Wenn Blogger die Modeszene auf den Kopf stellen…

„Wenn Prada Pakete schickt“ lautete Mitte April der Titel einer Session auf der Web 2.0 und Blogger-Konferenz re:publica in Berlin. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Modeblogs in der vergangenen Zeit einen wahren Aufschwung erleben und immer mehr ins Scheinwerferlicht rücken. Normalerweise müsste man meinen, dass sich Modeinteressierte über ein zunehmendes Interesse an der Modewelt freuen. Dass diese Präsenz jedoch nicht allen gefällt, wurde bei einem Interview mit Anna Wintour, Chefredakteurin der amerikanischen Ausgabe der Vogue und jene Mode-Hoheit, die im Film „Der Teufel trägt Prada“ als – nennen wir es zurückhaltend – nicht so umgängliche Chefin porträtiert wurde, offensichtlich.

vogueGerade was die USA betrifft, sieht man sich hier mit einem anhaltenden Erfolg junger Fashion-Blogger konfrontiert, die etablierten Magazinen wie eben bspw. der Vogue mächtig Konkurrenz machen. Und so ist es wohl auch wenig verwunderlich, dass Anna Wintour nicht gerade mit Wohlwollen diese Entwicklung beobachtet. Als sie nach einem Vortrag bei einer Veranstaltung zugunsten des verstorbenen Modefotografen Irving Penn zum Thema Fashion-Blogs befragt wurde, konnte sie mit Kritik nicht zurückhalten. Als man ihre Meinung über die Bedeutung von Modeblogs in der Zukunft wissen wollte, soll es aus ihr herausgeplatzt sein: „Wir begrüßen natürlich jede Diskussion über Mode. Je mehr über Mode geredet wird, desto besser. Aber, verzeihen Sie bitte, wir haben den Eindruck, dass viele der Neuankömmlinge in dieser Welt nicht ganz das Verständnis für Mode und nicht ganz die Erfahrung haben, die sie haben sollten.“ Der New Yorker Klatsch- und Tratsch-Website Gawker.com zufolge, soll der aggressive Ton dieses Kommentars nicht zu überhören gewesen sein. Verständlich möge man fast meinen, denn war die Informationsquelle Nummer 1 für Modefragen in den vergangenen Jahren unangefochten das Modemagazin, stellen die Modeblogs nun eine echte Bedrohung für die Printmedien dar. Die Modebranche wirbt zunehmend auf den, in Relation, günstigen Seiten der Blogger, welche wiederum aus purer Freude und Interesse an der Mode vom Wohnzimmer aus die neuesten Trends kommentieren.

Wirklich fürchten muss sich Anna Wintour derzeit noch nicht, sie gilt immer noch als mächtigste Frau der Modeszene und doch scheint diese Macht langsam an Farbe zu verlieren. Modebloggerinnen wie die 14-jährige Tavi Gevinson mit ihrem Modeblog „Style Rookie“ werden zusehends attraktiver für Designer. Auch Jane Aldridge verzeichnet mit ihren gerade mal 18 Jahren bereits 70.000 tägliche Besucher auf ihrem Blog „Sea of Shoes“, Magazine wie Vanity Fair und Teen Vogue berichteten über sie und für den Designer Urban Outfitters hat sie bereits selbst ihre ersten Schuhe entworfen. Große Designer erkennen den Wert, den die jungen ModebloggerInnen bei ihrer Anhängerschaft haben und sind stark daran interessiert, Kontakt zu ihnen zu bekommen. Und so werden ModebloggerInnen in Amerika oft zu den angesagtesten Fashionshows eingeladen und erhalten das Privileg in der ersten Reihe zu sitzen. Statt sündhaft teuren Fotoshootings reichen den ModebloggernInnen eine handliche Digicam und flüchtige Schnappschüsse, um dennoch genügend Aufsehen auf ihren Blogs zu erregen.

Was bei den USA bereits normal ist, lässt die deutschsprachigen Blogger vielleicht noch mit Neid nach Amerika blicken. Hierzulande wird man noch nicht zur New Yorker Fashion Week eingeladen und mit Mustern und Geschenken sowie lukrativen Werbedeals überhäuft, die aus dem Hobby einen Beruf werden lassen. Zwar gibt es ab und an mal kleinere Geschenke, Prada hat – zumindest den Modebloggern der re:publica – jedoch noch kein Paket geschickt. Aber auch hierzulande nimmt die Bedeutung von Modeblogs immer mehr zu, ein Trend, den auch Verlage erkennen. So kommt beispielsweise der bekannte deutschsprachige Modeblog „LesMads“ aus dem Hause Burda.

Eine spannende Entwicklung die sich hier in jüngster Vergangenheit abzeichnet und man darf gespannt sein, wohin diese Reise noch gehen wird. Nur ein vorübergehender Hype oder doch mehr? Wir werden sehen…

Bild- und Textquellen:
derStandard.at
Tagesspiegel.de
Foto: IMAGO