Facebook-Freunden mit Geschenkgutscheinen eine Freude zu machen – mit diesem Geschäftsmodell startet gerade das schwedische Startup Wrapp durch.
Geben ist seliger als nehmen – diese alte Weisheit erfährt seit einigen Jahren auch zusehends stärker werdende Unterstützung von Seiten der Wissenschaft. Wer anderen etwas Gutes tut, darf sich nicht nur über die Ausscheidung von Endorphinen im Hypothalamus freuen, sondern lebt auch länger. Das schwedische Startup Wrapp könnte so gesehen noch viel Freude in der Welt verbreiten. Laut Eigendefinition ist Wrapp nämlich ein „social gift giving service“. Hinter dem etwas redundant anmutenden Begriff steckt ein bemerkenswertes Konzept.
Das Konzept: Geschenkgutscheine für Freunde
Die Voraussetzungen, um Wrapp verwenden zu können, sind nicht hoch. Einzige Notwendigkeit für willige Schenker ist ein Facebook-Konto; neben der Browserversion ist der Dienst auch als iOS- und Android-App erhältlich. Wer diese nicht allzu hohe Einstiegshürde genommen hat, kann damit an Facebook-Freunde Geschenkgutscheine versenden. Dabei bietet Wrapp auch Gratis-Gutscheine im Wert von fünf bis zehn Euro an. Der Versand erfolgt per Eintrag auf die Facebook-Pinnwand des oder der Beschenkten bzw. per Mail. Um den Gutschein einzulösen, müssen die Empfänger die Wrapp-App downloaden, damit sie den Gutschein an der Kassa des jeweiligen Ladens vorzeigen können.
Besonders praktisch: Wrapp bietet seinen Nutzern an, sich an Geschenken für gemeinsame Facebook-Freunde zu beteiligen. Wer wie viel beigesteuert hat, sehen die Beschenkten nicht, sondern nur die Gesamtsumme.
„Social Gifting“ attraktiv für den Handel
Warum geben Einzelhändler Geschenkgutscheine auf Wrapp gratis her? Diese Frage beantwortet das Stockholmer Startup so: „Wie Sie wissen, investieren Geschäfte täglich eine beeindruckende Menge an Geld, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen, sei es im Fernsehen, in Magazinen, online oder sonstwo.“ Wrapp erlaube es stattdessen, direkt von den sozialen Beziehungen der Kunden zu profitieren. „Daran sind keine Bedingungen geknüpft“, betont man bei Wrapp, „und am Ende ist es ganz Ihre Sache“, die Auswahl der Geschenke zu treffen.
Somit liegt nicht nur für Endkunden der Nutzen von Wrapp auf der Hand, sondern auch für den Handel. In Zeiten des weltweiten Preisvergleichs könnten sich mit der Investition in soziale Beziehungen ganz neue Chancen auftun. Denn einen Gutschein, den man von guten Freunden gespendet bekommt, lässt man nicht so leicht verfallen wie ein beliebiger Coupon aus einer Postwurfsendung.
Wrapp auf Expansionskurs
Bei Investoren scheint die Idee des „Social Gifting“ jedenfalls große Hoffnungen zu wecken. Für Aufsehen sorgte unter anderem eine Fünf-Millionen-Dollar-Investition des LinkedIn-Mitbegründers Reid Hoffman. Mitgrund für den Optimismus dürfte wohl auch das Einkaufsverhalten sein, das die beschenkten Wrapp-User an den Tag legen: Während einzelne Händler beklagen, dass Nutzer von Diensten à la Groupon lediglich den Betrag des Gutscheins verkonsumieren, bleiben die Kaufbeträge von Inhabern eines Wrapp-Gutscheins in jenen Bereichen, die auch sonst ausgegeben werden.
Einst bloß zur Verbesserung der Logistik in der Industrie erdacht, heute ein Hype: 10 Beispiele, wie QR-Codes im Marketing Fuß fassen.
Dass QR-Codes eines Tages einmal Entertainment-Charakter annehmen würden, war alles andere als vorhersehbar: Ursprünglich wurden die rätselhaft-pixeligen Quadrate 1994 für Toyota entwickelt, um Baugruppen zu markieren und damit die Logistik zu verbessern. Doch mit dem Siegeszug der Smartphones wurde der „Quick Response Code“ auch für das Marketing attraktiv – Stichwort Mobile Tagging. Die Anwendung ist einfach: Ein Foto genügt, schon wird der Text, die URL, ein Transaktions- oder Zugangscode entschlüsselt und nebenbei natürlich auch die persönliche Neugier gestillt. Push-Medien werden so im Handumdrehen zu Pull-Medien.
Wie Marketing von QR-Codes profitieren kann, wird natürlich am besten an Beispielen ersichtlich. Grund genug für ein kleines Best of.
10 | Gewinnspiel à la Coca-Cola
Die erste QR-Code-Kampagne von Coca-Cola in den USA war ganz den Eisbären gewidmet, mit denen der Softdrink-Konzern bereits seit einer Werbung im Jahr 1922 assoziiert wird. Der QR-Code war auf Coke-Bechern in 7-Eleven-Läden abgebildet und führte zu Snowball Effect by Coca-Cola, ein mit Facebook verknüpftes Advergame für iPhone und iPad. Den besten Spielern winkten Preise in Form von iPads oder einer Reise in die Arktis. Da es sich dabei um eine Zusammenarbeit mit dem WWF handelte, führte die App zudem auch zu einer Seite, wo die User für Polarbären spenden konnten.
Dass QR-Codes auch optisch angepasst werden können – solange der Kontrast stimmt –, veranschaulicht eine Print-Kampagne der slowakischen Agentur Jandl (Bratislava) für Seat. Der QR-Code führte zu versteckten Features auf der Seat-Website.
Einen ähnlichen Weg wählte auch die britische Agentur Stupid: Um die Downloadzahlen von Angry Birds etwas anzukurbeln, kreierten die Werber eine bunte Printwerbung. Besonders clever: Der optisch an das Spiel angepasste QR-Code führte direkt zur Downloadseite von Angry Birds im iTunes App Store.
In Japan, der Heimat des QR-Codes sind derlei Kampagnen bereits etwas länger etabliert. Dementsprechend werden keine Mühen gescheut, um den Barcode in Szene zu setzen, wie diese Kampagne für Audi Japan beweist:
6 | Ambient à la Simon on the Streets
„Viele Leute würden Obdachlosen zu Weihnachten gerne etwas Geld geben, allerdings befürchten sie, dass sie mit ihrem Geld bloß das Alkohol- und Drogenproblem der Betroffenen fördern.“ Mit diesem Argument wird offensichtlich die britische Obdachlosenhilfsorganisation Simon on the Streets immer wieder konfrontiert. Die Lösung der Agentur Propaganda, Leeds: Eine Ambient-Kampagne in Kombination mit einem QR-Code. Der Code führte direkt zu einer Spendenseite, um die Charity-Organisation zu unterstützen.
Im Herbst sorgte die Ankündigung des amerikanischen Teleshopping-Kanals Home Shopping Network (HSN) für Aufsehen, im Rahmen einer viertägigen Testphase zusätzlich zu den Produktpräsentationen QR-Codes einzublenden. Die Codes führten direkt zu den entsprechenden Webseiten, um den Bestellprozess zu erleichtern.
Über das Ergebnis der Testphase ist nicht viel bekannt. Lydia Dishman von Forbes.com zweifelt jedoch am Erfolg: „Der Grund ist praktischer Natur: Bei einem Magazin oder einem Anhängeettikett sitzt oder steht man bereits direkt davor, sodass man es einfach scannen kann.“ Ihr Fernseher stand dafür jedoch viel zu weit weg, wie ihr Selbstversuch ergab. „Ich musste bis an 5 Fuß (rund anderthalb Meter, Anm.) herangehen, um den Code richtig scannen zu können.“ Trotzdem, den Versuch war der Test allemal wert.
Quelle: PR Newswire/HSN
4 | Einkaufen à la Tesco
Ganz im Sinne der von Lydia Dishman formulierten Anforderungen ist der QR-Code-Subway-Store von Tesco in Südkorea. Das Ergebnis überzeugt nicht nur konzeptionell, sondern auch optisch: Die Außenwerbung wird zum hippen Supermarkt-Lieferservice – dank QR-Codes.
3 | Schenken à la J. C. Penney
Nicht nur das Einkaufen kann durch QR-Codes aufgewertet werden, sondern auch das Schenken. Im Rahmen einer Kampagne bot die US-amerikanische Handelskette J. C. Penney ihren Kunden für Weihnachtsgeschenke die Möglichkeit eines personalisierbaren QR-Codes an, der mit einer persönlichen Grußbotschaft versehen werden konnte.
2 | Bewerben à la Victor Petit
Welch kreatives Potenzial in QR-Codes stecken, führte im vergangenen Jahr der französische Student Victor Petit in einem vielbeachteten Vimeo-Video vor. Der Grund für seine Mühe: Er war auf der Suche nach einem Praktikum.
1 | Liken à la Diesel
Ein Facebook-Like per QR-Code – auch das ist möglich. Somit wird es einfach, das Real Life mit Mundpropaganda in Socia Communities verschmelzen zu lassen. Diesel hat diese Idee in Spanien bereits umgesetzt.
Der Hype um QR-Codes hat also einen guten Grund: Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Dass die klotzigen Quadrate nicht nur ein Spleen von Marketing-Experten ist, belegt eine Anekdote aus dem türkischen Fußball. Bei einem Match hielten enthusiastische Fans des Zweitliga-Vereins Karsiyaka den Anhängern des Kontrahenten Göztepe ein riesiges Plakat entgegen, auf dem eine derbe Beschimpfung stand. Ob der Schiedsrichter etwas davon mitbekommen hat, darf angezweifelt werden: Das Plakat war ein QR-Code.
Killen Social Communities die Meinungsvielfalt? Nein, sagt eine Studie des Facebook Data Teams. Zu verdanken ist das der Stärke von schwachen Bindungen.
Seit Social Networks für immer mehr Menschen zum Alltag gehören, steigt auch das Interesse an der Netzwerkforschung. Wie funktionieren soziale Netzwerke – online wie offline? Welche Auswirkungen haben sie auf uns, unsere Einstellungen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft? Fragen wie diese gewinnen mit dem Siegeszug von Social Communities zunehmend an Bedeutung.
Im Zuge dieser Debatte lassen sich zwei sehr unterschiedliche Standpunkte herausdestillieren. Manche meinen, die bessere Vernetzung führe zu mehr Offenheit, wodurch sich Innovationen und neue Ideen leichter und schneller verbreiten können. Andere befürchten hingegen, dass Facebook und Co. vielmehr „Echokammern“ schaffen würden, in denen sich jeweils bloß Menschen versammeln, die einander ohnehin sehr ähnlich sind. Statt zur Verbreitung von Innovationen führe das zu mehr Konformität, kollektivem Schulterklopfen oder gar einer Radikalisierung innerhalb der einzelnen Cluster.
Gleich und Gleich gesellt sich gern – diese Binsenweisheit gilt für jeden von uns. Wie sozialpsychologische Untersuchungen schon lange belegen, ist Ähnlichkeit einer der wichtigsten Faktoren, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht. Menschen mit ähnlichen Meinungen, Vorlieben oder Charaktereigenschaften sind uns generell sympathischer. Kein Wunder also, dass in Social Communities rasch Cluster aus Menschen mit ähnlichen Einstellungen, ähnlichen Jobs und ähnlichen Vorlieben entstehen.
„Zu den robustesten Befunden in sozialen Netzwerken zählt die Homophilie, also die Tendenz, dass sich Individuen mit ähnlicher Charakteristik miteinander verbinden“, so Studienautor Eytan Bakshy vom Facebook Data Team. Es ist die Homophilie, die starke Beziehungen ausmacht.
Dies zeigt sich auch in der Studie von Bakshy und Kollegen: Je enger die Beziehung zu einem Facebook-Freund ist, desto größer ist auch die Bereitschaft, einen Post im Newsfeed zu teilen. Für sich genommen spricht das stark für die These, dass Social Communities tatsächlich bloß Echokammern von Schulterklopfern wären, in denen Innovationen bloß kaum zirkulieren können. Doch es gibt auch noch einen anderen Einflussfaktor – und der ist sogar mächtiger.
Die Stärke der schwachen Beziehungen
1973 veröffentlichte der Soziologe Mark Granovetter eine erstaunliche Entdeckung: Wenn es Menschen gelingt, über Beziehungen zu einem neuen Job zu kommen, passiert dies meistens nicht über enge Freunde, sondern durch schwache Beziehungen im erweiterten Bekanntenkreis. Granovetter nannte dieses Phänomen „The Strength of Weak Ties“, also die „Stärke von schwachen Beziehungen“. Demnach sind es die schwachen Bindungen, die den Informationsfluss aus unterschiedlichen Gruppen von Menschen erleichtern. Zum einen, weil unter den schwachen Beziehungen mehr Diversität vorherrscht. Zum anderen, weil es naturgemäß einfach mehr davon gibt.
Das Facebook Data Team veranschaulicht dies mit einem simplen Rechenbeispiel: Angenommen, ein Facebook-User hat 10 enge Freunde und 100 Bekannte. Da er am Content seiner engen Freunde mehr interessiert ist, teilt er jeden zweiten Post eines engen Kontakts. Von seinen Facebook-Bekannten teilt er bloß 15 Prozent ihres Contents. Das Ergebnis ist eindeutig: Mit 15 geteilten Posts (100*0.15) teilt er wesentlich mehr Content von schwachen Beziehungen als von engen Freunden (10*0.50 = 5).
Dieses Phänomen zeigte sich auch im Praxistest der Facebook-Studie: Über schwache Bindungen verbreiten sich neue Informationen (wie etwa einen spannenden Link), die andere Menschen sonst nicht sehen würden. Das ist durchaus verständlich: Content, von dem man annimmt, dass ihn die meisten Freunde bereits kennen, braucht man auch nicht mehr zu teilen.
„Zusammengefasst haben schwache Beziehungen das größte Potenzial, Freunde neuen Informationen auszusetzen, die sie sonst nicht entdeckt hätten“, resümiert Eytan Bakshy. Die Informationsdiversität ist in Social Communities dadurch höher als vielfach angenommen.
Fazit: Diversität trotz Homophilie
Sind Social Communities nun bloß Echokammern des Schulterklopfens oder der Nährboden, der neuen Ideen, Moden und Innovationen zum Durchbruch verhilft? Nun, fairerweise haben beide Standpunkte ihre Berechtigung. Zwar zieht sich das Phänomen der Homophilie tatsächlich wie ein roter Faden durch Social Networks. Allerdings schaffen es – dank der Stärke von schwachen Beziehungen – weit mehr neue Informationen in die Newsfeeds der User, als man intuitiv annehmen würde. Insgesamt sehen und verbreiten wir mehr Informationen von schwachen als von starken Bindungen.
Somit demonstriert die Untersuchung, so Eytan Bakshy, „dass Social Networks ein mächtiges Medium sein können, neue Ideen zu teilen, neue Produkte hervorzuheben und laufende Events zu diskutieren.“ Vorausgesetzt natürlich, der Content stimmt.
EU-Komissarin Reding will Löschung von Daten in FB, Twitter & Co auf Wunsch des Users bei Verlassen der Community gesetzlich verankern.
Die Umstellung auf die neue Timeline von Facebook, die nun für alle User auf Facebook eine Verpflichtung wird, zeigt, dass Users manchmal nur sehr wenig Einfluss darauf haben, was mit ihren Inhalten auf Facebook passiert. Zwar können User nun besser bestimmen, was Sie an die Öffentlichkeit bringen möchten und was nicht, aber mit der neuen Timeline muss das rückwirkend ebenfalls geschehen – eine umfangreiche Aufgabe, die Zeit in Anspruch nimmt und auch nicht allen Facebook-User bekannt ist.
Gleichzeitig wurden in den letzten Wochen und Monaten die Stimmen nach mehr Datenschutz auf Social Media Kanälen immer lauter; ob es nun die einzelnen aber konzentrierten Proteste von Wiener JUS-Studenten waren, die eindringlichen Aufrufe deutscher Behörden oder der Aufstieg der Piraten-Partei im Nachbarland: Datenschutz entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Thema.
Der Vorschlag von EU-JustizkommissarinReding trägt dieser Entwicklung Rechnung. Für Users von Social Networks ist es sicherlich ein gutes Gefühl, dass es eine gewisse Vergänglichkeit im sozialen Netz für Ihre Daten gibt. Für das Unternehmen Facebook – und auch für die Unternehmen, die bisher mit den Daten gearbeitet haben – ist es sicherlich nur ein leichter Rückschlag. Solange Users auch weiterhin ihr Leben im Netz veröffentlichen, wenn nun auch mit einer gewissen Vorsicht, haben soziale Netzwerke ihre Berechtigung.
Welche Social Community wird der große Durchstarter 2012? Mögliche Kandidaten: Path, Pinterest, LikedBy, So.cl, Google Schemer und Wunderkit.
Derzeit scheint das Social Web so vertraut, als wäre es nie anders gewesen: Ganz oben thront Facebook, danach folgen Dienste wie Flickr, Foursquare, Tumblr und viele andere. Doch der Eindruck täuscht: Die Welt der Social Communities ist dynamisch, hochkomplex und immer für überraschende Wendungen gut. Grund genug sich einige Angreifer einmal etwas näher anzusehen, die 2012 durchstarten könnten: Path, Pinterest, LikedBy, So.cl, Google Schemer und Wunderkit.
Die mobile Dinnerparty für enge Freunde: Path
Sein Debüt feierte das in San Fancisco ansässige soziale Netzwerk Path zwar bereits 2010, steil bergauf ging es jedoch erst mit dem Relaunch Ende November 2011. Binnen zwei Wochen stieg die Zahl der täglich aktiven User auf 300.000 pro Tag an. Insgesamt haben sich über eineinhalb Millionen Menschen Path heruntergeladen. Laut Alexa liegt Path.com global auf Platz 15.503 der meistbesuchten Seiten im Web, in Österreich sogar auf Platz 6.865.
Das ist insofern nicht übel, da man mit dem Browser auf Path gar nicht zugreifen kann. Path ist eine iPhone- und Android-App, die für wirklich enge Freunde und Verwandte gedacht ist. Die Zahl der Kontakte wurde daher auf 150 beschränkt. Dementsprechend fallen auch die Features aus: Neben Fotos, Videos, ortsbezogenen Daten und Musik können User auch ihre Schlaf- und Wachzeiten auf ihren Pfad posten.
Das GPS-Tracking sendet auf Wunsch sogar Auto-Updates und meldet Abweichungen von gewohnten Routen. Verknüpfungsmöglichkeiten bestehen bei Path zu Facebook, Twitter, Foursquare und Tumblr.
Ob Path für Unternehmen – außer zur Kontrolle von Außendienstmitarbeitern – nützlich sein könnte, ist derzeit eher fraglich. In dem intimen Umfeld, das Path zu kreieren versucht, könnten kreative Marketingideen einen schweren Stand haben. Trotz zahlreicher Vorzüge wie dem vielgelobten Design und der bewusst persönlich gehaltenen Atmosphäre bleibt abzuwarten, wie viel (teils automatisierte) Intimität Smartphone-User wirklich ertragen können.
Der Social Catalog: Pinterest
Vieles spricht dafür, dass sich der 2010 gestartete „Social Catalog Service“ Pinterest mit Sitz in Palo Alto zu einer neuen Größe im Social Web mausert. Laut Alexa verzeichnet die interessensgeleitete Community ein kontinuierliches Wachstum und belegt weltweit bereits Platz 162 auf der Rangliste der meistbesuchten Webseiten. Sechs Millionen User besuchen Pinterest derzeit pro Monat und generieren dabei viele Millionen Hits pro Woche – trotz Invite-Phase.
Content ist bei Pinterest der König. User können sogenannte „Boards“ erstellen, die sich mit spezifischen Themen auseinandersetzen, wie etwa Design, Bildung, Film, Musik, Fitness oder der Gärtnerei. Einzelne Einträge auf den Boards heißen „Pins“, bestehen typischerweise aus einem Foto (es gibt allerdings auch Videos) und einem kurzen Begleitkommentar. Der soziale Aspekt beruht auf dem von Twitter bekannten Followerprinzip. User können anderen Usern oder auch nur einzelnen Boardsfolgen sowie Pins liken, „repinnen“ und kommentieren.
Die Durchlässigkeit zum freien Web und anderen Plattformen wird bei Pinterest groß geschrieben. Das zeigt sich nicht nur an der Verknüpfbarkeit mit Facebook und Twitter, sondern auch an der RSS-Tauglichkeit sowie an den Embed- und E-Mail-Buttons. Umgekehrt wurden in anderen Communities bereits erste Pin-Buttons gesichtet.
Für Unternehmen eignet sich Pinterest durchaus zur Selbstvermarktung, wie etwa die US-Reiseagentur „Croft Global Travel“ beweist. Manche sprechen sogar schon von „Pinterest-Marketing“. Besonders clever: Bei jedem Pin wird die Quelle genannt – „und zwar als dofollow-Link“.
Angesichts der eingeschränkten Funktionen ist zwar eher auszuschließen, dass Pinterest einem Social-Media-Riesen wie Facebook jemals gefährlich werden könnte. Doch die Beliebtheit von Nischen-Communities wie Tumblr legt nahe, dass Pinterest mit nachhaltigem Erfolg gesegnet sein könnte.
Die Pinboard-Alternative aus Berlin: LikedBy
Dass es sich bei Pinterest um mehr als nur eine weitere Social Community handelt, beweist das 2011 gegründete Berliner Startup LikedBy. In Deutschland rangiert LikedBy laut Alexa auf Rang 14.074, global auf Platz 534.473.
Man darf gespannt sein, wie sich LikedBy behaupten können wird. Eines scheint jedoch klar: Pinboard-Plattformen wird man sich merken müssen.
Microsofts Such-Community: So.cl
Vor rund einem Monat startete Microsoft So.cl, eine speziell an Studierende gerichtete Community, die bei Web-Suchen behilflich sein soll. Laut Alexa verharrt So.cl nach der anfänglichen Neugier der Netzgemeinde eher in der Bedeutungslosigkeit: Global auf Rang 30.136, in Österreich immerhin auf Platz 5.275.
Die Besonderheit des optisch an Google+ angelehnten Netzwerks ist zweifellos die Suchfunktion: Suchanfragen werden automatisch anderen Nutzern mitgeteilt, um sie User auf interessanten Content aufmerksam zu machen. Bewerkstelligt werden die Suchen naturgemäß mit Microsofts hauseigener Suchmaschine Bing, die auch bei sogenannten „Rich Posts“ zum Tragen kommt.
Ein Rich Post setzt sich aus mehreren Suchergebnissen zusammen, die per Mausklick zu einem großen Statusupdate zusammengepappt werden. Natürlich können User auch ganz normale Beiträge aus Text, Fotos und Videos posten; ein Facebook-Konkurrent will So.cl („social“ ausgesprochen) aber nicht sein. Daneben gibt es noch ein Feature namens „Video Parties“, das es Nutzern erlaubt, gemeinsam Videos online anzusehen und via Chat darüber zu diskutieren.
Inwiefern diese Eigenheiten jemals Marketingrelevanz haben könnten, ist schwer abzusehen. Dazu befindet sich So.cl noch zu tief in der Beta-Phase. Ob es jemals ein großes Interesse geben wird, unter öffentlicher Beobachtung Suchanfragen auf Bing zu tätigen, darf jedoch angezweifelt werden.
Der soziale ToDo-Dienst: Google Schemer
Nahezu unbemerkt blickte im Dezember 2011 Google Schemer das Licht der Welt, ein sozialer ToDo-Dienst, der bei der Organisation von Aktivitäten behilflich sein will. Glaubt man Alexa, ist Google Scheeemer derzeit auf Platz 30.139 der meistbesuchten Web-Seiten. Das zu Beginn gesteigerte Interesse flaute nach dem Release rasch ab. Allerdings steckt Schemer ja noch in der invite-only Betaphase.
Das Prinzip ist einfach: Nutzer können Aktivitäten posten, die sie gerne tun möchten – das kann ein Konzertbesuch sein, die Teilnahme an einem Marathon oder das Backen eines Kuchens. Natürlich können sie auch nach Ideen anderer suchen, sie durchstöbern oder von Google Schemer filtern lassen. Schemer empfiehlt Aktivitäten nach Relevanz und lernt vom Verhalten des Nutzers. Wird ein User fündig, kann er ein ToDo übernehmen. Auf diese Weise können sich die Nutzerinnen und Nutzer zusammenschließen.
Wenig überraschend hat Google auch hier eine Verknüpfung zu Google+ eingeplant, wovon die Einbindung des Kreisesystems zeugt. Natürlich ist der soziale ToDo-Dienst auch für Android erhältlich.
Für Unternehmen könnte Google Schemer ein brauchbares Tool sein, gesponserte Events zu pushen oder Guerilla-Aktionen durchzuführen. Fast scheint Googles Antwort auf Facebook Events wie gemacht für Flashmobs zu sein. Das Social Web neu aufmischen wird der Dienst wohl nicht – für ein sympathisches Nischendasein reicht es jedoch allemal.
Der elegante Produktivitäts-Turbo: Wunderkit
Eben erst aus dem Ei geschlüpft, trotzdem herrscht bereits massiver Andrang – dieses Kunststück hat das Berliner Startup 6Wunderkinder vollbracht. Mit Wunderkit haben die Entwickler der höchst erfolgreichen Wunderlist nun einen Taskmanager präsentiert, der mehr kann als bloß ToDo-Listen erstellen. Schon jetzt haben über 100.000 User ihre E-Mail-Adresse deponiert, um Wunderkit testen zu dürfen.
ToDo-Listen sind im „Facebook für Produktivität“ (Martin Weigert) in sogenannten „Workspaces“ zu finden, die entweder privat oder öffentlich eingestellt werden können. Die Schaltzentrale eines Workspace ist das Dashboard, wo auch Statusupdates und die nach dem Followerprinzip organisierten Kontakte angezeigt werden. Der Clou: Workspaces können kollaborativ verwaltet werden; Mitglieder können gleichberechtigt Notizen schreiben und Tasks eintragen.
Für Unternehmen ist Wunderkit natürlich für allem als Projektmanagement-Tool attraktiv. Die ersten Reaktionen fielen trotz Pannen beim Launch tendenziell positiv aus. Besonders hervorstechend ist das noble Design. Derzeit spricht jedenfalls viel dafür, dass Wunderkit von der Netzgemeinde auch tatsächlich angenommen werden wird.
Fazit: Von allen vorgestellten Communities hat allem voran Pinterest das Zeug dazu, 2012 groß durchzustarten. Als die Überraschung des Jahres könnte sich Wunderkit herausstellen.