Apples iPad: Kommt die Medienrevolution?

Das iPad weckt hohe Erwartungen: Das Tablet soll nicht nur die Gewinne von Apple in neue Sphären schrauben, sondern mit seinem Bezahl-Modell auch den alten Medien wieder aus der Verlustzone helfen. Ob die geplante Medienrevolution tatsächlich stattfinden wird, liegt jedoch nicht in den Händen von Apple.

iPad

Selten war eine Produktpräsentation mit so viel Spannung erwartet worden. Nun wissen wir: Das neue Tablet von Apple wird nicht iSlate, sondern iPad heißen, ist 670 Gramm schwer, hat einen Umfang von 24 mal 19 cm und ist 1,25 cm dünn. Den überlebensgroßen Erwartungen wird es aber zumindest in seiner ersten Ausführung nur bedingt gerecht. Moniert wird unter anderem die eingeschränkte Konnektivität, die fehlende Kamera und natürlich der Preis von 499 Dollar aufwärts. Zyniker rechnen sogar vor, dass das mittlerweile sieben Jahre alte TC 1100 von HP dem iPad in vielerlei Hinsicht überlegen sei. Zudem wird allerorts geunkt, dass es schlicht keinen Markt für das iPad gebe, zumal auch die Unterschiede zum iPhone zu gering seien.

Für das iPad spricht hingegen die Marke: So, wie Musikliebhaber auch weiterhin das neueste Album ihrer Lieblingsband kaufen, selbst wenn es nicht mehr ganz so toll ist, so darf auch Apple darauf hoffen, dass sein Name sein stichhaltigstes Argument bleibt. Zudem beruht der Erfolg von Apple in den letzten zehn Jahren ja schließlich auch darauf, dass es Steve Jobs gelungen ist, Märkte zu erschließen, die davor noch gar nicht existent waren. Das gehobene Preisniveau schien dabei sogar eher förderlich zu sein. Tatsächlich könnte die Zeit für ein Tablet reif sein: So hat Amazon seinem E-Book-Reader Kindle im vierten Quartal 2009 sogar einen Rekordgewinn von 384 Millionen Dollar zu verdanken. Wird das iPad nun also den Medienmarkt revolutionieren?

„Unzählige Artikel wurden darüber geschrieben, dass das neue Tablet der Retter der alten Medien sein könnte“, schreibt TechCrunch-Autor Jason Kincaid. „Angeblich werden die Leute nun anfangen, für Content zu bezahlen, weil dieser nun direkt unter ihren Fingerspitzen verfügbar wird.“ Doch dies könne das Internet schon jetzt genauso gut, argumentiert Kincaid. Er fürchtet: „Die wahre Revolution lügt bezüglich des neuen Mediums, dass das Tablet uns zur Verfügung stellen wird“ – aber „das liegt nicht in den Händen Apples“.

Hinter den kryptisch anmutenden Worten steht nicht die Befürchtung, dass mit dem Gerät selbst etwas nicht in Ordnung sein könnte. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass es die Verlagshäuser verabsäumen könnten, adäquaten Content anzubieten. So schrieb kürzlich die LA Times: „Obwohl Apple sein Händchen für trendige Geräte und digitale Stores, in denen Verlage ihre Waren verkaufen können, bewiesen hat, meint Gartner-Inc.-Analyst Allen Weiner, dass es noch eine Menge an Anläufen nach dem Prinzip von Trial & Error geben wird, bis Magazin- und Buch-Verleger die feine Kunst digitaler Ausgaben beherrschen, die die Vorteile der Audio- und Video-Wiedergabe auch wirklich nutzen.“ Es stellt sich daher die Frage, wie lange es dauern wird, bis Verlage den behänden Umgang mit dem neuen Medium gelernt haben. „Vielleicht bin ich ein Pessimist, aber ich glaube, das wird ein langer und frustrierender Prozess“, prognostiziert TechCrunch-Autor Jason Kincaid.

Notwendig wird dieser allemal: Kaum ein Leser wird für Premium-Content zahlen wollen, den man auch gratis im Web findet. Bis auf wenige Ausnahmen – bei exklusiven und hochqualitativen Inhalten, wie sie etwa die New York Times bietet – wird die Einführung von Bezahlmodellen nur dazu führen, dass die Webuser zu frei verfügbaren Online-Alternativen wechseln. Wie können wir uns also diesen sogenannten „hybridized Content“ vorstellen, der in uns ein so starkes Will-Haben-Gefühl aufkommen lässt, dass wir dazu bereit sind, dafür Geld auszugeben?

„Stellen sie sich eine Biografie von Abraham Lincoln vor, die es Ihnen ermöglicht, Fotos von jeder erwähnten Person und jedem erwähnten Ort mit einem einzigen Fingerzeig anzuzeigen“, schwärmt Jason Kincaid über die technischen Möglichkeiten. „Ein Klaps an der Spitze des Schirms könnte zur Orientierung eine interaktive Timeline von Lincolns Leben anzeigen lassen.“ Dabei sollte es sich nicht um simples Herumhüpfen von Link zu Link handeln, findet Kincaid: „Das gesamte Ergänzungsmaterial würde in das Leseerlebnis einfließen, während sie nie die Stelle aus den Augen verlieren, die sie gerade lesen.“

Ob Content ausgerechnet so aussehen muss, damit wir etwas lockerer auf unserem Portemonnaie sitzen? Es darf gezweifelt werden. Doch Eines ist sicher: Ob Tablets wie Apples iPad eine finanziell ertragreiche Medienrevolution lostreten können werden, hängt weniger von den Geräten selbst ab, als vielmehr davon, ob es den Verlagen gelingen wird, Content mit einem entsprechenden Mehrwert anzubieten.

Textquellen:
http://www.techcrunch.com
http://www.latimes.com
Bildquelle:
http://www.youtube.com

Keine verwandten Artikel gefunden.

Tags: , , - Gepostet von Rafael Buchegger





Add a comment (without Facebook Log In)