VW und die Fun Theory

Wednesday, July 7th, 2010

VW startete mit der Initiative “BlueMotion” ein nachhaltiges Projekt das auf Mensch und Umwelt einen positiven Effekt hat. Hinter der BlueMotion Kampagne steckt die gleichnamige Technologie welche Einsparnisse im Treibstoffverbrauch ermöglicht. Dabei ist es gar nicht unbedingt das Produkt, also das Auto, über das gesprochen wird. Es ist eine ausgesprochen komplette Kampagne, die für Aufsehen sorgt und die Bedeutung und den Erfolg gutem Nachhaltigkeitsmanagements erst richtig aufzeigt. Statt also eine riesige Kampagne zu dieser neuartigen, umweltfreundlichen Technologie zu gestalten, hat sich das VW Marketing mit der Werbeagentur DDB Stockholm zusammengeschlossen und eine Theory begründet. Die Fun Theory.

Diese besagt, dass es möglich wäre, das Verhalten der Menschen zum Positiven zu ändern indem man bei alltäglichen Aktivitäten einfach die Komponente “Spaß” hinzufügt. Im Klartext: Wenn notwendige Routinetätigkeiten oder unumgehbare alltäglich anfallende Tätigkeiten Spaß machen würden, würden Leute diese mit Freude verrichten und viel eher einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Im Mittelpunkt steht dabei also die Frage, bei welchen Aktivitäten man den Leuten in welcher Form Spaß vermitteln könnte.

Am Beispiel Stiegen statt Rolltreppen benutzen:

Am Beispiel Müllentsorgen:

Am Beispiel gerechte Glasentsorgung:

Nachweislich konnte durch minimalen Mitteleinsatz der Häufigkeit der ausgeführten Tätigkeiten stark erhöht werden. Damit konnte die Fun Theory schon mal verifiziert werden. Im nächsten Schritt der Kampagne wollte VW die Leute dazu bringen, selbst einen Mehrwert für die Gesellschaft durch die Einbringung eigener Ideen schaffen. Zur Fun Theory wurde ein Blog erstellt, der die Interaktion zwischen Usern und VW ermöglichen soll. In Form eines Awards, des Fun Theory Awards, wurden die besten Ideen ausgezeichnet. Die Ideen, die Beteiligung und der Erfolg der Kampagne waren überwältigend.

Ganz oben im Ranking findet man die Lösungsansätze zur Müllbeseitigung nach Straßenparties…

…wie Zimmer aufräumen Spaß machen könnte…

…wie man Leute dazu bringen könnte, die Fußmatten regelmäßig zu benutzen…

…oder wie Leute endlich einmal die Tempolimits einhalten könnten. Kevin Richardson, der Gewinner des Fun Theory Awards, spielte sich mit der Idee der Tempolotterie in die Herzen der Jury .

Über 700 Ideen wurden präsentiert, womit VW eindrucksvoll beweist, dass einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen keine lästige Pflicht sondern eine lustige, kreative Kleinigkeit sowie eine innovative Freiwilligkeit ist. Bloß ganz dezent wird im Blog auf die “BlueMotion” Technologie und die neuen Fahrzeuge von VW hingewiesen. Die Kampagne scheint daher beinahe eine eigenständige Imagekampagne für Volkswagen zu sein. Die Leute zum Sprechen zu bringen, das haben schon viele Unternehmen geschafft. Die Leute aktiv zum nachhaltigen Denken und zur Schaffung eines Beitrages für die Gesellschaft zu animieren, jedoch kaum.

VW’s Fun Theory ist daher eine unglaublich faszinierende und gelungene Kampagne, die zu Recht in Cannes einen Cyber Grand Prix für beispiellose “unsichtbare Technologie” und “Real Time Interaktion” erhalten hat.

Gefunden auf:
volkswagen.de
mashable.com
blissblog.de
viralblog.com
adflash.eu

Harley Davidson und Chat 2.0

Tuesday, April 27th, 2010

Zu Beginn des heutigen Internets erfreuten sich Chaträume großer Beliebtheit, dann kam Social Media, nun ist der Chat wieder auf der Überholspur. Das Zauberwort hierfür heißt Chat-Roulette. Chatroulette.com ist eine in den Trend gekommene Seite, bei der zufällig zwei Personen mit Webcam aneinander geschalten werden und miteinander kommunizieren können. Sobald man einen Knopf drückt, generiert die Seite zufällig einen neuen Chatpartner. Man kann einfach drauflos reden, sich Leute ansehen oder sogar Bekanntschaften schließen. Diese Seite mit Spaßfaktor versteht sich mit einem Augenzwinkern. Mitlerweile erreicht der Spaß schon eine Useranzahl von 1,5 Millionen. Und da wird die eine oder andere Werbeagentur bereits hellhörig.

Harley Davidson’s Marketing Abteilung hat sich daher als einer der ersten Großunternehmen getraut, das Wagnis Chat-Roulette zu begehen. Ganz simpel hat man eine Webcam und einen kleines Plakat mit dem Hinweis auf den Markennamen besorgt und schon ging der Spaß los. Dieses Video zeigt die positiven Reaktionen der User.

Der ganze Spaß hat 4000 US-Dollar gekostet, doch die Aktion und Chat-Roulette sind mit Vorsicht zu genießen. Auf der einen Seite hat man bei Harley Davidson sicherlich auf das (positive) Medien- und Social Media Echo sowie auf die Reaktionen der Zielgruppe gewartet, allerdings muss man hierbei folgendes in Betracht ziehen:

Wer bereits auf dieser Chatsite war, weiß, dass es nicht immer ganz seriös zugeht. Dementsprechend ist Werbung über solche Kanäle riskant. Auch die Werbebotschaft war eigentlich nicht sehr umwerfend, wenn überhaupt existent. Man kann sich gut vorstellen, dass diese Idee nicht alle unglaublich originell gefunden haben. Nach dem Motto “nicht viel riskiert, nicht viel verloren” ist das der Einsatz der finanziellen Mittel daher halb so wild. Das “kleine” Experiment ist mit 170.000 erreichten Usern ja eigentlich gelungen. Die Frage, ob diese Art von Werbung zur Marke Harley Davidson passt oder wie die eigentliche Zielgruppe auf diese Aktion reagiert, kann an dieser Stelle nur gemutmaßt werden.

Gefunden auf:
Nexus404
Readwriteweb
Best-Practise-Business

Heineken in der ChampionsLeague des Guerilla Marketings

Monday, April 19th, 2010

Es ist der Abend des UEFA Champions League Halbfinales, zwei der besten Mannschaften Europas, wenn nicht sogar weltweit, treten gegeneinander an. Zeitgleich findet an selbem Abend ein klassisches Konzert statt. Noch scheint die Wahl ja eindeutig. Doch nun kommt erschwerend hinzu, dass Ihr Chef, Ihre Freundin oder Ihr Professor darauf besteht, dieses Konzert zu besuchen. Fußball vs. Streichkonzert. Der Gewinner heißt: - Heineken!

Fußball und Bier sind seit Jahrzehnten bereits so stark miteinander verwoben, dass eine Erklärung, warum dies der Fall ist keine Zeile mehr wert ist. Seit der “Drink responsibly”-Revolution im Sport, also seitdem nur mehr eingeschränkte Alkoholwerbung auf Fußballplätzen und im Fernsehen erlaubt ist, glaubte man zunächst dass der Status Quo eventuell verschoben wurde. Dem ist jedoch nicht so. Fußball und Sport sind nach wie vor eine Einheit. Dementsprechend ist auch Heineken als Champions League Sponsor Top of Mind bei den Biermarken, was den europaweiten Fußball angeht. Und dem Marketing der niederländischen Biermarke scheinen die Ideen nicht auszugehen.

Heineken hat im (Fußball)Vorfeld schon viele Ads auf die Bildschirme gebracht. Von lustig bis zu lustig (also verbotene Werbung)! Stets wurde stark mit dem Element “Humor” gearbeitet. Auch dieses Mal steht selbes Element im Vordergrund, nur das Medium ist ein anderes. Diesmal wurde das Budget geschont und das Guerilla (Marketing)-Werkzeug ausgepackt. Der Erfolg war nicht geringer als bei den vorherigen Aktionen.

The Case Study:

Fußball + Freunde + Bier ergibt einen unvergesslichen und spannenden Abend. Zeiten ändern sich, man bekommt Rechte und Pflichten auferlegt und so verpasst man nun einige dieser Abende. So geschehen beim Champions League Viertelfinalspiel Real Madrid gegen AC Milan. Ein Fake Event (ein Streichkonzert der “Schnuren”) wurde zeitgleich zu diesem Fußballleckerbissen inszeniert. Das Ergebnis sieht so aus:

Guerilla Audit:
1,5 Millionen Zuseher über Fernsehen, 10 Millionen Zuseher als diese Aktion am nächsten Tag in den News gezeigt wurde und 5 Millionen Visitors auf den Hompeages, die diese Kampagne publik gemacht hatten, gemessen 2 Wochen nach der Guerilla Kampagne. Die riesige Dunkelziffer bietet das Medium Social Media. Die Reichweite dieses “Experiments” war schier gigantisch. Einmal mehr steht Heineken als der Retter der Fußballwelt da.

Die komplette Fallstudie zum Drückerstreuen:

Gefunden auf:
marketingnext

Das Mädchen von nebenan

Monday, January 25th, 2010

Sexy Dessous bringen wohl jeden Mann ins Schwitzen, regen sie doch die Fantasie an und lassen die Frau, die sie trägt, oft in einem ganz anderen Licht erscheinen. Schade nur, dass sie in der Regel hinter verschlossenen Schlafzimmertüren präsentiert werden. Nicht so bei der Guerilla Marketing Aktion der französischen Dessous-Marke Aubade, die sich selbst als „geheimen, raffinierten Verbündeten ewiger Weiblichkeit“ bezeichnet.

10 Tage lang erweckte Aubade die Fantasie vom „Mädchen von nebenan“ zum Leben. Ein unbekanntes Pariser Mädchen posierte am Fenster eines Hauses in der Rue Montorgueil und gewährte den Passanten dank eines transparenten Vorhangs private Einblicke. Die Zuseher, die draußen auf der Straße stehen blieben und wohl für einige Staus sorgten, sahen also einer weiblichen Silhouette dabei zu, wie sie durch das Appartement tanzte, sich die Haare föhnte und Champagner trank. Am zehnten Tag wurde schließlich das Geheimnis gelüftet und das Model (Marie Flore) zog den Vorhang zur Seite. Dabei präsentierte sie sich in einer Aubade Dessous-Kollektion und schloss den Vorhang unmittelbar darauf von der anderen Seite, auf dem nun der Hinweis auf die neu gelaunchte Website frenchartofloving.com zu sehen war.

Das Mädchen von nebenan enthüllt das Geheimnis

Ohne Zweifel zeigt diese Kampagne besonders eines: „Sex sells“ gilt zwar immer noch, aber gerade in einer Branche wo sich Unternehmen durch eine plumpe Umsetzung dieser Marketing-Weisheit kaum von der Konkurrenz differenzieren können, schaffen charmante Aktionen, wie jene von Aubade, eine willkommen Abwechslung aus Sicht der Konsumentinnen – und wohl auch der Passanten im Video. Ihre augenscheinliche Verwunderung wirkt weniger voyeuristisch im „klassischen Sinn“ als eher wie kindliche Neugier.

Übrigens: Die Rue Montorgueil war dabei nicht das erste Mal Schauplatz einer aufreizenden Promotion-Aktion. Im vergangenen Sommer spazierten die Mitglieder der französischen Girl-Band „Make The Girl Dance“ im Video zu „Baby, Baby, Baby“ die Straße nackt entlang.

Quelle:
adflash.eu
culture-buzz.com

Günstige vs. billige Werbung

Monday, December 28th, 2009

‘Aus der Not eine Tugend machen’ steht in der Werbewelt in Hinblick auf Finanzen an der Tagesordnung. Im knallharten Werbegeschäft kommt man als so genannter ‘kleiner Fisch’ nur durch, wenn man unterdurchschnittlich billig und gleichzeitig überdurchschnittlich gut ist.

Mit diesen beiden Eigenschaften würde McCann Erickson seine Werbekampagne wahrscheinlich beschreiben. Er nahm einen Auftrag für das israelische Unternehmen Opticana, mit einem Werbebudget von über 500€, an und machte bereits hier das erste Mal auf sich aufmerksam. Die Durchführung der Kampagne erfolgte via so genanntem URL hijacking: das ist das Erstellen von Internetdomains, die bekannten Internetadressen ähneln, jedoch typografische Unterschiede zur Originalseite aufweisen. So sollen User beispielsweise durch Vertipper auf diese Fake-Sites gelangen und somit direkt Opticana-Werbevollbeschallung erhalten. McCann argumentiert damit, dass User mit Sehschwäche sich leicht einmal vertippen und um dem Abhilfe zu schaffen, würde man auf die Optikerseite geleitet werden .

Die Idee hinter der grundsätzlich schön selbst hochgelobten Kampagne ist jedoch keine ganz neue. So genanntes Typosquatting wird sogar ziemlich oft fabriziert, jedoch -wie erwähnt- nicht so schön ins Rampenlicht gestellt. Bereits über 80.000 Domains sollen eben solche Fake-Sites sein, wobei jeder dieser Seiten bezieht sich auf die 2.000 bekanntesten Internetseiten. Wikipedia und die Seite des Weißen Hauses sind nur einige von jenen. Rechtlich gesehen ist so genanntes Typosquatting ein Graubereich. Ist die Ähnlichkeit zu der Originalseite signifikant, so kann sich das ‘Original’ wehren.

Rein ökonomisch gesehen, ist McCann’s Kampagne ja schön selbst beworben, was mit ein Grund für den Erfolg dieser Kampagne ist. Jedoch ist diese “neue” Werbeform im Hinblick auf Zielgruppenevaluierung zu hinterfragen. Die Internetseiten die McCann verwendet, haben eigentlich relativ wenig mit den Kernthemen Optiker oder gar Sehschwäche zu tun. User, die also wenn überhaupt dann nur zufällig zur Zielgruppe eines Optikers gehören, werden hier also gegen ihren Willen auf eine andere Seite als die beabsichtigte verleitet, anstatt die Fehlermeldung zu erhalten, dass die eingegebene Adresse nicht mit der Zieladresse übereinstimmt.

Solang es gesetzliche Lücken für Typosquatting gibt, wird es auch weiterhin Werbesquatting geben. Eine zugegebenermaßen lästige Werbemaßnahme, die angesichts der Tatsache, dass das Internet von unnötig empfundenen Pop-Ups und Reklame bereits überzugehen droht, ruhig weiterhin unbekannt bleiben hätte können. Wahre Innovation sieht demnach anders aus. Doch der Preiskampf in der Werbebranche führt eben unweigerlich zu Guerilla-Marketing Aktionen solchen Ausmaßes. Das heißt also, dass im Werbegeschäft nur jene durchkommen, die überdurchschnittlich gut, unterdurchschnittlich günstig, aber nicht billig, sind..

Gefunden auf:
Werbeblogger