Social Communities – Die Angreifer 2012

Welche Social Community wird der große Durchstarter 2012? Mögliche Kandidaten: Path, Pinterest, LikedBy, So.cl, Google Schemer und Wunderkit.

Welche Social Community wird der große Durchstarter 2012? Mögliche Kandidaten: Path, Pinterest, So.cl und Google Schemer.

Derzeit scheint das Social Web so vertraut, als wäre es nie anders gewesen: Ganz oben thront Facebook, danach folgen Dienste wie Flickr, Foursquare, Tumblr und viele andere. Doch der Eindruck täuscht: Die Welt der Social Communities ist dynamisch, hochkomplex und immer für überraschende Wendungen gut. Grund genug sich einige Angreifer einmal etwas näher anzusehen, die 2012 durchstarten könnten: Path, Pinterest, LikedBy, So.cl, Google Schemer und Wunderkit.

Die mobile Dinnerparty für enge Freunde: Path

Sein Debüt feierte das in San Fancisco ansässige soziale Netzwerk Path zwar bereits 2010, steil bergauf ging es jedoch erst mit dem Relaunch Ende November 2011. Binnen zwei Wochen stieg die Zahl der täglich aktiven User auf 300.000 pro Tag an. Insgesamt haben sich über eineinhalb Millionen Menschen Path heruntergeladen. Laut Alexa liegt Path.com global auf Platz 15.503 der meistbesuchten Seiten im Web, in Österreich sogar auf Platz 6.865.

Das ist insofern nicht übel, da man mit dem Browser auf Path gar nicht zugreifen kann. Path ist eine iPhone- und Android-App, die für wirklich enge Freunde und Verwandte gedacht ist. Die Zahl der Kontakte wurde daher auf 150 beschränkt. Dementsprechend fallen auch die Features aus: Neben Fotos, Videos, ortsbezogenen Daten und Musik können User auch ihre Schlaf- und Wachzeiten auf ihren Pfad posten.

Das GPS-Tracking sendet auf Wunsch sogar Auto-Updates und meldet Abweichungen von gewohnten Routen. Verknüpfungsmöglichkeiten bestehen bei Path zu Facebook, Twitter, Foursquare und Tumblr.

Ob Path für Unternehmen – außer zur Kontrolle von Außendienstmitarbeitern – nützlich sein könnte, ist derzeit eher fraglich. In dem intimen Umfeld, das Path zu kreieren versucht, könnten kreative Marketingideen einen schweren Stand haben. Trotz zahlreicher Vorzüge wie dem vielgelobten Design und der bewusst persönlich gehaltenen Atmosphäre bleibt abzuwarten, wie viel (teils automatisierte) Intimität Smartphone-User wirklich ertragen können.

Der Social Catalog: Pinterest

Vieles spricht dafür, dass sich der 2010 gestartete „Social Catalog Service“ Pinterest mit Sitz in Palo Alto zu einer neuen Größe im Social Web mausert. Laut Alexa verzeichnet die interessensgeleitete Community ein kontinuierliches Wachstum und belegt weltweit bereits Platz 162 auf der Rangliste der meistbesuchten Webseiten. Sechs Millionen User besuchen Pinterest derzeit pro Monat und generieren dabei viele Millionen Hits pro Woche – trotz Invite-Phase.

Content ist bei Pinterest der König. User können sogenannte „Boards“ erstellen, die sich mit spezifischen Themen auseinandersetzen, wie etwa Design, Bildung, Film, Musik, Fitness oder der Gärtnerei. Einzelne Einträge auf den Boards heißen „Pins“, bestehen typischerweise aus einem Foto (es gibt allerdings auch Videos) und einem kurzen Begleitkommentar. Der soziale Aspekt beruht auf dem von Twitter bekannten Followerprinzip. User können anderen Usern oder auch nur einzelnen Boards folgen sowie Pins liken, „repinnen“ und kommentieren.

Die Durchlässigkeit zum freien Web und anderen Plattformen wird bei Pinterest groß geschrieben. Das zeigt sich nicht nur an der Verknüpfbarkeit mit Facebook und Twitter, sondern auch an der RSS-Tauglichkeit sowie an den Embed- und E-Mail-Buttons. Umgekehrt wurden in anderen Communities bereits erste Pin-Buttons gesichtet.

Für Unternehmen eignet sich Pinterest durchaus zur Selbstvermarktung, wie etwa die US-Reiseagentur „Croft Global Travel“ beweist. Manche sprechen sogar schon von „Pinterest-Marketing“. Besonders clever: Bei jedem Pin wird die Quelle genannt – „und zwar als dofollow-Link“.

Angesichts der eingeschränkten Funktionen ist zwar eher auszuschließen, dass Pinterest einem Social-Media-Riesen wie Facebook jemals gefährlich werden könnte. Doch die Beliebtheit von Nischen-Communities wie Tumblr legt nahe, dass Pinterest mit nachhaltigem Erfolg gesegnet sein könnte.

Die Pinboard-Alternative aus Berlin: LikedBy

Dass es sich bei Pinterest um mehr als nur eine weitere Social Community handelt, beweist das 2011 gegründete Berliner Startup LikedBy. In Deutschland rangiert LikedBy laut Alexa auf Rang 14.074, global auf Platz 534.473.

LikedBy erinnert in vielerlei Hinsicht an Pinterest, was die Unternehmensgründer auch gar nicht verschweigen: Man habe sich von von Pinterest und Co. inspieren lassen und das Grundkonzept übernommen, nicht aber den Content – und das sei für sie entscheidend. Das Hauptaugenmerk von LikedBy soll sich eher auf das Community-Element richten. Ein weiterer Unterschied zum großen Vorbild besteht in der direkten Vernetzung mit Facebook.

Man darf gespannt sein, wie sich LikedBy behaupten können wird. Eines scheint jedoch klar: Pinboard-Plattformen wird man sich merken müssen.

Microsofts Such-Community: So.cl

Vor rund einem Monat startete Microsoft So.cl, eine speziell an Studierende gerichtete Community, die bei Web-Suchen behilflich sein soll. Laut Alexa verharrt So.cl nach der anfänglichen Neugier der Netzgemeinde eher in der Bedeutungslosigkeit: Global auf Rang 30.136, in Österreich immerhin auf Platz 5.275.

Die Besonderheit des optisch an Google+ angelehnten Netzwerks ist zweifellos die Suchfunktion: Suchanfragen werden automatisch anderen Nutzern mitgeteilt, um sie User auf interessanten Content aufmerksam zu machen. Bewerkstelligt werden die Suchen naturgemäß mit Microsofts hauseigener Suchmaschine Bing, die auch bei sogenannten „Rich Posts“ zum Tragen kommt.

Ein Rich Post setzt sich aus mehreren Suchergebnissen zusammen, die per Mausklick zu einem großen Statusupdate zusammengepappt werden. Natürlich können User auch ganz normale Beiträge aus Text, Fotos und Videos posten; ein Facebook-Konkurrent will So.cl („social“ ausgesprochen) aber nicht sein. Daneben gibt es noch ein Feature namens „Video Parties“, das es Nutzern erlaubt, gemeinsam Videos online anzusehen und via Chat darüber zu diskutieren.

Inwiefern diese Eigenheiten jemals Marketingrelevanz haben könnten, ist schwer abzusehen. Dazu befindet sich So.cl noch zu tief in der Beta-Phase. Ob es jemals ein großes Interesse geben wird, unter öffentlicher Beobachtung Suchanfragen auf Bing zu tätigen, darf jedoch angezweifelt werden.

Der soziale ToDo-Dienst: Google Schemer

Nahezu unbemerkt blickte im Dezember 2011 Google Schemer das Licht der Welt, ein sozialer ToDo-Dienst, der bei der Organisation von Aktivitäten behilflich sein will. Glaubt man Alexa, ist Google Scheeemer derzeit auf Platz 30.139 der meistbesuchten Web-Seiten. Das zu Beginn gesteigerte Interesse flaute nach dem Release rasch ab. Allerdings steckt Schemer ja noch in der invite-only Betaphase.

Das Prinzip ist einfach: Nutzer können Aktivitäten posten, die sie gerne tun möchten – das kann ein Konzertbesuch sein, die Teilnahme an einem Marathon oder das Backen eines Kuchens. Natürlich können sie auch nach Ideen anderer suchen, sie durchstöbern oder von Google Schemer filtern lassen. Schemer empfiehlt Aktivitäten nach Relevanz und lernt vom Verhalten des Nutzers. Wird ein User fündig, kann er ein ToDo übernehmen. Auf diese Weise können sich die Nutzerinnen und Nutzer zusammenschließen.

Wenig überraschend hat Google auch hier eine Verknüpfung zu Google+ eingeplant, wovon die Einbindung des Kreisesystems zeugt. Natürlich ist der soziale ToDo-Dienst auch für Android erhältlich.

Für Unternehmen könnte Google Schemer ein brauchbares Tool sein, gesponserte Events zu pushen oder Guerilla-Aktionen durchzuführen. Fast scheint Googles Antwort auf Facebook Events wie gemacht für Flashmobs zu sein. Das Social Web neu aufmischen wird der Dienst wohl nicht – für ein sympathisches Nischendasein reicht es jedoch allemal.

Der elegante Produktivitäts-Turbo: Wunderkit

Eben erst aus dem Ei geschlüpft, trotzdem herrscht bereits massiver Andrang – dieses Kunststück hat das Berliner Startup 6Wunderkinder vollbracht. Mit Wunderkit haben die Entwickler der höchst erfolgreichen Wunderlist nun einen Taskmanager präsentiert, der mehr kann als bloß ToDo-Listen erstellen. Schon jetzt haben über 100.000 User ihre E-Mail-Adresse deponiert, um Wunderkit testen zu dürfen.

ToDo-Listen sind im „Facebook für Produktivität“ (Martin Weigert) in sogenannten „Workspaces“ zu finden, die entweder privat oder öffentlich eingestellt werden können. Die Schaltzentrale eines Workspace ist das Dashboard, wo auch Statusupdates und die nach dem Followerprinzip organisierten Kontakte angezeigt werden. Der Clou: Workspaces können kollaborativ verwaltet werden; Mitglieder können gleichberechtigt Notizen schreiben und Tasks eintragen.

Für Unternehmen ist Wunderkit natürlich für allem als Projektmanagement-Tool attraktiv. Die ersten Reaktionen fielen trotz Pannen beim Launch tendenziell positiv aus. Besonders hervorstechend ist das noble Design. Derzeit spricht jedenfalls viel dafür, dass Wunderkit von der Netzgemeinde auch tatsächlich angenommen werden wird.

Fazit: Von allen vorgestellten Communities hat allem voran Pinterest das Zeug dazu, 2012 groß durchzustarten. Als die Überraschung des Jahres könnte sich Wunderkit herausstellen.

Quellen:
http://www.huffingtonpost.com
http://techcrunch.com
http://www.pcmag.com
http://socialmediatoday.com
http://www.msnbc.msn.com
http://thenextweb.com
http://techcrunch.com
http://blog.dawanda.com
http://bjoerntantau.com
http://www.gruenderszene.de
http://www.spiegel.de
http://futurezone.at
http://blog.viermalvier.at
http://mashable.com
http://solariz.de
http://netzwertig.com
http://codecandies.de
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