„i-Ad“: Axa erweckt Print-Werbung zum Leben

Friday, October 8th, 2010

Mit einer spannenden Kampagne hat die Axa-Versicherung auf ihre neue iPhone-App aufmerksam gemacht. Der einzigartige Clou: Eine Kombination aus iPhone und Printwerbung.

axa

Selbst, wenn dabei niemand verletzt wird: Ein Unfall ist so ziemlich der schlimmste Alptraum aller Autofahrerinnen und Autofahrer. Sich mit den anderen Unfallbeteiligten auf den Unfallhergang einigen, dokumentieren, fotografieren, Zeugen befragen, einen Unfallbericht ausfüllen sowie sich im Zweifel möglicherweise auch noch vor der hinzugezogenen Polizei rechtfertigen müssen – all das in einer Atmosphäre, die emotional meist ziemlich angespannt ist. Jede digitale Erleichterung käme da wie gerufen.

Doch so einfach ist es meistens leider nicht. So sehr Social- und Mobile-Web heute auch den Alltag bereichern, wenn es um Dinge wie Unterhaltung, Shopping oder das Pflegen von Freundschaften geht – bei wirklich ernsten Angelegenheiten läuft der Kommunikationsprozess oftmals so aber ab wie vor 30 Jahren. Für Ummeldungen der Adresse ist der Gang aufs Amt noch genauso obligatorisch wie für chronisch Kranke der Weg zum Arzt für das immer gleiche Rezept. Laut einer US-Umfrage des „Center for Studying Health System Change“ stehen gerade einmal 6,5 Prozent der amerikanischen Ärzte in regulärem E-Mail-Kontakt mit ihren Patientinnen und Patienten. Immerhin, möchte man fast sagen. Denn selbst der gute alte Brief hat noch lange nicht ausgedient – „wir brauchen von Ihnen eine Unterschrift.“

Doch die Axa-Versicherung wagt nun einen Schritt nach vorne. Eine eigene iPhone-App soll ihren Kfz-Kunden bei Unfällen hilfreich zur Seite stehen:

Und als wäre das nicht lobenswert genug, wird die frohe Botschaft in Belgien auch noch in Form einer brillanten Werbeidee überbracht:

Ob die App hält was sie verspricht, wird sich freilich noch weisen müssen. Das Werbekonzept der Antwerpener Agentur Duval Guillaume scheint jedenfalls bestens anzukommen: Alleine dieses Video wurde auf YouTube nach rund zwei Wochen über 110.000 mal angesehen. Mit der Aussage, hierbei handle es sich um eine „i-Ad“, könnte der Spot allerdings für ein bisschen Verwirrung sorgen.

Die Kampagne ist nicht Teil von Apples iAd-Plattform. Doch um die scheint es derzeit ohnehin nicht gut bestellt zu sein. Nach Chanel hat laut dem Wirtschaftsportal Business Insider nun auch der Sportartikelriese Adidas eine Kampagne zurückgezogen. Kritisiert werden unter anderem die hohen Kosten, langsame Umsetzung fehlende Transparenz und – höflich ausgedrückt –, die Neigung Apples, Kontrolle nicht allzu leichtfertig aus der Hand zu geben.

Quellen:
http://adhunt.blogspot.com
http://www.hschange.com
http://www.zeit.de
http://www.youtube.com/DuvalGuillaume (Screenshot)

Die Geschichte hinter dem Apple-Mythos

Friday, July 30th, 2010

Betreibt Apple einen quasireligiösen Kult, wie Kritiker immer wieder vorwerfen? Oder spricht hier nur der blanke Neid? Über diese Frage ist unter Enthusiasten längst ein bizarrer Glaubenskrieg entbrannt. Tatsächlich aber lassen sich laut einer Untersuchung vier zentrale Mythen identifizieren, die den Apple-Mythos nähren – und allfällige technische Schwächen in den Hintergrund rücken.

ipod

71 Prozent – Das ist der Anteil an Probanden, die sich im Rahmen einer Studie für eine Underdog-Marke entschieden. Für ihre Teilnahme an der Untersuchung konnten sie als Entschädigung zwischen verschiedenen Schokoriegeln wählen. Sowohl die Probanden aus den USA als auch aus Singapur bevorzugten den Außenseiter. „Kontext-, Kultur- und Zeitperiodenübergreifend haben Erzählungen über Underdogs die Menschen inspiriert“, schreiben die Studienautorinnen Neeru Paharia, Anat Keinan und Jill Avery, „Geschichten über Underdogs durchdringen Sport, Politik, Religion, Literatur und Film“. Ganz besonders gelte dies für die USA, denn: „Der American Dream, der sagenhafte amerikanische Mythos, ist aufgebaut auf Geschichten über Außenseiter, die mit praktisch nichts in die Vereinigten Staaten gekommen waren und sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zogen“, heißt es in der Studie namens „The Underdog Effect: The Marketing of Disadvantage and Determination through Brand Biography“, die im Februar 2011 im Journal of Consumer Research erscheinen wird.

Dieser Underdog-Effekt dürfte auch ein wesentliches Erfolgsrezept von Apple sein. In einem Artikel mit dem Titel „Varianten religiöser Erfahrungen: Wie Apple göttlich bleibt“ zitiert The-Atlantic-Redakteur Alexis Madrigal ein im Mai erschienenes wissenschaftliches Paper, in dem dieser polemisch klingende Vergleich anhand des iPhone tatsächlich näher beleuchtet wird. Laut einer vorangegangenen Untersuchung gibt es nämlich vier zentrale Mythen, die dem Unterhaltungselektronik- und Software-Riesen aus Cupertino, Kalifornien, seine überirdische Aura verleihen:

1. Der Schaffungsmythos. Hervorgehoben wird hierbei der gegenkulturelle Ursprung des Mac – der Underdog – als „transformativer Moment“.
2. Der Heldenmythos. Der Mac und sein geistiger Vater Steve Jobs werden als Retter der User eines einschlägig dominierten PC-Sektors präsentiert.
3. Der satanische Mythos. Jeder gute Held braucht natürlich einen Gegenspieler – als Antagonist dient(e) in diesem Fall Bill Gates als Feind aller Mac-Fans.
4. Der Auferstehungsmythos. Dieser begründet sich in der Rückkehr von Steve Jobs an die Spitze von Apple, um den Konzern zu retten.

Steve Jobs kann für die Rolle des „Helden“ in vielerlei Hinsicht als Idealbesetzung angesehen werden. Max Webers vielzitierte Definition von Charisma als „außeralltäglich geltende Qualität einer Persönlichkeit“ mit „nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften“ wird der Apple-CEO mit Leichtigkeit gerecht. Der renommierte Designprofessor Paolo Tumminelli bezeichnete jüngst in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Steve Jobs sogar als „die Antithese des Papstes“. Selbst der veröffentlichte Briefverkehr mit der E-Mailadresse sjobs@apple.com, bei der der angebliche Steve Jobs durch knappe und teilweise schroffe Antworten glänzt, könnte ein Hinweis sein, wie perfektionistisch Apple an seiner Inszenierung schuftet: Das Bild, das dabei gezeichnet wird, ist jenes eines für jeden erreichbaren, aber trotzdem unerreichbar bleibenden Mannes – ein Charismatiker eben, der sich im lehrbuchmäßigen „Grenzgang an der Peripherie sozialer Erwartungen“ übt.

Doch wie stark ist der Mythos? Können technische Makel wie das Antennenproblem des iPhone 4 den Mythos ins Wanken bringen? The-Atlantic-Redakteur Alexis Madrigal hält „Antennagate“ für ausgestanden; „weniger klar“ seien jedoch die Langzeitfolgen. Allerdings: „Das iPhone bedeutet etwas“, so Madrigal, und zitiert Heidi A. Campbell von der Texas A&M University: „Wenn man sich einen Mac kauft, kauft man sich in eine Ideologie ein. Man kauft sich in eine Community ein.“ Da mag es auch kein größeres Problem darstellen, dass bei Apple von einem „gegenkulturellen Underdog“ längst keine Rede mehr sein kann.


Glaubenskrieg als Trash-Video: Unglaubliche 6 Millionen Views in einem Monat

Quellen:
http://www.journals.uchicago.edu
http://www.theatlantic.com
http://nms.sagepub.com
http://www.tagesanzeiger.ch

Durex Baby simuliert Vatergefühle

Monday, June 7th, 2010

Mal ehrlich, Kondome sind für junge Männer oft eine Art “Wehrmutstropfen” – wie bringt man sie also dazu, sie trotzdem zu benutzen? Auch wenn man als aufgeklärter, vernünftiger Mensch diese Einstellung nur bedingt teilen kann, so fragen sich das zumindest die “Macher” der Durex Baby iPhone App. Weiter: Was ist das beste Argument, um sich ein Kondom überzuziehen? Angst vor einer Geschlechtskrankheit etwa? Leider nein, das lässt sich ja mit einem Gang zum Arzt in den meisten Fällen schnell wieder regeln (sic!).  Anders sieht es aus, wenn einen das Mädchen von neulich Nacht mit den Worten “ich bin schwanger” empfängt – gut, dafür gäbe es womöglich auch eine Lösung, aber darauf kommt es den Machern im folgenden Video nicht an:

Mit “Durex Baby” und der Befruchtung via Bluetooth soll Männern also gezeigt werden, was es heißt, Vater zu sein. Ähnlich wie bei einem Tamagotchi muss das virtuelle Kind gefüttert werden, verlangt nach dem Schnuller oder einer frischen Windel. Via facebook Connect erfährt auch der Freundes- und Bekanntenkreis vom Elternglück und wichtige Ereignisse, wie der Geburtstag oder erste Schultag des Kindes, werden praktischerweise auch gleich in den Kalender eingetragen. Der Clou: Beim Schließen der App erscheint das Durex Logo. Kauft Mann sich in der Folge eine Packung Kondome und scannt den QR Code auf der Rückseite mit seinem iPhone, so installiert sich die Durex Anti-Baby App, die vor weiteren “Überraschungen” schützt und sich wie ein virtuelles Kondom über den Bildschirm ziehen lässt. Klingt strange?

Ist es auch, denn bei “Durex Baby” handelt es sich nicht um eine reale Applikation des Kondomherstellers, sondern um eine Konzepteinreichung für den Future Lions Wettbewerb beim Werbefestival in Cannes. Credits: AKQA / Nicolai Villads (Art Director), Peter Ammentorp, Raul Montenegro (Interactive Designer).

Übrigens: Kondome, egal welcher Marke, schützen auch vor HIV/AIDS – einer Krankheit, mit der sich täglich 1-2 Personen in Österreich anstecken. Um ein Zeichen gegen die tödliche Immunschwächekrankheit zu setzen, marschiert Philippe seit nun einer Woche zu Fuß durch Österreich und berichtet über seine Erlebnisse auf der facebook Fanpage. Sollten Sie ihn unterwegs treffen, kaufen Sie ihm doch ein Red Ribbon ab und unterstützen damit die Organisation AIDS LIFE, deren Aktionen widerum direkt den Betroffenen zugute kommen.

Quelle:
culture-buzz.com

Was wäre wenn..

Saturday, January 30th, 2010

du kochen könntest wie Jamie Oliver? Mitmachen und iPhone gewinnen! http://apps.facebook.com/waswaerewenn/

Soziale Bauklötze

Friday, January 22nd, 2010

Der Baustein-Riese Lego will nun auch im Web zum kreativen Werken animieren. Auf Lego Click können Fans und Kreative ihre Ideen für neue Produktlinien präsentieren. Auch auf Facebook und Twitter sowie mit einer iPhone App wollen die Dänen punkten.

Lego Click

Am Anfang war Lego – und das gilt mittlerweile seit Generationen. Bereits seit Generationen halten sich die streng normierten dänischen Bauklötzchen beharrlich in den Kinderzimmern. 19 Milliarden Steinchen produziert Lego im Jahr, das sind durchschnittlich rund 36.000 pro Minute.

Ein Grund für die lange Erfolgsgeschichte von Lego war, dass sich der Konzern niemals auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat, sondern stets kreative Weiterentwicklungen forcierte. 1966 führte Lego seine Modelleisenbahn ein, 1974 erblickte das erste Lego-Männchen das Licht der Welt, bald danach kam Lego Technic. Es  folgten zahlreiche Themen-Sets, wie etwa die berühmte Ritterburg, und sogar Lego Computerspiele.

Was läge da näher, als dass der Klötzchenhersteller anno 2010 auf Social Media setzt? Genau das macht Lego nun:

Lego Click ist eine digitale Spielwiese, auf der sich Erfinder, Fans, Künstler und Kreative so richtig austoben können. Was sie dort machen können? Auf Lego Click können sie Ideen und Visionen über  neue Produkte präsentieren. Freilich ist das noch nicht alles.

Mit Hilfe einer neuen iPhone-App namens LEGO Photo kann man sich Bilder im Bausteinchen-Stil darstellen lassen. Auch Twitter und Facebook hat Lego für sich entdeckt: @legoclick präsentiert Posts von und Medienberichte über Lego Click, auch einen eigenen Hashtag hat man sich zugelegt. Ausgewählte #legoclick-Tweets von beliebigen Twitter-Usern werden sogar auf der Webseite dargestellt.

Lego Click

Die Reaktionen auf Legos neues Projekt sind bislang durchwegs positiv. „Pretty cool“ findet etwa Mashable.com. Ein anderes Blog  hebt lobend hervor, dass Legos Onlinekonzept auch insofern stimmig ist, weil es mit dem Spielen von Bauklötzen durchaus vergleichbar ist. Auch Lego spielen weckt den Wunsch nach sozialer Anerkennung: „Schau mal, was ich gemacht habe“ – ein Effekt, von dem schließlich auch soziale Netzwerke zu einem Gutteil zehren.

Ob Lego Click sich wirklich zum ganz großen Hit mausern wird, wird schließlich davon abhängen, ob Lego tatsächlich Ideen der Community in eine zukünftige Produktlinie einfließen lassen wird. Bis dahin gibt Lego seinen Fans schlicht und einfach das, was sie wünschen – Werkzeuge, um ihre Fantasie abzubilden. Dieses Konzept funktioniert immerhin schon seit Jahrzehnten.

Quellen:
http://threeminds.organic.com
http://mashable.com
http://www.legoclick.com