Die Geschichte hinter dem Apple-Mythos

Friday, July 30th, 2010

Betreibt Apple einen quasireligiösen Kult, wie Kritiker immer wieder vorwerfen? Oder spricht hier nur der blanke Neid? Über diese Frage ist unter Enthusiasten längst ein bizarrer Glaubenskrieg entbrannt. Tatsächlich aber lassen sich laut einer Untersuchung vier zentrale Mythen identifizieren, die den Apple-Mythos nähren – und allfällige technische Schwächen in den Hintergrund rücken.

ipod

71 Prozent – Das ist der Anteil an Probanden, die sich im Rahmen einer Studie für eine Underdog-Marke entschieden. Für ihre Teilnahme an der Untersuchung konnten sie als Entschädigung zwischen verschiedenen Schokoriegeln wählen. Sowohl die Probanden aus den USA als auch aus Singapur bevorzugten den Außenseiter. „Kontext-, Kultur- und Zeitperiodenübergreifend haben Erzählungen über Underdogs die Menschen inspiriert“, schreiben die Studienautorinnen Neeru Paharia, Anat Keinan und Jill Avery, „Geschichten über Underdogs durchdringen Sport, Politik, Religion, Literatur und Film“. Ganz besonders gelte dies für die USA, denn: „Der American Dream, der sagenhafte amerikanische Mythos, ist aufgebaut auf Geschichten über Außenseiter, die mit praktisch nichts in die Vereinigten Staaten gekommen waren und sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zogen“, heißt es in der Studie namens „The Underdog Effect: The Marketing of Disadvantage and Determination through Brand Biography“, die im Februar 2011 im Journal of Consumer Research erscheinen wird.

Dieser Underdog-Effekt dürfte auch ein wesentliches Erfolgsrezept von Apple sein. In einem Artikel mit dem Titel „Varianten religiöser Erfahrungen: Wie Apple göttlich bleibt“ zitiert The-Atlantic-Redakteur Alexis Madrigal ein im Mai erschienenes wissenschaftliches Paper, in dem dieser polemisch klingende Vergleich anhand des iPhone tatsächlich näher beleuchtet wird. Laut einer vorangegangenen Untersuchung gibt es nämlich vier zentrale Mythen, die dem Unterhaltungselektronik- und Software-Riesen aus Cupertino, Kalifornien, seine überirdische Aura verleihen:

1. Der Schaffungsmythos. Hervorgehoben wird hierbei der gegenkulturelle Ursprung des Mac – der Underdog – als „transformativer Moment“.
2. Der Heldenmythos. Der Mac und sein geistiger Vater Steve Jobs werden als Retter der User eines einschlägig dominierten PC-Sektors präsentiert.
3. Der satanische Mythos. Jeder gute Held braucht natürlich einen Gegenspieler – als Antagonist dient(e) in diesem Fall Bill Gates als Feind aller Mac-Fans.
4. Der Auferstehungsmythos. Dieser begründet sich in der Rückkehr von Steve Jobs an die Spitze von Apple, um den Konzern zu retten.

Steve Jobs kann für die Rolle des „Helden“ in vielerlei Hinsicht als Idealbesetzung angesehen werden. Max Webers vielzitierte Definition von Charisma als „außeralltäglich geltende Qualität einer Persönlichkeit“ mit „nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften“ wird der Apple-CEO mit Leichtigkeit gerecht. Der renommierte Designprofessor Paolo Tumminelli bezeichnete jüngst in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Steve Jobs sogar als „die Antithese des Papstes“. Selbst der veröffentlichte Briefverkehr mit der E-Mailadresse sjobs@apple.com, bei der der angebliche Steve Jobs durch knappe und teilweise schroffe Antworten glänzt, könnte ein Hinweis sein, wie perfektionistisch Apple an seiner Inszenierung schuftet: Das Bild, das dabei gezeichnet wird, ist jenes eines für jeden erreichbaren, aber trotzdem unerreichbar bleibenden Mannes – ein Charismatiker eben, der sich im lehrbuchmäßigen „Grenzgang an der Peripherie sozialer Erwartungen“ übt.

Doch wie stark ist der Mythos? Können technische Makel wie das Antennenproblem des iPhone 4 den Mythos ins Wanken bringen? The-Atlantic-Redakteur Alexis Madrigal hält „Antennagate“ für ausgestanden; „weniger klar“ seien jedoch die Langzeitfolgen. Allerdings: „Das iPhone bedeutet etwas“, so Madrigal, und zitiert Heidi A. Campbell von der Texas A&M University: „Wenn man sich einen Mac kauft, kauft man sich in eine Ideologie ein. Man kauft sich in eine Community ein.“ Da mag es auch kein größeres Problem darstellen, dass bei Apple von einem „gegenkulturellen Underdog“ längst keine Rede mehr sein kann.


Glaubenskrieg als Trash-Video: Unglaubliche 6 Millionen Views in einem Monat

Quellen:
http://www.journals.uchicago.edu
http://www.theatlantic.com
http://nms.sagepub.com
http://www.tagesanzeiger.ch

Apples iAd: Start in eine neue Zukunft?

Friday, July 9th, 2010

Am 1. Juli hat Apple seine neue Werbeplattform iAd gestartet. Doch obwohl iAd zunächst nach einem umwerfenden Erfolg aussieht, gibt es auch Kritik: Moniert werden hohe Kosten und angebliche Wettbewerbsverzerrung.

iAd für Nissan LEAF

Es ist noch gar nicht so lange her, als Apple iAd vorgestellt hat, eine neue interaktive Werbeplattform auf HTML5-Basis. Mit interaktiven Full-Screen-Videos innerhalb von Apps solle Werbung lebendiger und attraktiver werden, versprach Apple im April anlässlich der Präsentation des iPhone OS 4.0, und der Großteil der Werbeeinnahmen – 60 Prozent – bliebe den Anbietern. Mit iAd sicherte Apple nicht nur eine Refinanzierungsmöglichkeit von Gratis-Apps zu, sondern auch dessen Integrierbarkeit in normale Websites.

Dass „der Erfolg nicht lange auf sich warten“ ließ, wäre – wie so oft bei Apple – beinahe untertrieben. Bereits Wochen vor dem Start waren iAd-Buchungen in der Höhe von 60 Millionen Dollar eingegangen – rund 50 Prozent des gesamten Etats, das in den USA für mobile Ads für die zweite Hälfte des Jahres erwartet wird. „iAd bietet Werbern Emotionen wie im Fernsehen mit der Interaktivität des Webs und Usern einen neuen Weg, Werbung zu entdecken, ohne aus ihren Lieblings-Apps gerissen zu werden“, rühmte Steve Jobs sein neues Geschäftsmodell Anfang Juni. „iAds wird Millionen von iPhone- und iPod-Touch-User erreichen – für Werber hochbegehrte Bevölkerungsgruppen – und bietet Entwicklern einen neuen Weg, Geld zu verdienen, damit sie weiterhin Gratis- und Billig-Applikationen entwickeln können.“

Am 1. Juli war es soweit, Apple startete iAd. Zu den ersten Konzernen, die sich auf das neue Terrain wagen, gehört Nissan. Der Autobauer hofft, dass jene „hochbegehrte Bevölkerungsgruppe“ der Smartphone- und iPod-Touch-User sich auch für den neuen Leaf interessieren könnte – aus gutem Grund. Denn optisch mag der Leaf wie eine normale Familienkutsche aus dem Hause Renault-Nissan erscheinen, doch sein Inneres ist revolutionär: Der Leaf ist ein Elektroauto, dessen Vorbestellungen bereits jetzt so üppig ausfallen, dass nun auch die Markteinführung in Europa vorverlegt wird.

Ob damit wirklich ein Grundstein für eine so rosige Zukunft gelegt ist, bleibt natürlich fraglich. „Während ich bei Elektroautos keine Zweifel hege, daß sie ein großer Fortschritt sind auf dem Weg zum Transportmittel der Zukunft, bin ich mir bei den iAds nicht so sicher, ob diese Art der mobilen Werbung wirklich die Werbung der Zukunft ist, und ob sie tatsächlich einen Fortschritt bedeutet für die Welt, die Menschen und die Unternehmen“, zweifelt etwa Werbeblogger Jay Martin. Neben der Überprüfung aller iAds durch Apple sind es unter anderem auch hohe Kosten, die seinen Zweifel nähren.

Kritik kommt aber auch von ganz anderer Seite. Als ob Google nicht schon genug Probleme mit Facebook hätte, sieht sich der Suchmaschinen-Riesen nun auch am freien Wettbewerb durch Apple gehindert. Der Hintergrund: Google hatte vor kurzem den Handy-Werbedienstleister AdMob übernommen. Doch mit einem neuen Regelwerk würde sich Apple einen rechtswidrigen Vorteil verschaffen – es geht um Daten, an die Drittanbieter nicht herankommen –, so der Vorwurf.

Der Wettbewerbsvorwurf wird derzeit von der US-Handelsbehörde untersucht.

Quellen:
http://www.apple.com
http://www.werbeblogger.de
http://diepresse.com
http://www.appleradar.de
http://vimeo.com (Screenshot)

Mac vs. PC: “They Might Be Done”

Friday, April 9th, 2010

Über drei Jahre lang erheiterten Apples „Mac vs. PC“-Spots die Gemüter. Doch nun könnte damit Schluss sein. Diesen Verdacht äußerte zumindest „Mac“-Darsteller Justin Long in einem Interview. Er glaubt nicht, dass die Kampagne fortgesetzt wird.

Nicht viele Kampagnen dürfen sich eines eigenen Wikipedia-Entrags erfreuen. Sie tut es: Apples berühmte „Get a Mac“-Kampagne, oft auch einfach „Mac vs. PC“ genannt. Mittlerweile sind die Videos im Web zu Klassikern avanciert, vielmehr als eine bloße Ansammlung von Werbespots, sondern schon fast so etwas wie eine Mini-Sitcom, mit der sich Geeks in kompilierter Form sogar auf Partys vergnügen.

Doch nun könnte mit der launigen Doppelconférence Schluss sein. „Mac“-Darsteller Justin Long glaubt jedenfalls nicht, dass die Spots noch fortgesetzt werden: „Ich glaube, sie könnten zu Ende sein“, verriet der Schauspieler, der privat mit Hollywoodstar Drew Barrymore liiert ist, in einem Interview mit dem Entertainment-Magazin „AV Club“. „Eigentlich hörte ich es von John.“ Mit John meint Justin Long seinen Konterpart und „PC“-Darsteller John Hodgman, mittlerweile „einer meiner liebsten und besten Freunde“. Ob die Kampagne definitiv zu Ende ist, weiß Long allerdings nicht.

Ihr letzter gemeinsamer Auftritt liegt jedoch bereits rund ein halbes Jahr zurück, als gerade Windows 7 in die Regale kam:

„Das Wesen der Doppelconférence besteht darin, dass man einen äußerst intelligenten, gutaussehenden Mann nehme und einen zweiten, also den Blöden, dazustellt“, erklärte einmal der Komiker Karl Farkas. Nach diesem Schema funktionierte auch die „Get a Mac“-Kampagne: Auf der einen Seite der smarte „Mac“, auf der anderen der liebenswert-schusselige „PC“. Zu liebenswert, wie manche fanden.

„‚Mac‘-Darsteller Justin Long (der in dem vergessenswerten Film „Dodgeball“ und in der noch vergessenswerteren Fernsehshow „Ed“ mitwirkte) ist die Sorte eines unrasierten, Hände in die Hosentaschen steckenden, Kapuzenpullover tragenden Hipsters, den wir uns unter einem Mac-Enthusiasten immer vorgestellt haben. Er ist perfekt. Zu perfekt“, urteilte Slate-Kolumnist Seth Stevenson in einem Artikel 2008. „Das ist so, als würde Apple sein eigenes Image parodieren und gleichzeitig zementieren.“ Der Charme des liebenswerten ‚PC‘-Darstellers John Hodgman, bekannt unter anderem aus Jon Stewarts „The Daily Show“, sei hingegen offensichtlich – „sogar wenn er den Dummkopf spielt.“

Vielleicht hat die „Get a Mac“-Kampagne den Kaliforniern nicht nur Sympathiepunkte eingetragen; effektiv war sie jedoch auf alle Fälle: Alleine auf YouTube bringt der Suchbegriff „Mac vs. PC“ über 5.000 Treffer, darunter zahlreiche Parodien und Reviews von Kritikern und Fans. Sie müssen sich wohl nun neue Hobbys suchen.

Möglicherweise ist das eventuelle Aus der Tatsache geschuldet, dass Apple eben nicht mehr bloß ein gewöhnlicher Computerhersteller mit edlen MP3-Playern ist. Mittlerweile ist Apple auch drittgrößter Handyproduzent. Und mit dem iPad will Steve Jobs nichts geringeres, als die Medienbranche revolutionieren. Angesichts dessen wäre es verständlich, wenn Apple von Karikaturen von PC(-Usern) lieber Abstand nimmt.

Quellen:
http://www.avclub.com
http://www.slate.com

My Big Fat Geek Wedding

Friday, February 26th, 2010

Die Hochzeit zweier Fans in einem New Yorker Apple Store sorgt für Aufsehen: Weltweit wird darüber berichtet, ein Video der Zeremonie entwickelt sich zum YouTube-Hit. Doch die Werbewirkung der Guerilla-Hochzeit scheint fraglich.

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben, lautet ein altes Sprichwort. Doch schreibt das Leben auch die besten Scripts für Virals? Diese Frage stellt sich derzeit anlässlich einer bemerkenswerten Heirat, die vor kurzem in New York stattfand.

Es war der 14. Februar 2010, Valentinstag, als sich eine Gruppe von Menschen in einem New Yorker Apple Store versammelte. Was auf den ersten Blick wie ein Flashmob ausgesehen haben mag, hatte einen ernsthaften Hintergrund: Josh und Ting Li gaben einander das Ja-Wort. Einst hatte sich das Paar in dem Laden kennengelernt, nun wollten sie ihre Beziehung offiziell besiegeln. „Da ich nicht religiös bin, aber alles von Apple liebe, pflegte ich den Apple Store scherzhaft als meine Kirche zu bezeichnen“, so der junge Bräutigam, „Ting hatte daraufhin die Idee, hier zu heiraten“. Die Zeremonie fiel dementsprechend kurios aus.

Die Gelübde lasen das Paar von ihren iPhones ab, als Kissen für die Ringe diente ein iPod und der Priester war als Steve Jobs verkleidet – standesgemäß in schwarzem Rollkragenpulli. „Ihr müsst darauf vertrauen, dass sich die Punkte in Zukunft irgendwie miteinander verbinden. Ihr müsst an irgendetwas glauben – Eurem Bauch, Eurer Bestimmung, Eurem Leben, Karma oder was auch immer. Dieser Ansatz hat mich nie im Stich gelassen“, predigte der Priester die Lehren des heiligen St. Steve.

Die Hochzeit, deren Spaßcharakter nicht zu übersehen war, schlug hohe Wellen. So erreichte ein Video der Zeremonie innerhalb von acht Tagen stolze 160.000 Zugriffe auf YouTube:

Auch das mediale Echo kann sich sehen lassen. So berichtete unter anderem der britische Telegraph

telegraph

The Times of India

timesofindia

The Huffington Post

huffingtonpost

PCWorld und viele, viele andere.

pcworld

War das „iDo“ dieser „iLovebirds“ also eine geniale Guerilla-Aktion, die eben zufällig vom Leben selbst geschrieben wurde? Nur bedingt. Denn die Reaktionen auf die Hochzeit waren keineswegs bloß freundlich. „Muss man in den USA nicht wenigstens beschränkt geschäftsfähig sein um heiraten zu dürfen!?“, fragt etwa ein User im Forum von orf.at. Ein anderer schimpft: „Dummheit kennt wirklich keine Grenzen“. „THIS IS ILEGAL!!!“, empört sich wiederum ein Kommentator auf YouTube. Alleine die Tatsache, dass dort das Video durchschnittlich bloß mit zweieinhalb Sternen bewertet wurde, kommt beinahe einer Vernichtung gleich. Freundlicher hingegen ist die Stimmung auf apfelaffinen Seiten wie macnn.com: „That is seriously cool“, lobt etwa ein Poster. Ein anderer wiederum schreibt: „I just hope they’re Mac users and when they have children, they’ll also use Macs.“

Diese Ambivalenz in den Reaktionen beschreibt sowohl die Stärke als auch einen potentiellen Schwachpunkt der Marke Apple: Zum einen ist die außergewöhnliche Begeisterung der Apple-Konsumenten natürlich äußerst einträglich. Gegen allfällig berechtigte Kritik scheinen sie weitgehend immun zu sein. Zum anderen scheint diese oft als quasireligiös empfundene Hingabe auf andere geradezu abstoßend zu wirken. Apple hat damit das gleiche Problem, wie viele politische Parteien, Kirchen oder Organisationen: Was intern den Zusammenhalt stärkt, kann außerhalb rasch für Kopfschütteln sorgen. Die Geek-Hochzeit hat somit wohl eine ähnliche Wirkung wie Hardliner-Sprüche von Kardinälen oder die in sozialdemokratischen Milieus gepflegte Anrede „Genosse“: Sie verbindet, schreckt möglicherweise aber auch ab – und beschneidet damit das Gesamtpotenzial.

Für eingefleischte Fans war die Geek-Hochzeit im Apple Store sicherlich eine großartige Geschichte, wie sie kaum eine Werbeagentur besser hätte inszenieren können. Für Durchschnittsuser hingegen könnte es sich um etwas zu schwer verdauliche Kost gehandelt haben.

Text- und Bildquellen:
http://www.viralblog.com
http://www.telegraph.co.uk
http://timesofindia.indiatimes.com
http://www.huffingtonpost.com
http://www.pcworld.com
http://www.youtube.com
http://www.macnn.com

Was wäre wenn..

Saturday, January 30th, 2010

du kochen könntest wie Jamie Oliver? Mitmachen und iPhone gewinnen! http://apps.facebook.com/waswaerewenn/

Apples iPad: Kommt die Medienrevolution?

Friday, January 29th, 2010

Das iPad weckt hohe Erwartungen: Das Tablet soll nicht nur die Gewinne von Apple in neue Sphären schrauben, sondern mit seinem Bezahl-Modell auch den alten Medien wieder aus der Verlustzone helfen. Ob die geplante Medienrevolution tatsächlich stattfinden wird, liegt jedoch nicht in den Händen von Apple.

iPad

Selten war eine Produktpräsentation mit so viel Spannung erwartet worden. Nun wissen wir: Das neue Tablet von Apple wird nicht iSlate, sondern iPad heißen, ist 670 Gramm schwer, hat einen Umfang von 24 mal 19 cm und ist 1,25 cm dünn. Den überlebensgroßen Erwartungen wird es aber zumindest in seiner ersten Ausführung nur bedingt gerecht. Moniert wird unter anderem die eingeschränkte Konnektivität, die fehlende Kamera und natürlich der Preis von 499 Dollar aufwärts. Zyniker rechnen sogar vor, dass das mittlerweile sieben Jahre alte TC 1100 von HP dem iPad in vielerlei Hinsicht überlegen sei. Zudem wird allerorts geunkt, dass es schlicht keinen Markt für das iPad gebe, zumal auch die Unterschiede zum iPhone zu gering seien.

Für das iPad spricht hingegen die Marke: So, wie Musikliebhaber auch weiterhin das neueste Album ihrer Lieblingsband kaufen, selbst wenn es nicht mehr ganz so toll ist, so darf auch Apple darauf hoffen, dass sein Name sein stichhaltigstes Argument bleibt. Zudem beruht der Erfolg von Apple in den letzten zehn Jahren ja schließlich auch darauf, dass es Steve Jobs gelungen ist, Märkte zu erschließen, die davor noch gar nicht existent waren. Das gehobene Preisniveau schien dabei sogar eher förderlich zu sein. Tatsächlich könnte die Zeit für ein Tablet reif sein: So hat Amazon seinem E-Book-Reader Kindle im vierten Quartal 2009 sogar einen Rekordgewinn von 384 Millionen Dollar zu verdanken. Wird das iPad nun also den Medienmarkt revolutionieren?

„Unzählige Artikel wurden darüber geschrieben, dass das neue Tablet der Retter der alten Medien sein könnte“, schreibt TechCrunch-Autor Jason Kincaid. „Angeblich werden die Leute nun anfangen, für Content zu bezahlen, weil dieser nun direkt unter ihren Fingerspitzen verfügbar wird.“ Doch dies könne das Internet schon jetzt genauso gut, argumentiert Kincaid. Er fürchtet: „Die wahre Revolution lügt bezüglich des neuen Mediums, dass das Tablet uns zur Verfügung stellen wird“ – aber „das liegt nicht in den Händen Apples“.

Hinter den kryptisch anmutenden Worten steht nicht die Befürchtung, dass mit dem Gerät selbst etwas nicht in Ordnung sein könnte. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass es die Verlagshäuser verabsäumen könnten, adäquaten Content anzubieten. So schrieb kürzlich die LA Times: „Obwohl Apple sein Händchen für trendige Geräte und digitale Stores, in denen Verlage ihre Waren verkaufen können, bewiesen hat, meint Gartner-Inc.-Analyst Allen Weiner, dass es noch eine Menge an Anläufen nach dem Prinzip von Trial & Error geben wird, bis Magazin- und Buch-Verleger die feine Kunst digitaler Ausgaben beherrschen, die die Vorteile der Audio- und Video-Wiedergabe auch wirklich nutzen.“ Es stellt sich daher die Frage, wie lange es dauern wird, bis Verlage den behänden Umgang mit dem neuen Medium gelernt haben. „Vielleicht bin ich ein Pessimist, aber ich glaube, das wird ein langer und frustrierender Prozess“, prognostiziert TechCrunch-Autor Jason Kincaid.

Notwendig wird dieser allemal: Kaum ein Leser wird für Premium-Content zahlen wollen, den man auch gratis im Web findet. Bis auf wenige Ausnahmen – bei exklusiven und hochqualitativen Inhalten, wie sie etwa die New York Times bietet – wird die Einführung von Bezahlmodellen nur dazu führen, dass die Webuser zu frei verfügbaren Online-Alternativen wechseln. Wie können wir uns also diesen sogenannten „hybridized Content“ vorstellen, der in uns ein so starkes Will-Haben-Gefühl aufkommen lässt, dass wir dazu bereit sind, dafür Geld auszugeben?

„Stellen sie sich eine Biografie von Abraham Lincoln vor, die es Ihnen ermöglicht, Fotos von jeder erwähnten Person und jedem erwähnten Ort mit einem einzigen Fingerzeig anzuzeigen“, schwärmt Jason Kincaid über die technischen Möglichkeiten. „Ein Klaps an der Spitze des Schirms könnte zur Orientierung eine interaktive Timeline von Lincolns Leben anzeigen lassen.“ Dabei sollte es sich nicht um simples Herumhüpfen von Link zu Link handeln, findet Kincaid: „Das gesamte Ergänzungsmaterial würde in das Leseerlebnis einfließen, während sie nie die Stelle aus den Augen verlieren, die sie gerade lesen.“

Ob Content ausgerechnet so aussehen muss, damit wir etwas lockerer auf unserem Portemonnaie sitzen? Es darf gezweifelt werden. Doch Eines ist sicher: Ob Tablets wie Apples iPad eine finanziell ertragreiche Medienrevolution lostreten können werden, hängt weniger von den Geräten selbst ab, als vielmehr davon, ob es den Verlagen gelingen wird, Content mit einem entsprechenden Mehrwert anzubieten.

Textquellen:
http://www.techcrunch.com
http://www.latimes.com
Bildquelle:
http://www.youtube.com