
http://netzwertig.com
http://www.youtube.com/OldSpice (Screenshot)

Das Vögelchen soll fliegen lernen

Friday, April 16th, 2010

Vier Jahre nach dem Launch will Twitter nun sein Geschäftsmodell gefunden haben. Mit „Promoted Tweets“ sollen Kunden kontextbasierte Werbung schalten können. Zunächst wird diese nur in der Suchfunktion erscheinen, in Zukunft sollen gesponserte Tweets jedoch in den Stream aller User einfließen.

Seit vier Jahren gibt es Twitter nun schon, der Erfolg war bislang beeindruckend: Mit twitternden Promis, Journalisten und Politikern bis hin zur „Twitter-Revolution“ im Iran wurde der Microblogging-Dienst rasch zu einem Liebling der Medien- und Werbeszene. Doch eine Frage blieb bislang unbeantwortet: Wie will Twitter Geld verdienen?

Die Antwort kam diese Woche: „Promoted Tweets“ heißt das Konzept, mit dem die Plattform zu Geld kommen möchte – man könnte es auch schlicht „Werbung“ nennen. Das Prinzip dabei ist altbekannt: Unternehmen können – so wie bei Google AdWords – einzelne Keywords buchen. Gibt man einen Begriff in die Twitter-Suchmaske ein, erscheint die entsprechende Werbung direkt im Stream – und zwar ganz oben, selbst wenn die bezahlten Tweets nicht mehr ganz taufrisch sind. Ansonsten sind es aber bis auf eine kleine Kennzeichnung ganz normale Tweets: „Promoted Tweets werden alle Funktionen eines regulären Tweets behalten, inklusive der Reply-, Retweet- und Favorite-Funktion“, heißt es dazu im offiziellen Twitter-Blog.

Promoted Tweet

Abgerechnet wird zunächst in 1.000-Klicks-Einheiten. Allerdings wird dies möglicherweise von einem Programm abgelöst werden, das Twitter „Resonance“ nennt. Das heißt, dass in Zukunft möglicherweise auch Faktoren wie die Anzahl an Retweets und Favs in den Preis eingerechnet werden. Für die Werbekunden wäre das auch deshalb interessant, weil damit auch die Qualität eines „Promoted Tweets“ zum Maßstab werden würde: Wird er etwa häufig retweetet, bleibt er länger dem Stream erhalten, bleibt er eher unbeachtet, wird er eher früher als später von einem anderen abgelöst.

Das könnte auch deswegen von Bedeutung sein, weil die Suchfunktion aller Voraussicht nach nicht die einzig umworbene Zone bleiben wird. Ebenfalls geplant ist nämlich Werbung direkt für den Stream eines jeden einzelnen Users. Dieser muss dann etwa Starbucks gar nicht folgen, um Starbucks-Werbung zu bekommen; allerdings soll sich diese von normalen Tweets optisch unterscheiden. Auch Clients wie Tweetdeck und das vor kurzem von Twitter gekaufte Tweetie soll die Werbung unterstützen.

Was Otto-Normaluser zunächst wahrscheinlich nicht besonders verlockend erscheinen mag, klingt aus dem Mund von Dick Costolo jedoch durchaus spannend – zumindest aus Sicht der Werbekunden: „Die Idee hinter Promoted Tweets ist, dass wir die Kommunikation zwischen den Unternehmen, die bereits Twitter verwenden, und deren Kunden verbessern“, erklärte der Twitter-CEO gegenüber der New York Times, die als erster die große Nachricht verkündete.

Allerdings bleibt noch die Frage, ob die Twitter-User bereit sein werden, die gesponserten Tweets auch anzuklicken. Das wird wohl vor allem von deren Qualität abhängen. „Wir können nur hoffen, dass Promoted Tweets ein Erfolg wird“, gibt man bei Mashable zu bedenken, „immerhin handelt es sich um jene Klicks, die über das Schicksal der Plattform entscheiden werden.“

Quellen:
http://blog.twitter.com
http://www.nytimes.com
http://mashable.com
http://www.culture-buzz.com