Das Ende des Flashmobs

Das Phänomen Flashmob hat das Glitzern vergangener Tage offensichtlich verloren. Das effiziente Buzz Werkzeug aus der Marketing Trickkiste vieler Unternehmen ist heute wahrscheinlich nicht einmal mehr die geringen Kosten, die es verursacht, wert. Über Trommeln, Tänzer und T-Mobile.

Es scheint ein ganz normaler Tag im New Yorker Central Park zu sein. Ein altes Pärchen füttert Vögel mit Krümel, Kinder laufen um einen Brunnen, ein Mann liest seelenruhig seine Zeitung. Plötzlich setzen sich zwei Männer auf die nahe liegende Parkbank und schlagen auf Kübeln und Trommeln. Ein Drum-Rhythm hallt durch den Park. Die in der Nähe stehenden Menschen werden darauf aufmerksam. Plötzlich nähert sich ein Mann in Business Uniform. Er wippt zum Rhythmus, die Melodie scheint ihn zu erfassen, er beginnt zu tanzen. Die Verwunderung der Menschen wird durch die Tatsache gesteigert, dass immer mehr scheinbar „normale“ Passanten zu solchen Tänzern mutieren und sich beteiligen. Die meisten Menschen zücken ihre Handies und filmen, einige bewegen sich zögerlich-elegant zum Rhythmus mit und sehen gespannt den Verlauf des Geschehens. Nach einigen Minuten ist das Spektakel allerdings auch schon wieder vorbei und der Mob löst sich auf.

Das Prinzip des Flashmobs charakterisiert den Trend Flashmob eigentlich ganz gut. Ein rasches Aufflackern gefolgt von einem plötzlichen Ende. So schnell er sich in die Herzen jedes Querdenkers gespielt hat, so schnell ist er nun wieder von der Bildfläche verschwunden. Berühmte Beispiele zeigen, dass sich vor allem Private organisierten um Mobs zu starten, jedoch auch Unternehmen die Gelegenheit erkannten mittels Menschenmassen Aufmerksamkeit zu erregen. Der Flashmob ist aber mittlerweile nicht mehr die ganz außergewöhnliche Form des Buzz Marketings, die sie einmal war. Eine zufällig und plötzlich scheinende Menschenmasse veranstaltet für einen bestimmten Zeitraum etwas (meist) ganz sinnfreies um sich wenig später wieder aufzulösen und den Alltag weiter walten zu lassen. Buzz deshalb, weil die Organisation solcher Mobs über neue Medien funktioniert und nach dem Prinzip des Schneeballsystems (word-of-mouth) gearbeitet wird. Bekannte Beispiele sind als sich 2006 fast 4.000 Teilnehmer in verschiedenen Londoner U-Bahn Stationen versammelten und zu Musik tanzten, die sie über MP3-Player hörten oder der größte Flashmob aller Zeiten, als sich 2008 über 25 Städte dieser Welt beteiligten und sich tausende Menschen eine Kissenschlacht lieferten. Flashmobs sind grundsätzlich sinnfrei, oftmals haben sie aber auch politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund. Noch gut in Erinnerung ist die T-Mobile Flashmob Kampagne „Life’s for sharing“ als engagierte Tänzer und zufällige Personen in der Liverpooler Bahnstation zu Musik aus den Lautsprechern tanzten oder am Trafalgar Square Karaoke sangen.

Der um die Jahrtausendwende aufkommende Trend des Flashmobs scheint nun aber wieder sein Ende zu nehmen. War diese Idee des organisierten Zusammenkommens vor einigen Jahren noch frisch und verbreitete sich über Social Media wie ein Lauffeuer, so wissen Leute mit einem Flashmob heutzutage schon weniger anzufangen und sind auch nicht mehr gänzlich interessiert. Bestes Beispiel ist eingangs erwähntes, initiiert von der Agentur Malibu im New Yorker Central Park. Eine Woche nach Ablauf der Tanz-Kampagne gibt es nicht einmal 100.000 Viewer auf Youtube. Das haben andre Flashmobs schon nach wenigen Stunden erreicht. Selbiges gilt für den Trololo-Flashmob in Barcelona

Das ist sehr bedauerlich, da die Kampagne eigentlich ganz ähnlich zu erfolgreichen Vorgängern ist (jedoch hierbei weit mehr Tänzer engagiert hätten werden müssen). Generell ist der Wow-Effekt jedoch schlicht und ergreifend verblasst, da der Flashmob heutzutage nicht mehr das Glitzern des „Besonderen“ vergangener Tage hat. Das Scheitern dieser Erscheinung trifft aber hauptsächlich den kommerziellen Flashmob. Im Mittelpunkt muss „Authentizität und Spaß“ sowie Spontanität stehen, um den Erfolg des Phänomens der Generation Social Media zu erreichen. Flashmobs leben vom „element of surprise“ und lassen sich in dieser Form eben nicht gerne von Unternehmen oder Marken instrumentalisieren (brainwash.webguerillas).

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