Wie viel ist ein Lied wert? Geht es nach dem neuen Musikdienst Disrupt.fm, dann beträgt der Preis für einen Song genau ein Facebook-Update. Für Künstler wie Hörer könnte sich diese Idee zu einem zukunftsträchtigen Modell entwickeln.

Die Diskussion ist fast so alt wie das Internet selbst: Ist Filesharing von urheberrechtlich geschütztem Material ein räuberischer Akt, der die Musikindustrie ruiniert hat und Künstler um ihr Brot bringt, wie Plattenkonzerne meinen? Oder ist das Wort „Raubkopie“ eine irreführende Metapher, das gesamte Urheberrecht bloß eine überholte Konvention? Viele Netzaktivisten argumentieren, dass es sich bei der kostenlosen Verbreitung von Songs auch um eine kostenlose Werbung für die Künstler handelt. Wenn man deren Musik erst einmal so richtig kennen und schätzen gelernt hat, so die Argumentation, ist man danach umso mehr bereit, für seine Lieblinge Geld locker zu machen. Doch stimmt das auch?
Wissenschaftliche Studien zu dem Thema ergeben kein eindeutiges Bild. Der Kulturwirtschaftsforscher Peter Tschmuck, der im vergangenen Jahr einen Vergleich von 23 Studien zu diesem Thema präsentiert hat, ist jedenfalls zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Zwar sehen 20 der 23 höchst unterschiedlichen Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen kostenlosem Bezug von Musik und dem Rückgang des Tonträgerverkaufs, allerdings kommen 5 dieser 20 Studien zu dem Schluss, dass das Ergebnis ohne Tauschbörsen für die Musikindustrie noch schlimmer aussehen würde.
Trotz aller juristischen Drohgebärden scheinen sich auch die Majors ihrer Sache nicht ganz sicher zu sein. Laut Michael Robertson von MP3Tunes beschäftigt EMI sogar „ein Team an Werbeleuten, Künstlern und Agenten“, um kostenlose Songs von EMI-Künstlern auf Seiten wie Rapidshare zu verbreiten. Doch das müsste in Zeiten von Social Media eigentlich auch eleganter gehen – das scheint sich zumindest Dave Glassanos bei der Gründung von Disrupt.fm gedacht zu haben.
Disrupt.fm ist ein neuer Musikdienst, der mit dem viralen Wert von Gratissongs punkten möchte. Das Prinzip ist simpel: Künstler können ihre Musik bei Disrupt.fm hochladen, die wiederum jeder User gratis downloaden kann. Der einzige Preis, den ein User bezahlen muss, ist ein Facebook-Update. Der heruntergeladene Song wird automatisch auf die Pinnwand des Users gepostet und kann dort als Stream angehört werden. Ein Song für ein Update – bei durchschnittlich 130 Facebook-Freunden ein durchaus faires Geschäft.
Klar: Nicht für jeden Musiker und jeden Song wird die kostenlose Verbreitung via Disrupt.fm attraktiv sein. Doch gerade für Newcomer könnte sich das Modell als wegweisend erweisen.
Quellen:
http://www.heise.de
http://mashable.com
http://www.hypebot.com
http://www.disrupt.fm (Screenshot)
Tags: Disrupt.fm, facebook - Gepostet von Rafael Buchegger






















