Als Musik-Nerd muss ich leider sagen: Aufregende Dinge sind oft mit Warten verbunden - ob das nun ein Albumrelease ist, Amanda Palmers nächster Webcast, oder die 5 Minuten vor dem Vorverkaufsstart eines begehrten Gigs. Das Warten von der gestrigen Ankündigung von Ping bis dann heute früh das Update endlich installiert war reiht sich in diese Erfahrungen ein. Doch statt der Freude über eine neue CD oder das Konzertticket verbreitet sich erstmal: Enttäuschung.
Die Idee klingt gut: “Dein Social Network für Musik. Verfolge, was deine Freunde und Lieblingskünstler machen, welche Musik sie hören und laden und worüber man spricht.” Genau da ist der Haken: Von meinen Lieblingskünstlern, laut iTunes The Lines, Portugal. The Man und Arrows Of Love, hat Ping noch nie etwas gehört. Statt dessen soll ich Lady Gaga folgen? Sicher nicht! Ich bin leicht beleidigt, schließlich müsste iTunes meinen Musikgeschmack doch in- und auswendig können. Dann mache ich mich eben im iTunes Store auf die Suche nach meinen Lieblingskünstlern und stoße auf ein unangenehmes Detail des “weltweiten” Musikhandels - country restrictions: The Lines sind wohl nur im UK-Store verfügbar, scheiden also für mich aus.
Arrows of Love sind jedoch mit EP und Single vertreten! Ich bewerte beide, schreibe eine Rezension, und juhuu: Auf meinem Profil scheinen die Aktionen auf. “Folgen” kann ich den Briten jedoch immer noch nicht. Als Arrows-Webmistress mache ich mich auf die Suche nach Infos, wie ich ein Profil anlegen kann: Fehlanzeige. Mashable verspricht in einem Kommentar für morgen einen ausführlichen Bericht über die Möglichkeiten von Ping für Künstler, und auch im Apple-Forum ist die große Frage: “How to claim my iTunes Ping Artist Page?”
Aus Mangel an Lieblingskünstlern sehe ich mir die Artists genauer an, die schon auf Ping sind - und werde gleich nochmal enttäuscht: Lady Gaga hat nicht nur bereits 50.000 Verfolger, sondern auch Einträge auf ihrem Profil, die knapp einen Monat alt sind. Auch U2 und Linkin Park sind schon Ping-Pioniere, bevor andere Künstler überhaupt eine Seite erstellen können. Während also iTunes als erster richtig erfolgreicher Bezahlservice im Musikbereich auch kleineren Bands und Indie-Künstlern die Möglichkeit bot, dem Publikum unkompliziert Musik zu verkaufen und dabei ein paar Cent zu verdienen, ist Ping offenbar einem elitären Kreis der bekanntesten Bestverdiener in der Branche vorbehalten - vorausgesetzt, diese verkaufen ihre Musik im iTunes-Store. Weshalb übrigens auch die Fans der Beatles ihre Lieblingsband nicht auf Ping finden werden.
Was bringt mir Ping also, außer ein paar schönen neuen Profilen von Künstlern der Kategorie “Ö3″? Warum sollte ich mich dort mit Freunden und Fans über Musik austauschen und nicht auf last.fm, facebook oder twitter? Wie soll ich auf Ping neue Musik entdecken, wenn Künstler ihre Seiten nicht selbst und unabhängig von Majorlabels und dem iTunes-Store erstellen können? Und wenn es irgendwann funktioniert, wie aufwändig wird es dann, wenn nach 2 Stunden noch nicht mal mein Profilbild am Apple-Türsteher vorbei gekommen ist? Fragen über Fragen. Das Resümee: Noch fühlt es sich eher wie ein iTunes-Marketingtool an, aber ganz bestimmt nicht wie ein Social Network. Wir warten gespannt, ob da noch was kommt. Darin sind wir schließlich geübt
PS: Wer das Warten nutzen mag, um seine Lieblingskünstler mit mir zu teilen: Mein Ping-Name ist Alex Muehlbacher. Ich freu mich auf eure Empfehlungen! (no Lady Gaga, please)








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