Freundschaft 2.0 – Eine Abart?

Was ist eigentlich ein Freund? Und ist es eigentlich normal, dass man heutzutage über 500 Freunde besitzt während die echten Freunde irgendwo versauern? Ein Blick auf Facebook und Co.

Hat man früher noch von „echten Freunden“ gesprochen, so ist es heute gang und gebe über 300-400 „Freunde“ zu besitzen. Eigentlich müsste die Bezeichnung ja passenderweise maximal „Bekanntschaften“, „Gelegenheitsfreund“ oder „Personen, die ich mal flüchtig beim Fortgehen kennen gelernt habe“ heißen. Um noch korrekter zu sein, müsste es auch Bezeichnungen wie „unbekannte Freunde“ geben, denn viele User fügen auch komplett fremde Menschen zu ihrer Freundesliste hinzu.

Sophos, ein Antiviren-Software Hersteller, startete in den vergangenen Jahren hierzu ein passendes Experiment. Via Fake-Account wollte das Unternehmen testen, wie leicht man an fremde Benutzerdaten gelangt. Durch wahlloses Verschicken von Freundschaftseinladung gelang dies auch erschreckend gut. Auch wenn die fiktive Person, also den von Sophos kreierten Account, niemand (er-)kannte, sie war ja erfunden, nahm fast die Hälfte aller „Versuchskaninchen“ die Freundschaftseinladung an und gewährte somit Einblick auf sehr sensible Daten, wie E-Mail Adresse, Telefonnummer oder genaue Wohnadresse. Von diversen Fotos und Videos ganz zu schweigen. Dieser Sorg- und Verantwortungslosigkeit um die eigenen Daten steht ein Aufschrei gegenüber, sobald publik wird, dass wieder ein Unternehmen via social networks an Privatdaten gelangt ist. Dabei ist sich gerade in punkto Internetsicherheit jeder selbst der Nächste.

Doch wie kann es dazu überhaupt kommen? – Die Erfindung solcher Online-Plattformen und Webnetzwerken bietet ja in erster Linie eine Vielzahl an Vorteilen an, die schnelle und unkomplizierte Kommunikation unter Menschen an vorderster Front genannt, jedoch schaut die Kehrseite der Medaille wie folgt aus.

Facebook und Co. avancieren zu Selbstdarstellungsprogrammen, die eigentlich nur das unendlich groß scheinende Mitteilungsbedürfnis der (primär jungen) Gesellschaft befriedigt. Abgesehen davon, dass nur einen Bruchteil der Menschen/“Freunde“ daran interessiert ist, darüber in Kenntnis gesetzt zu werden, was man in jeder Stunde des Tages macht, zeigt Cameron Marlow, Statistiker bei Facebook, ein paar wirklich interessante Zahlen auf:

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Tatsächlich sind nur 8% aller Personen/“Freunde“ tatsächlich solche Kontakte, die auch tatsächlich einigermaßen regelmäßig gepflegt werden. Erschreckende 86% sind einfach „nur da“. Um der Diskussion um die Bezeichnung dieser Personen (Freund vs. Kontakt) genüge zu tun, könnte man an dieser Stelle die Möglichkeit nennen, dass man Freunde auf diversen Plattformen ja kategorisieren kann. Betrachtet man aber schon einmal die Tatsache an sich, dass eine „Freundesliste“ relativ pervers ist, so macht es die Einteilung jener in Listen wie „Freund“ oder „ferner Bekannter“ gleich noch absurder.

Marlow führt weiters an, dass die zum damaligen Zeitpunkt 175 Mio. Facebook-Nutzer 102 Sekunden täglich online sind. Bei einer durchschnittlichen Anzahl von 120 Freunden, bekommt also jeder Freund durchschnittlich Aufmerksamkeit in der Länge von 0,85% zugesprochen. Relativiert wird das weitgehend durch die vorhin genannte Tatsache, dass der Großteil der Zeit ja für nur 8% aufgewendet wird.

Die schnelllebige Internetgesellschaft wird ihrem Ruf also abermals gerecht. Geht man in der Realität mit echten Freunden „auf ein Getränk“, werden es hin und wieder doch einige Stunden, die man miteinander verbringt; betrachtet man allerdings eine tägliche 2 Minuten Kontaktpflege, sieht man sich mit der Tatsache konfrontiert, dass eine 2 Minuten-Beschäftigung diesbezüglich nicht einmal ausreicht um die Zimmerpflanze dauerhaft am Leben zu erhalten, geschweige denn, von echten Freundschaften unter den Usern zu sprechen.

Allerdings sind solche Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da sie unter Umständen auch stark verzerrt sein könnten. Der weiterhin stark ansteigende Trend in Richtung social medias hat aber andererseits eine große wirtschaftliche Bedeutung. Viele Unternehmen und Organisationen setzen zu Recht auf diese Kommunikationskanäle, um ihre Zielgruppen bis hin zu ihren eigenen Mitarbeitern zu erreichen. Da dieser Trend auch für die entfernte Zukunft gelten könnte, gilt als wahrscheinlich.

Quelle Text und Bild: brainwash.webguerillas.de

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