Die diesjährige Verleihung des Grammy Awards wurde von einer großen Social-Media-Kampagne begleitet. Das Ergebnis war nicht nur Lob von Bloggern und Fans, sondern auch deutlich gestiegene Einschaltquoten.

Seit über 51 Jahren werden sie nun schon verliehen, die Grammy Awards. Seit 1958 wird der begehrte Preis, der als höchste Auszeichnung im Musikbusiness gilt, alljährlich verliehen. Die Liste der Preisträger ist dementsprechend lange und liest sich wie ein Who is Who der Musikwelt: Ray Charles, Billy Joel, die Bee Gees, Michael Jackson, U2 oder die White Stripes sind nur einige Namen, die sich auf ihr wiederfinden. Sogar Barack Obama erhielt 2008 einen Grammy für sein Hörbuch „The Audicity of Hope: Thoughts on Reclaiming The American Dream“; seine Außenministerin Hillary Clinton war 2003 mit ihrem Hörbuch „Living History“ immerhin für einen Grammy nominiert.
Doch dieses Jahr war alles ein bisschen anders: Die Grammys setzten voll auf Interaktion. Alles begann mit einer Social-Media-Task-Force, die die Academy 2008 ins Leben gerufen hatte. Zu Beginn galt es erst einmal das Umfeld zu evaluieren, auf das sich die National Academy of Recording Arts and Sciences begab. Man wollte nicht einfach bloß wahllos irgendetwas mit Social Media machen, sondern man wollte es korrekt machen. Und das war nicht so einfach, wie Marketing-Chef Evan Greene schildert: Die Academy war immer darum bemüht, möglichst die Kontrolle über ihre Marke zu behalten und äußerst vorsichtig mit Äußerungen umzugehen. Dass mit der Entscheidung für soziale Medien auch ein Stück weit Kontrolle aufgegeben werden musste, war für die altehrwürdige Institution naturgemäß nicht leicht zu verdauen, so Greene. Es war ein Wagnis, das sich lohnen sollte.
Im Zentrum der Kampagne stand die Seite „We’re All Fans“, die zur Gänze aus Real-Time-Content besteht, der direkt von Twitter, Facebook, YouTube und Flickr übernommen wird. Interessantes Element der Website ist unter anderem der „Fanbuzz Visualizer“:
Besonders gelungen ist auch der Fernsehspot für „We’re All Fans“, die sich aus einem Mosaik von YouTube-Performances von echten Fans zusammensetzt – und für die muss es wohl ziemlich atemberaubend gewesen sein, ihr eigenes Video auf einem großen Fernsehsender wie CBS zu sehen. Alleine auf YouTube wurde sich der Spot zwei Millionen Mal angesehen:
Wirklich interaktiv war aber der Grammy selbst: So konnte während der TV-Übertragung auf den Verlauf der Show direkt Einfluss genommen werden und die Zuseher mitstimmen, welcher Song bloß wenige Minuten später gespielt werden sollte. Zudem wurden sie auch auf Twitter auf dem Laufenden gehalten; Facebook- und YouTube-Accounts durften natürlich genauso wenig fehlen wie eine iPhone-App.
Das Ergebnis der Bemühungen kann sich sehen lassen: Die Einschaltquoten der Preisverleihung lagen in diesem Jahr 35 Prozent über jenen des Vorjahres. Mit einem Schnitt von 25,8 Millionen Zusehern wurde die Übertragung damit zum meistgesehensten Grammy seit 2004.

























