Schwere Zeiten für BP: Öl im Meer, Häme im Web

Der Umgang mit der Ölpest hinterlässt am Image von BP mindestens ebenso dicke Spuren wie der Energiekonzern Öl im Golf von Mexiko. Eine Flut an satirischen Beiträgen über BP überschwemmt das Web, ihre Macher werden kurzfristig zu Stars.

start

Wenn sich ein Konzern anhören muss, dass der als mächtigste Mann der Welt apostrophierte US-Präsident ihn am liebsten in den Hintern treten möchte, dann kann man davon ausgehen, dass es für ihn derzeit nicht so gut läuft. So geschehen im Fall von BP, das nun bereits seit anderthalb Monaten versucht, der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Herr zu werden. Doch nicht nur Barack Obama ist auf den Ölkonzern sauer, sondern vor allem auch jede Menge US-Bürger. Die Folge: Ein wahrer Tsunami an User-Generated-Content, in dem BP jede Menge Fett abgekommt.

Am bekanntesten ist vermutlich der Twitter-Account @BPGlobalPR, der mit bissigen Kommentaren innerhalb kurzer Zeit über 150.000 Follower hinter sich versammeln konnte. Der echte Twitter-Account von BP, @BP_America, hat nicht einmal ein Zehntel. Der Erfolg des Satire-Accounts beruht zweifelsohne auf seiner Bissigkeit: So hieß es auf @BPGlobalPR zynisch, nachdem es BP gelungen war, wenigstens einen Teil des ausströmenden Öls abzupumpen:

bpglobalpr

In einem Interview mit ABC News nennt der als Mitarbeiter „getarnte“ Betreiber des Kanals, den „Dialog zu kontrollieren“ und vielleicht eines Tages „Geld damit zu machen“. Schließlich sei „es sein Job“: „Unternehmen mach oft viele Fehler, denn – off the record – wir wollen Geld machen, also denken wir nicht an die Konsequenzen.“

Doch nicht nur auf Twitter wird über den Ölkonzern hergezogen. Mit dem Firefox-Plugin Oil Spill wird jede Erwähnung von „BP“, „British Petroleum“, „Deepwater Horizon“ und anderen Reizwörtern mit schwarzen Ölspuren übertüncht.

oil_spill

Freilich sind Firefox-Plugins nicht der einfachste Weg, Frustration zu kanalisieren. Weit geeigneter ist da YouTube:

Knapp 140.00 Views darf sich der Sketch bereits zwei Tage nach dem Upload erfreuen. Naturgemäß ist er nicht der einzige kreative Beitrag zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auf YouTube, während andernorts Cartoons und Photoshop-Montagen BP durch den Kakao ziehen. Selbst eine mäßig höfliche Hinweistafel an einer beliebigen BP-Tankstelle kann sich in Tagen wie diesen bitter rächen:

yfrog

Trotz des PR-Desasters zeigt die Ölkatastrophe aber auch, was Talkability ausmachen kann: Man verursache eine Katastrophe, betreibe eine abgekapselte Informationspolitik und lasse der Kreativität der potenziellen Kunden freien Lauf – das ist vielleicht nicht unbedingt Marketing, aber zumindest word of mouth!

Quellen:
http://abcnews.go.com
http://blog.jess3.com
https://twitter.com
http://yfrog.com
http://mashable.com

Keine verwandten Artikel gefunden.

Tags: , - Gepostet von Rafael Buchegger





Add a comment (without Facebook Log In)