Die Hochzeit zweier Fans in einem New Yorker Apple Store sorgt für Aufsehen: Weltweit wird darüber berichtet, ein Video der Zeremonie entwickelt sich zum YouTube-Hit. Doch die Werbewirkung der Guerilla-Hochzeit scheint fraglich.
Die schönsten Geschichten schreibt das Leben, lautet ein altes Sprichwort. Doch schreibt das Leben auch die besten Scripts für Virals? Diese Frage stellt sich derzeit anlässlich einer bemerkenswerten Heirat, die vor kurzem in New York stattfand.
Es war der 14. Februar 2010, Valentinstag, als sich eine Gruppe von Menschen in einem New Yorker Apple Store versammelte. Was auf den ersten Blick wie ein Flashmob ausgesehen haben mag, hatte einen ernsthaften Hintergrund: Josh und Ting Li gaben einander das Ja-Wort. Einst hatte sich das Paar in dem Laden kennengelernt, nun wollten sie ihre Beziehung offiziell besiegeln. „Da ich nicht religiös bin, aber alles von Apple liebe, pflegte ich den Apple Store scherzhaft als meine Kirche zu bezeichnen“, so der junge Bräutigam, „Ting hatte daraufhin die Idee, hier zu heiraten“. Die Zeremonie fiel dementsprechend kurios aus.
Die Gelübde lasen das Paar von ihren iPhones ab, als Kissen für die Ringe diente ein iPod und der Priester war als Steve Jobs verkleidet – standesgemäß in schwarzem Rollkragenpulli. „Ihr müsst darauf vertrauen, dass sich die Punkte in Zukunft irgendwie miteinander verbinden. Ihr müsst an irgendetwas glauben – Eurem Bauch, Eurer Bestimmung, Eurem Leben, Karma oder was auch immer. Dieser Ansatz hat mich nie im Stich gelassen“, predigte der Priester die Lehren des heiligen St. Steve.
Die Hochzeit, deren Spaßcharakter nicht zu übersehen war, schlug hohe Wellen. So erreichte ein Video der Zeremonie innerhalb von acht Tagen stolze 160.000 Zugriffe auf YouTube:
Auch das mediale Echo kann sich sehen lassen. So berichtete unter anderem der britische Telegraph…



…PCWorld und viele, viele andere.

War das „iDo“ dieser „iLovebirds“ also eine geniale Guerilla-Aktion, die eben zufällig vom Leben selbst geschrieben wurde? Nur bedingt. Denn die Reaktionen auf die Hochzeit waren keineswegs bloß freundlich. „Muss man in den USA nicht wenigstens beschränkt geschäftsfähig sein um heiraten zu dürfen!?“, fragt etwa ein User im Forum von orf.at. Ein anderer schimpft: „Dummheit kennt wirklich keine Grenzen“. „THIS IS ILEGAL!!!“, empört sich wiederum ein Kommentator auf YouTube. Alleine die Tatsache, dass dort das Video durchschnittlich bloß mit zweieinhalb Sternen bewertet wurde, kommt beinahe einer Vernichtung gleich. Freundlicher hingegen ist die Stimmung auf apfelaffinen Seiten wie macnn.com: „That is seriously cool“, lobt etwa ein Poster. Ein anderer wiederum schreibt: „I just hope they’re Mac users and when they have children, they’ll also use Macs.“
Diese Ambivalenz in den Reaktionen beschreibt sowohl die Stärke als auch einen potentiellen Schwachpunkt der Marke Apple: Zum einen ist die außergewöhnliche Begeisterung der Apple-Konsumenten natürlich äußerst einträglich. Gegen allfällig berechtigte Kritik scheinen sie weitgehend immun zu sein. Zum anderen scheint diese oft als quasireligiös empfundene Hingabe auf andere geradezu abstoßend zu wirken. Apple hat damit das gleiche Problem, wie viele politische Parteien, Kirchen oder Organisationen: Was intern den Zusammenhalt stärkt, kann außerhalb rasch für Kopfschütteln sorgen. Die Geek-Hochzeit hat somit wohl eine ähnliche Wirkung wie Hardliner-Sprüche von Kardinälen oder die in sozialdemokratischen Milieus gepflegte Anrede „Genosse“: Sie verbindet, schreckt möglicherweise aber auch ab – und beschneidet damit das Gesamtpotenzial.
Für eingefleischte Fans war die Geek-Hochzeit im Apple Store sicherlich eine großartige Geschichte, wie sie kaum eine Werbeagentur besser hätte inszenieren können. Für Durchschnittsuser hingegen könnte es sich um etwas zu schwer verdauliche Kost gehandelt haben.
Text- und Bildquellen:
http://www.viralblog.com
http://www.telegraph.co.uk
http://timesofindia.indiatimes.com
http://www.huffingtonpost.com
http://www.pcworld.com
http://www.youtube.com
http://www.macnn.com
Tags: Apple - Gepostet von Rafael Buchegger






















Also allein die Tatsache, dass wahrscheinlich Millionen von Menschen dieses Hochzeits Video gesehen, in ihren Büros und zu Hause darüber geredet haben und die Marke mit etwas verrücktem – etwas “anderes” in Verbindung gesetzt wird, dürfte ein wirklich positiver Effekt für Apple sein. Wenn, dann wird m.E. eher das Brautpaar in den Gesprächen negativ belastet – weniger die Marke.