Wenn die Singularity University nach Berlin kommt, dann sind das radikale Impulse zur Veränderung. Jetzt.

Immer wenn ich mit der Singularity University in Kontakt komme, dann verschiebt sich meine gefühlte Realität wieder Richtung Transformation und Zukunft. Warum? Weil die Lösungen für so viele „Probleme“ im Übergang vom Industriezeitalter ins exponentielle Digitale Zeitalter schon längst (technologisch) durchführbar sind. Nämlich mir unserer Vorstellungskraft, dem Willen, täglich zu lernen und der Einführung eines neuen Performance Parameters: dem AQ.

Meine absoluten Highlights beim diesjährigen 2. SU Summit Berlin, an dem ich leider einen der beiden Tage versäumt habe:

  • Martin Wezowski, Chief Designer and Futurist for SAP’s Innovation Center Network & Chief Innovation Office mit seinem klaren Appell, dass wir Menschen alles kreieren können, was wir uns vorstellen können. Und wenn wir uns mal etwas vorgestellt haben, können wir das auch nicht mehr rückgängig machen. ;-)
  • John Hagel, Co-Chairman of the Silicon Valley-based Deloitte Center for the Edge, der einen guten Platz für Menschen, auch im Digitalen (Roboter-) Zeitalter sieht: denn wir Menschen können Dinge, die Maschinen nicht können. Wenn es nach John Hagel geht, und ich schließe mich dieser Hypothese an, dann werden Führungskräfte der Zukunft (am besten schon heute) kraftvolle Fragen stellen, statt Antworten zu geben. Denn Antworten gibt tatsächlich besser ein Computer.
  • Amin Toufani, Director of Strategy at Singularity University, der den lange strapazierten IQ durch den AQ = Adaptability Quotient ersetzt und dafür ein eigenes Amt in der C-Suite fordert. Um letztendlich das Zeitalter der Netzwerke durch Ökosysteme abzulösen. Wie es etwa WeChat in China vormacht, das als soziales Netzwerk, alle wichtigen Dinge des Lebens abwickelbar macht und noch dazu auf einer Plattform.

Was sich durch alle Vorträge zog, war die Rolle des Menschen im Digitalen Zeitalter. So forderte etwa Martin Wezowski „humachines“, die perfekte Co-Kreation von Menschen und Computern. Während die einen (die Menschen) die Zukunft designen, damit Artifakte und am Ende des Tages politische Tatsachen schaffen und dabei letztendlich Zukunft gestalten, konzentrieren sich die anderen (die Computer) auf klar strukturierte Routinejobs (noch, sagt mein Herz für Quantencomputer in mir, doch darüber werde ich nach dem 21.Juni bloggen).

Wo wir Menschen uns selbst im Weg stehen, das ist klar die (exponentielle) Geschwindigkeit der Veränderung, die wir schlicht und ergreifend mit unserem menschlichen Gehirn nicht antizipieren können: denn auch eine exponentielle Entwicklung fühlt sich zu Beginn linear an und genau an dieser Stelle brechen wir tendenziell und mit großer gefühlter Sicherheit Zukunftsprojekte ab.

Mit seinem super eloquenten und substantiellen Vortrag bestärkte Martin Wezowski die neue Rolle des Designers (im Sinne des Design Thinkings) in Organisationen. Denn schließlich gehe es drum, das nächste „Ding“ zu kreieren, das eben kein „Ding“ mehr sein wird. Als Dirigent der Vorstellungskraft all jener, die sich mit einbringen können und wollen.

John Hagel ergänzte diesen Zugang mit seiner wie immer klaren Vision zu einer fundamentalen Neudefinition von Arbeit. In einer Zeit der exponentiellen Veränderung geht es darum die Veränderung und Anpassbarkeit, was laut John Hagel nur schaffbar ist, wenn eine Organisation skalierbar schnell lernt, jeden Tag, on the Job, buchstäblich bei jedem Handgriff umzusetzen. Große Institutionen haben dafür weiterhin ihre Berechtigung, schließlich lernt man schneller in größeren Gebilden.

John Hagel wagte dabei auch eine Prognose, welche Arten von Jobs, im Zeitalter der Robotisierung, Zukunft haben. Jobs, in denen Menschen ihre Stärken ausspielen können: (Kunst)Handwerk im weitesten Sinne, in der Beratung (vor allem in der Form des Coachings) und Erlebnis Designer!

Und erneut bestärkte John Hagel seine These, dass dieses Neue nur am Rande, weit weg von klassischen Institutionen passieren kann. Schließlich seien diese auf Effizienz ausgerichtet und nicht auf´s Experimentieren. In die kreative Außenstelle oder das Innolab schicke man am besten eine Führungskraft, die verspricht, nicht mehr zurück zu kommen, mit einem Thema, das das Potenzial hat zu skalieren und zum neuen Geschäftsmodell zu werden. Nur so wäre das Immunsystem großer Organisationen, wie es John Hagel nennt, zu umgehen. Erfolgreich zu umgehen.

Wenn es dann um die Skalierung des eigenen, neuen Business geht, dann kommt Amin Toufani ins Spiel, der ein deutliches Plädoyer für die nächste Stufe der ökonomischen Kraft, dem Aufbau von Ökosystemen skizzierte. Was das für uns bedeutet? Das Abgehen vom klassischen Denken in Competition, hin zu Cooperation – gemeinsam mehr von viel, als alleine viel von wenig.

Warum uns der Übergang ins Neue Zeitalter nicht nur leicht fallen wird, konnte Amin Toufani mit einfachen Beispielen demonstrieren, so wird etwa die Einführung selbstfahrender Autos 6% des BIP kosten. Eine Tatsache, mit der sich Politiker tendenziell noch nicht beschäftigt haben. Auch Toufani sieht einen klaren Vorteil für Menschen (vs. Maschinen) im neuen Zeitalter: denn das zu verhandelnde Grundeinkommen, führt laut aktuellen Studien zur 3 mal größeren unternehmerischen Aktivitäten, als unser heute gültiges Lohnsystem.

Soweit ein Auszug aus meinen Schlüsselerkenntnissen für die Digitale Transformation, für die ich jeden Tag gemeinsam mit meinen Kunden und meinem Team aktiv bin.

Last but least auch noch erste Highlights zur neuen Basistechnologie Blockchain, für die es mittlerweile ernstzunehmende, öffentliche Anwendungen gibt, wie etwa das Sozialsystem in Estland, das komplett auf der Blockchain abgewickelt wird, oder das Grundbuch in Schweden, Honduras und Georgia.

Wie Sie das alles umsetzen können? Dafür haben wir ein Framework entwickelt, den Agile Innovation Cycle, den wir in Kürze auf diesem Blog und am 23. Juni im Rahmen eines Digital Transformation Breakfast uraufführen werden – ich freue mich über Austausch dazu, gerne per Mail an sabine.hoffmann@ambuzzador.com