Mit Facebook Messages will Mark Zuckerberg sein Online-Netzwerk zum zentralen Knotenpunkt digitaler Kommunikation machen. Klingt verführerisch, der Erfolg ist aber ungewiss.

Die Nachricht, dass Facebook seinen Usern künftig nun auch eine eigene E-Mailadresse anbieten will, schlug fast ein wie eine Bombe. Ist Facebooks E-Mailservice der Google-Mail-Killer? Ein Generalangriff auf Mailanbieter wie Yahoo oder GMX?
Das bleibt freilich abzuwarten. Eines steht jedoch fest: Facebook Messages ist kein vollständiger E-Maildienst, auch wenn die neuen „@facebook.com“-Adressen formal ganz danach aussehen. Doch gibt es weder einen Betreff, noch lassen sich Nachrichten via CC oder BCC an mehrere Empfänger gleichzeitig senden. Ein einziger Druck auf die Enter-Taste genügt, um sie abzuschicken. Stattdessen versucht sich Facebook Messages zum Knotenpunkt aller digitalen Kommunikationsformen zu machen – für Chats, E-Mails, SMS, Nachrichten und Status-Updates.
Die Vorteile für Facebook-User liegen auf der Hand: Statt etwa mühsam diverse Mail-Accounts checken zu müssen, können die Nutzerinnen und Nutzer ihre Nachrichten bequem von ihrem Lieblingsnetzwerk aus verwalten und so auch mit jenen Menschen kommunizieren, die dort selbst gar nicht angemeldet sind. Ganz Facebook-typisch ordnet der Unified-Messaging-Dienst die Mitteilungen nicht thematisch, sondern nach sozialen Gesichtspunkten. Egal, welche Kommunikationsform: Facebook Messages fasst jeglichen Austausch mit einer Person unter deren jeweiligen Namen zusammen.
Freilich werden auch diesmal wieder erhebliche Datenschutzbedenken laut, zumal Facebook diesbezüglich nicht unbedingt den besten Ruf genießt. „Das Angebot, das Facebook seinen Nutzern unterbreitet, klingt zunächst verlockend“, schreibt etwa Carsten Knop in einem Kommentar für die FAZ, doch „sollte der Nutzer von diesem Paradiesapfel die Finger lassen.“ Knop gibt zu bedenken, dass niemand auch nur einem Staat der Welt so viel Vertrauen schenken würde, ohne richterlichen Beschluss auf sämtliche persönliche Briefkästen zuzugreifen. „Warum sollte ausgerechnet Facebook dieses Privileg erhalten, um die Daten dann auch noch vor unerlaubten Zugriffen Dritter zu schützen?“
Doch nicht nur die beinahe schon traditionell Web-kritische Frankfurter Allgemeine ist skeptisch. Für Kritik sorgt vor allem, dass Facebook mit seinem Unified-Messaging-Dienst nun auch an Informationen über das Kommunikationsverhalten von Menschen gelangen kann, die bei der Zuckerberg-Plattform gar nicht registriert sind.
Bedenken wie diese schienen dem Erfolg von Facebook bislang jedoch noch nie ernsthaft Abbruch geleistet zu haben. Schon eher könnten es ganz pragmatische Gründe sein, die über den Erfolg von Facebook Messages entscheiden. „Das ist alles noch sehr nebulös; ich bezweifle, dass eine nahtlose Multigeräte-Kommunikation so einfach funktionieren wird, wie es uns Mark in seiner Präsentation weismachen wollte“, zitiert Chip.de den Branchenkenner Jia Wu von Strategy Analytics. Die Süddeutsche Zeitung argumentiert wiederum mit der Trägheit der Masse – „Internetnutzer wechseln ihre E-Mail-Adresse nicht mal eben so.“ Allerdings, so die Süddeutsche: „Das Problem der etablierten E-Mail-Anbieter: die große Zahl der Nutzer von Facebook. So könnte es dem Rivalen gelingen, die Kommunikation im Netz an sich zu ziehen.“
Ob es so sein wird, das steht noch in den Sternen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann unter http://facebook.com/about/messages eine Invite anfordern. Facebook Messages soll den Usern in den nächsten Monaten schrittweise zur Verfügung gestellt werden.
Quellen:
http://blog.facebook.com
http://www.faz.net
http://business.chip.de
http://www.sueddeutsche.de
http://www.youtube.com/theofficialfacebook (Screenshot)
Tags: Faceboo Messages - Gepostet von Rafael Buchegger






















