Für die Entscheidung, Suchmaschinentreffer an Google+ auszurichten, erntet Google derzeit massive Kritik. Was sind die Folgen für das Social Web?
Seit dem Beta-Release von Google+ wird über die Erfolgsaussichten des Google-Netzwerks eifrig spekuliert: Wird Google+ zu einem ernsthaften Konkurrenten von Facebook? Wird es gar zu einem Twitter-Killer oder ist Google+ einfach bloß ein zusätzliches Angebot unter vielen? Bislang schienen alle Anzeichen auf Letzteres hinzudeuten. Doch nun setzt Google verstärkt auf seinen Joker: Seinen Such-Algorithmus.
Google: Search Plus Your World
„Wir wandeln Google in eine Suchmaschine um, die nicht nur den Content versteht, sondern auch die Menschen und ihre Beziehungen“, verkündete Google vor wenigen Tagen in einem Blogpost. „Wir starteten diese Umwandlung mit Social Search und setzen heute einen weiteren Schritt in diese Richtung, indem wir drei neue Features einführen“:
- Persönliche Ergebnisse: Ermöglichen die Suche nach Informationen, die nur für einen bestimmten User bestimmt sind, wie etwa Postings und Fotos auf Google+, die nur für einen bestimmten Nutzerkreis gedacht sind.
- Profile in der Suche: Ermöglichen es, Personen zu finden, an denen man – aus welchen Gründen auch immer – interessiert ist. Werden sowohl in den Ergebnissen als auch via Auto-Vervollständigung angezeigt.
- Menschen und Seiten: Erleichtern das Finden von Personen und Seiten auf Google+.
All das zusammen ergibt „Search Plus Your World“:
Kritik von Twitter
Bei der Konkurrenz stößt das naturgemäß auf wenig Gegenliebe. Besonders bei Twitter zeigt man sich über Googles neuen Weg entsetzt. Dies sei ein „schlechter Tag für das Internet“, so Twitter-Justitiar Alex Macgillivray in einem Tweet. Google sei damit nicht mehr der neutrale Helfer bei der Suche nach Informationen, der es einst war, so die Argumentation aus dem Hause Twitter. Denn oftmals ist es eben so, dass Neuigkeiten zuallererst auf Twitter zu finden seien.
Bei Google zeigt man sich über die Reaktion offiziell verwundert: Man hätte ja gerne auch weiterhin Ergebnisse aus Tweets angezeigt, doch da der Vertrag mit Twitter nicht verlängert wurde und Google keinen Zugriff auf die API habe, ginge das eben nicht mehr. „Auf den ersten Blick sieht dies wie ein Konflikt unter IT-Firmen um das soziale Web aus – aber dahinter steckt mehr“, kommentiert Johannes Kuhn im „Digitalblog“ auf Sueddeutsche.de.
Parteiische Suchmaschinentreffer?
Hinter dem Scharmützel steckt nichts Geringeres als die Frage, ob und wie sehr Google seine Dienste bevorzugen darf. Denn obwohl „Search Plus Your World“ sich bloß auf die Suche von eingeloggten Nutzern von Google+ auswirkt (oder besser gesagt auswirken sollte), „bin ich mir nicht sicher, ob sich die Angelegenheit sehr von Microsofts Verschränkung des Internet Explorers mit Windows unterscheidet“, gibt Techcrunch-Kolumnist MG Siegler zu bedenken. Nach langen juristischen Streitigkeiten hat sich Microsoft Ende 2009 schließlich dazu verpflichtet, den (europäischen) Anwendern die freie Wahl des Webbrowsers zu gewähren.
Danny Sullivan veranschaulicht die Problematik auf Searchengineland.com anhand der kalifornischen Sängerin und Songwriterin Katy Perry: „Mit nahezu 40 Millionen Fans hat Katy Perry einen der erfolgreichsten Facebook-Accounts überhaupt. So weit ich weiß ist sie aber nicht auf Google+. Daher wird sie nicht als Musikkünstlerin erwähnt (als die sie ziemlich relevant ist), solange sie nicht damit anfängt, Google+ zu verwenden.“
Bis der Konflikt geklärt ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Wenn Googles umstrittene Strategie jedoch tatsächlich aufgehen sollte, könnte der Suchmaschinen-Riese sein Ziel längst erreicht haben: Die massive Aufwertung von Google+.
Quellen:
http://googleblog.blogspot.com
http://www.zdnet.de
http://www.sueddeutsche.de
http://parislemon.com
http://searchengineland.com
http://www.youtube.com/Google (Screenshot)


