4Gamechangers: Die Welt retten wir nur gemeinsam.

Niemand, der „irgendwas mit Medien“ macht, kam in den letzten Wochen am 4Gamechanger Festival vorbei. Hippe Location, Hashtag-Name, Start-Up Schwerpunkt, YouTuber, Bands und ein Oscarpreisträger standen am Programm. Die gute Nachricht: Nicht nur marketing-technisch hat ProSiebenSat1Puls4 vieles richtig gemacht.

Als erste Gamechangerin steht Randi Zuckerberg auf der Bühne und erzählt, wie sich das Unternehmen, das sie gemeinsam mit ihrem Bruder gegründet hat, trotz steilem Wachstum den Entrepreneurial Spirit des Einzelnen erhalten hat. Für mich die erste Lektion des Tages sind ihre Highlights aus den jährlichen Hackathons. Die Kunde der nächtlichen freien Sessions, in denen Teams an selbstgewählten Projekten arbeiten, hat auch außerhalb des Silicon Valley Gehör gefunden. Die Legende sagt, dass dabei große, geniale Innovationen entstehen. No pressure also, wenn der Chef das nächste Mal Bier und Pizza zahlt, erwartet er nur mindestens das nächste Facebook. Da entspannt es – und darum geht es ja! – von Zuckerbergs Hackathon-Ergebnissen zu hören: Die Gründung einer 80s Cover Band (Slogan: „We play for free and you get what you pay for.“). Oder die App, die das iPhone mit einem Trampolin verbindet – und nur der exakt selbe Sprung auf dem Trampolin schaltet das Handy wieder frei.

Lession learned: Genau diese Spaßprojekte sind wichtig und nehmen die Angst davor, wirklich out-of-the-box zu denken. Denn besser als Randis Band wird es allemal.

Als nächstes auf der Bühne ist David Wilkinson von Cambridge Analytica und ganz ehrlich: einen Königsmacher habe ich mir anders vorgestellt. Seine vorgestellte Strategie, wie seine Agentur Trump zum Präsidenten gemacht hat, wird von Ingrid Brodnig im anschließenden Panel schnell entzaubert. Auch Franziska neben mir ist nicht beeindruckt: „Sie haben also Targeting gemacht, urviele verschiedene Werbemittel und dann mächtig viel Geld reingesteckt. Aha.“ Zumindestens in dieser Keynote ist von dem Trump-Data-Hype wenig mitzubekommen. Klare und fundierte Position von Ingrid Brodnig auch zum Thema Fake News: Durch den Facebook Algorithmus bekommen laute, emotionale Stimmen mehr und mehr Gewicht. Dazu fällt mir erschreckenderweise Tocotronic ein … so war das damals nicht gemeint!

Wer ist Mission Control for Humanity? #4Gamechanger #businessmom

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Spannend ist danach die Diskussion vor allem zwischen Gerd Leonhard (Humanist) und Neil Harbisson (Cyborg. Ja wirklich! Eigentlich farbenblind, kann er durch eine implantierte Antenne Farben wahrnehmen.). Durchaus philosophische Fragen prallen hier aufeinander, etwa wer die Aufgabe einer Mission Control of Humanity übernimmt oder ob der Mensch ein Recht darauf hat, sich selbst zu designen und technologisch zu verbessern. Nachhaltig beeindruckt hat mich Harbissons Geschichte von Moon Ribas: Ein Implantat in ihrem Ellbogen vibriert immer, wenn irgendwo auf der Welt die Erde bebt.

She says, I have two heartbeats. My own and the heartbeat of the earth.

Nachdenklich stimmt mich das folgende Panel rund um die Frage „Welche Jobs bringt die Digitalisierung?“ Gefühlt dreht sich die Diskussion um Jobverluste, Notwendigkeit neuer Skills und die Gewinner und Verlierer der Digitalen Revolution seit gut einer Dekade im Kreis. Konkrete Umsetzungen sind punktuelle Leuchtturmprojekte, die geforderte digitale Fitness ab dem Kindergarten wirkt lächerlich angesichts meiner Tochter, die mit 8 Monaten schon am iPhone herum swiped. Sie sitzt heute mit mir im Publikum und wird (hoffentlich) als Erwachsene über unsere Sorgen und Bedenken rückblickend milde lächeln.

Ob wir bis dahin wohl auch die Sorgen rund um die Migration aufgelöst haben? Daran arbeitet der Stargast des Festivals: Oscarpreisträger Forest Whitaker stellt in einer bewegenden Rede seine Foundation vor. In der nachfolgenden Diskussion kann Paula Schwarz (Startupboat) in Sachen Leidenschaft und Charisma locker mithalten. Für sie müssen Technologie und Systeme den Menschen dienen, nicht umgekehrt:

If the system is created and people don’t fit anymore, it’s the system that is wrong. Not the people.

Der Auftrag an die Gamechangers ist also klar: Immer wieder Systeme hinterfragen und im Sinne der Menschen ändern. Challenge accepted!